TUI AG

Frenzels Kontrolleure

Die TUI hat einen neuen Aufsichtsrat mit Klaus Mangold an der Spitze und Frenzel-Kritiker Fredriksen fragt zu Recht, wer bei der TUI eigentlich wen kontrolliert.

von Klaus Hildebrandt, 10.02.2011, 08:31 Uhr

Normalerweise, so sagte Tor Olav Troim, der Adlatus des öffentlichkeitsscheuen norwegischen Großaktionärs John Fredriksen auf der Hauptversamlung in Hannover, kontrolliere der Aufsichtsrat den Vorstand. Aber er habe das Gefühl, bei der TUI suche Vorstandschef Michael Frenzel sich seine Kontrolleure selbst aus.

So ganz falsch liegt der Norweger da nicht. Seit Jahren ist es ein geflügeltes Wort in Hannover, dass es eigentlich egal sei, wer unter Michael Frenzel Aufsichtsratschef ist. Mit einem unglaublichen Machtinstinkt und politischem Geschick hat Frenzel es verstanden, so lang wie kaum ein anderer Manager an der Spitze eines großen deutschen Konzerns zu stehen.

Allerdings sind der neue Aufsichtsratschef Klaus Mangold und Vorgänger Dietmar Kuhnt schon richtige Schwergewichte der deutschen Wirtschaft, die ihre Aufsichtspflicht sehr ernst nehmen und bewiesen haben, dass sie für den Vorstand ein unangenehmer Counterpart sein können. So etwa bei dem peinlichen Bilanzfehler von 117 Mill. Pfund der Tochter TUI Travel. Auch der neue Aufsichtsrat Christian Strenger, dem sogar Fredriksen zugestimmt hat, gilt als unbequemer Wächter über eine gute Unternehmensführung.

Troim hat insofern Recht, als dass Frenzel es in den vergangenen Jahren geschafft hat, Großaktionäre mit touristischem Interesse zu gewinnen und diese dann im Aufsichtsrat zu verankern. Allen voran der Russe Alexej Mordaschow als größter Aktionär, aber auch die der TUI eng verbundenen Riu-Hotels, den marokkanischen Fonds DCG und die spanische Sparkasse CAM. All diese Aktionäre entsenden Mitglieder in den Aufsichtsrat, Mordaschow seit gestern sogar zwei.

Dies diente natürlich auch dem Machterhalt von Michael Frenzel. Aber es war auch ein Schritt, um die TUI nicht zum Spielball von zwielichtigen Investoren werden zu lassen. Vor einigen Jahren wollten schließlich Heuschrecken den Konzern filetieren. Auch Steuerflüchtling Fredriksen, der mit umstrittenen Methoden in seinem Schifffahrts- und Fischzucht-Reich agiert, hatte ursprünglich eigentlich nur Hapag-Lloyd im Blick. Und mit touristischen Blick finde auch ich es besser, wenn bei der TUI Aktionäre und Aufsichtsräte wie zum Beispiel Carmen Riu am Werk sind, die in der Branche den besten Ruf genießen.

Jetzt macht das nordische Raubein Fredriksen mit Firmensitz auf Zypern und Wohnsitz in London aus der Not eine Tugend. Nachdem Troim drei Jahre hintereinander mit seinen Brachialattacken gegen die TUI-Führung ins Leere lief, gibt er sich als konstruktiver Geschäftsmann, der urplötzlich die Liebe zur ach so schönen Touristikbranche entdeckt hat. Selbst bei TUI Travel kauft er nun Anteile. Und weil die von Fredriksen befürwortete Abspaltung von Hapag-Lloyd auf dem Weg ist, das Touristikgeschäft abgesehen von Ägypten und Tunesien prima läuft und es diesmal auch sonst nicht so viel zu meckern gab, nahm Troim dann die mögliche Vertragsverlängerung von Frenzel über den März 2012 hinaus aufs Korn. In bester Obama-Manier forderte er, es sei "time for a change".

