TUI-Hotel.com

Wie TUI hätte Booking.com vom Markt fegen können

TUI erlaubt seinen Hotelpartnern die Einstellung eigener Preise. Das soll Booking.com & Co Konkurrenz machen. Und es ist nicht einmal kopiert. Denn die Idee hatte die TUI bereits vor exakt zehn Jahren. Es hätte richtig gut werden können damals.

von Dirk Rogl, 06.03.2014, 14:14 Uhr

Das ist ein feiner Zug der TUI: Hoteliers können in dem Vertriebssystem des Veranstalters neuerdings ihre Nettopreise in Echtzeit ändern. Das aktualisierte Angebot wird dann als Top-Angebot gelistet, schafft so Verkaufsanreize im Reisebüro und auf TUI.com. "Nicht nur im Internet über Booking.com, sondern jetzt auch mit TUI im Reisebüro", wirbt die TUI.

Hoteliers sind bestens geübt in der Steuerung ihrer Preise. Über eigene Channel-Manager werden die Preise optimiert. Je nach Auslastung gibt es Discounts etwa für die eigenen Kanäle oder eben für die großen Hotel-Portale, die durch die Direktanbindung der Hoteliers erst groß geworden sind.

Vor zehn Jahren war das eine ziemlich revolutionäre Technik. HRS war damals führend in dieser Technologie. In den Niederlanden spielte ein kleines und bis dato völlig unbekanntes Hotelportal namens Booking.com mit dieser Technologie. Und pünktlich zur ITB 2004 präsentierte der damalige TUI-Boss Michael Frenzel eine wahrlich revolutionäre Technologie: Das Hotelportal TUI-Hotel.com ermöglichte Hotelpartnern schon damals die Einstellung eigener Preise und Kontingente.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. TUI-Hotel.com krankte am Henne-Ei-Problem des knappen Angebots bei geringen Buchungszahlen, an schwergängiger Usability und nicht ausreichender Marketing-Power. Booking.com wurde 2005 von Priceline übernommen, optimierte seine Hotelanbindungen und schickte Heerscharen leibhaftiger Hoteleinkäufer zur verbalen Überzeugungsarbeit iin bundesdeutsche Herbergen. Booking.com ist heute Weltmarktführer im Hotelgeschäft. TUI-Hotel wurde erst in TUI.com integriert und irgendwann eingestellt. Der genaue Zeitpunkt bleibt im Dunkeln. Niemand hat es bemerkt.

Zehn Jahre später gibt es wieder tagesaktuelle Hotelpreise bei der TUI. Und das ist gut so. Kleiner Tipp für kommende Innovationen im TUI-Hotelgeschäft: Booking.com lebt - ebenfalls seit vielen - prächtig mit seinem Bidding-Prinzip, der Listung der Hotelangebote auch nach der Höhe des jeweiligen Provisionsangebot der Hoteliers. Das kann sich einer leisten, der langfristig einen Markt penetriert hat und dort eine führende Rolle einnimmt.

Die neuen Echtzeitpreise der TUI starten nicht in Deutschland, sondern am Mittelmeer. Mit entsprechender Kraft und langem Atem könnte es dort jetzt ungemütlicher für Booking.com. Die großartige Chance des Touristik-Konzerns, eine global führende Rolle im Online-Vertrieb zu spielen, gab es vor zehn Jahren.

Kommentare

von Horst, 06.03.14, 16:25
"TUI" und "führende Rolle im Online-Vertrieb" haben noch nie zusammengepasst. Vor 10 Jahren nicht, heute nicht, in 10 Jahren nicht! TUI muss auch erst abrauchen wie TC, dann wird der gesellschaftliche und technologische Wandel in der Chefetage eventuell verstanden. Dazu dann wie aktuell bei TC 40% Wasserkopfbelegschaft "sanft entfernen" (Menschen braucht man bei Technologie / Automatisierung eher weniger als mehr), auf eCommerce und mobile setzen und dann kann es vielleicht wieder etwas werden... wichtig in diesem Prozess: immer betonen dass die Reisebüros aber auch ganz ganz wichtig sind und bleiben ;-)

von Andrea Müller, 19.03.14, 14:33
Früher hätte sich auch niemand vorstellen können, daß jemand einen Tisch für das Restaurant um die Ecke online reserviert oder die Pizza online bestellt, obwohl die Pizzeria keine 200 Meter weg ist. Die Technologie wird nicht stillstehen und es wird viele Unternehmen geben, die wegen Stillstand zugrunde gehen.... aber das regelt sich von selbst

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