TUI AG

Hamburger Patrioten

Der Hapag-Lloyd-Verkauf eröffnet der TUI neue Spielräume. Und er könnte schneller als gedacht über die Bühne gehen.

von Klaus Hildebrandt, 14.12.2011, 17:04 Uhr

TUI-Chef Michael Frenzel gab sich heute auf der Bilanzpressekonferenz so, wie Aktionäre es gerne haben. Als es um den Verkauf der restlichen Hapag-Lloyd-Anteile ging, sagte er, es gehe allein darum, den maximalen Kaufpreis zu erzielen. Kommt keine Einigung mit dem Hamburger Konsortium, das die Mehrheit an der Reederei hält, zustande, kann die TUI ab Oktober 2012 Investoren sogar eine Mehrheit anbieten. Eine ausländische Reederei kauft das Traditionsunternehmen und macht die ehrwürdige Zentrale an der Binnenalster platt – ein Schreckgespenst für Hanseaten.

Nur deshalb war das Konsortium um die Stadt Hamburg und den eigenwilligen Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne eingesprungen, als vor einigen Jahren eine Reederei aus Singapur anklopfte. Und obwohl Kühne eigentlich nicht mehr Anteile kaufen will und die Stadt Hamburg mit 28 Mrd. Euro verschuldet ist, könnte es doch gut sein, dass sie die TUI-Anteile von zunächst 33,3 Prozent und später die restlichen 5,1 Prozent kaufen.

Hapag-Lloyd ist nicht nur wegen seiner Tradition und seiner 1100 Mitarbeiter am Standort Hamburg in der Hansestadt von großer Bedeutung. Auch für den Hamburger Hafen ist die Reederei elementar: Der Verbund der Grand Alliance mit dem Mitglied Hapag schippert rund 40 Prozent aller Container in den Hafen. Ein monatliches öffentliches Gezerre um Hapag, verbunden mit Spekulationen über immer neue Investoren, kann sich Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) eigentlich gar nicht leisten. Schon heute fordert das "Hamburger Abendblatt" den Senat auf: "Die Stadt soll Hapag sichern". Es sei "Zeit für Lokalpatrioten". Hinzu kommen in diesen Tagen unerfreuliche Nachrichten aus der maritimen Wirtschaft: Die Sietas-Werft ist insolvent, Blohm+Voss wurde gerade an einen britischen Finanzinvestor verkauft, die Shell-Raffinierie im Harburger Hafen nach Schweden.

Gut möglich ist deshalb, dass die Stadt und auch Kühne nochmal in die Tasche greifen. Dass die TUI das Konsortium mit der Andienung der Anteile öffentlich unter Druck setzt, kann den Politikern als Argumentationshilfe eher dienlich sein. Frenzel bekäme mit einem raschen Abschluss den leidigen Hapag-Ausstieg endlich vom Tisch und könnte sich schneller der Fortentwicklung der Touristik widmen. Wer weiß, ob im Herbst angesichts der eingetrübten Weltkonjunktur und weiterer Überkapazitäten in der Schifffahrt ein besserer Preis zu erzielen wäre. Schließlich würde Frenzel, der aus eigener Erfahrung in der SPD weiß, wie Politik tickt, bei einer Hamburger Lösung auch nicht das Image anhaften, "unpatriotisch" allein den Shareholder Value maximiert zu haben. Aber das wäre dann eher eine stille Genugtuung, die er nicht mit seinen Aktionären auf der Hauptversammlung teilen sollte.

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