TUI, Thomas Cook

Britische Kriegsgewinnler

Hat die TUI von der Chaos-Woche bei Thomas Cook profitiert? Ein Blick hinter die Kulissen.

von Klaus Hildebrandt, 06.12.2011, 13:25 Uhr

Rund zwei Stunden habe ich gestern erst der Analysten- und dann der Journalistenkonferenz mit TUI-Travel-Chef Peter Long und seinem Finanzvorstand Will Waggott gelauscht. Viele Zahlen, viele Fakten, wie auf fvw.de berichtet. Während die Analysten in den Finanzdetails bohrten, bewegte die britischen Journalisten vor allem eine Frage: Hat die TUI UK von dem öffentlich zelebrierten Drama um die Thomas-Cook-Kreditverlängerung profitiert?

Long äußerte sich diplomatisch: Ja, es habe in der betreffenden Woche in Großbritannien mehr Buchungen gegeben, aber ob das auf den Cook-Schlagzeilen beruhe, sei ungewiss. Es könne auch am Wetter gelegen haben – vor einem Jahr stand in Großbritannien nach einem herben Wintereinbruch das öffentliche Leben fast still. Diese Antwort war für die Fragesteller natürlich wenig schlagzeilenträchtig. Also wurde die Frage in neuen Variationen gestellt. Bis Long dann sagte, wenn Thomas Cook Geschäft verliere, sei TUI als Marktführer der "natürliche Gewinner". Bingo, schon war die Headline da!

Und natürlich ging es auch um die umstrittene Werbekampagne der TUI UK, die angesichts der Cook-Probleme in großen Anzeigen darauf hinwiesen, ein Mitbewerber sei "in Schwierigkeiten", aber bei der TUI-Marke Thomson seien die Urlauber "in sicheren Händen". Man habe doch nur die Urlauber aufklären wollen, dass Thomson zur TUI gehöre, beteuerte Long etwas blauäugig, die Kunden brächten die Marken oft durcheinander. Das spricht zwar nicht gerade für die sonst von Long gern gefeierte Markenstärke, aber sei's drum: Schließlich gehörte vor gut zehn Jahren ja sogar Thomas Cook zeitweilig zur TUI.

Thomas-Cook-CEO Sam Weihagen nahm die Thomson-Werbung im fvw-Interview in der aktuellen Ausgabe übrigens souverän hin: "Die hätte von mir sein können. So ist eben der Wettbewerb." In Deutschland hatten, wie aus Hannover und Oberursel zu hören ist, übrigens beide Konzerne zuletzt zwei recht gute Buchungswochen – ungeachtet der Cook-Probleme. Gut, dass nicht jeder Kunde weiß, zu wem Neckermann und Öger Tours gehören. Und man muss den deutschen Kunden ja auch nicht mit ganzseitigen Anzeigen aufklären, wer eigentlich zu wem gehört.

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