TUI, Thomas Cook

Germany, rule the waves!

Das britische Touristikgeschäft schwächelt, die Börse ist geschockt von Gewinnwarnungen – da entdecken die deutschen Touristikkonzerne mit Sitz an der Themse plötzlich wieder ihre Liebe zu Deutschland.

von Klaus Hildebrandt, 11.08.2010, 15:17 Uhr

Kalte Dusche für die großen Reisekonzerne: Gestern schickte der Zwischenbericht von TUI Travel den Aktienkurs auf Talfahrt, heute legte Thomas Cook nach. Die TUI AG hatte Glück: Zwar muss auch sie die Einbußen von TUI Travel durch ein vor allem in Großbritannien schwieriges Kurzfristgeschäft und die Aschewolke im April verkraften. Aber gleichzeitig steigt die auf der Verkaufsliste stehende Hamburger Reederei Hapag-Lloyd dank des Exportbooms wie Phönix aus der Asche empor.

Der britische Markt ist sowohl für TUI als auch für Thomas Cook von elementarer Bedeutung: Dort haben sie nicht nur ihren Hauptsitz und betreiben Kurspflege an der Londoner Börse. Vom Gewinn her ist er neben dem Margenspitzenreiter Skandinavien entscheidend. Doch während sich in Deutschland die Konjunktur erholt und sogar schon wieder über einen möglichen Fachkräftemangel debattiert wird, ist das Konsumklima in Großbritannien nach dem Blut-Schweiß-und-Tränen-Sparpaket der neuen Regierung nach wie vor gedrückt (gäbe es nicht die unselige Luftverkehrssteuer, hätte unsere Branche das Merkelsche Sparpaket wahrscheinlich schon ganz vergessen).

In einer Telefonkonferenz sang Manny Fontenla-Novoa, Chef von Thomas Cook, heute das Hohelied des deutschen Marktes. Das tut der charismatische Engländer mit spanischem Pass zwar immer, aber diesmal schien es aus vollem Herzen zu kommen. Mit dem Öger-Deal konnte der schon als Ankündigungsweltmeister verspottete Manager punkten, nun könnte die Crew um Deutschland-Chef Peter Fankhauser sogar die Gewinnvorgabe aus London übertreffen. Bei der TUI in Hannover geht es im Sommer nach schwierigem Start auch kräftig aufwärts, der Winter ist dort ebenfalls gut angelaufen.Wenn das deutsche Konsumklima in den nächsten Monaten so gut bleibt, könnten die beiden Marktführer nach dem Schrumpfkurs 2010/11 tatsächlich wieder wachsen. Veranstalter wie FTI und Schauinsland, die sich mit niedrigeren Renditen zufrieden geben, tun es schon längst, von den Kreuzfahrern ganz zu schweigen.

Damit könnten auch im nächsten Jahr die Deutschland-Töchter (nur zur Erinnerung für Branchennovizen: sie waren mal die die Hauptsitze) von TUI Travel und Thomas Cook zeigen, dass die Deutschen die Wellen und Stürme der Wirtschaftskrise besser meistern als ihre Kollegen auf der Insel. Deshalb mein patriotischer Gesangsbeitrag zum England Tourism Song Contest: Germany, rule the waves!

Kommentare

von Herbert, 13.08.10, 11:01
Gut geblogt, Klaus! Dieser Blog beinhaltet offensichtlich bereits alle denkbaren Kommentierungen, so dass es den Bloggern den blog verschlägt. Das ist mein Kommentar dazu, damit wenigstens 1 x kommentiert wird.

von Klaus, 13.08.10, 12:52
Lieber Herbert, danke dafür und ein schönes Wochenende!

von Wolfgang Hoffmann, 13.08.10, 14:02
Neine, nein, es liegt nicht am Gesamtgehalt der Blogvorgabe, es leigt alleine am ersten Satz, den ich mir nunmehr zum gut Tausendsten Male durchlese, immer wieder, wie ein Mantra vor mir hersage, ich meine Oma gebetebn habe, mir das auf ein Schmusekissen zu stricken und den ich mir am Montag sogfar auf die Netzhaut tattowieren lasse, damit ich ihn immer vor Augen habe: <<< da entdecken die deutschen Touristikkonzerne mit Sitz an der Themse plötzlich wieder ihre Liebe zu Deutschland. >>> Mal ehrlich, hätte mir das noch jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich so etwas noch einmal im Leben ernsthaft für möglich hätte halten können, ich hätte denjenigen für verrückt erklärt. Wenn ich halbwegs wieder geradeaus gucken kann, mein Freundentaumel irgendwie wieder handhabbar wird, ich aufhöre, vor Glück zu heulen, wie ein Schlosshund, dann schreibe ich auch was halbwegs intelligentes hier dazu. Bis dahin murmel ich nur ständig vor mich hin: Ich fass es nicht! Ich kann es einfach nicht glauben!

von Herbert, 13.08.10, 14:18
@Wolfgang Hoffmann: Möge Ihr Freudentaumel noch möglichst lange anhalten ....

von Konstantin Herber, 13.08.10, 14:42
Ja, ja - es könnte doch sein, daß engagierte Reisebüromitarbeiter und Inhaber ( neben anderen ) Ihren Handelsherren, die Quartalsergenisse schön(er) gearbeitet haben, Aschewolken u. Onlinemonstern getrotzt u. Mali entsorgt u. Provisionsmodelle verbessert haben. Luja sog I. (die Analogie lieber Klaus heißt:) Germania rule the waves! Oder? Servus!

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