Man kann über die Leistung von Frenzel an der Preussag- und TUI-Spitze durchaus geteilter Meinung sein. Aber würde Frenzel den Vertrag nicht verlängern (spekuliert wird über zwei Jahre), würde er in spätestens einem halben Jahr zu dem werden, was die Amerikaner eine "lame duck" nennen: Ein Mann, der nur noch wenige Monate im Amt ist und bei dem alle schon auf den potenziellen Nachfolger schielen. Das aber könnte sich die TUI in so einem entscheidenden Jahr, wo der Börsengang von Hapag-Lloyd ansteht und die Londoner Tochter TUI Travel wieder näher an die TUI-Holding heranrücken soll, gar nicht leisten. Also muss sich der gute Herr Troim wohl noch ein wenig gedulden und kann schon mal an seiner Hauptversammlungsrede für 2012 feilen.

Kommentare

von Andreas Schulte, 10.02.11, 12:09
Aber woher weis man denn so genau, was der Oligarch Alexej Mordaschow mit der TUI wirklich vor hat ? Auf so ganz koschere Art dürfte er nicht an das Geld gekommen sein, dass er heute in die TUI investiert hat. Warum also soll er lauterer als der Norweger John Fredriksen ? Merkwürdig ist doch, dass der Russe in ein eigentlich völlig unattraktives Geschäft investiert. Denn in der Regierungszeit von Herrn Frenzel, ist der Wert der Preussag / TUI auf der Stelle stehen geblieben - Dividenden werden seit längerem auch nicht gezahlt. Vergleicht man die Entwicklung der TUI mit dem DAX, fällt Frenzels Bilanz mehr als traurig aus. Immerhin ist der DAX während in der Regierungszeit von Frenzel um rund 200 % gestiegen.

von Siegfried Egyptien, 10.02.11, 16:08
Hallo Andreas, was Herr Mordaschow als Vertreter Russlands und der russischen Politik (= Putin) will (=soll) habe ich hier: "http://blog.fvw.de/index.cfm/2007/11/22/Wird-die-TUI-russisch" schon früher ausgeführt. Herr Mordaschow will nicht das Schicksal Chodorkowskis teilen. Da beteiligt er sich lieber an einer TUI, die langfristig komplett nach Brasilien oder an die Weltbank verkauft werden wird. Dann kann er den Lohn seiner Arbeit einstecken. Vorher werden noch weitere Aufstände in verschiedenen Zielgebieten aufflackern. Tunesien und Ägypten als die zur Zeit wichtigsten Destinationen werden den Druck auf den Marktführer beibehalten. Es ist also die Zeit für die TUI gekommen, sich politisch für Freiheit in den Zielgebieten zu engagieren. Das bedeutet zwar einen Strategiewechsel, aber es wäre nicht der erste.

von barthe.eu, 15.02.11, 10:43
Ich würde dabei auch mal im Auge halten, dass ein Firmenchef auch ein Mensch ist. Es ist heute auch auf dieser Ebene schwieriger geworden, nach dem Machtabtritt eine adäquate Folgeaufgabe zu bekommen. Und man hat sich doch an das Salär gewöhnt... Ein 'schlauer' Manager versucht doch möglichst lang im Amt zu bleiben - siehe auch Herrn Ackermann. Was Mordaschow angeht: Hat man das russische Machtgefüge (und die einhergehenden Geldflüsse) einmal durchschaut, ist das alles sehr offensichtlich. Davon leben russische Manager und Politiker - das Leben muss kalkulierbar sein. Risiken geht man dann schon mal ein. Kriminell ist es nur zu verlieren... Da arbeiten deutsche Spitzen in wesentlich komplizierteren Minenfeldern, die nur deshalb so kompliziert sind, weil hier die Regeln ('Gesetze') verkompliziert werden um nur ja keinen Vorteil (und keine Innovation = Investition) zuzulassen.

von Siegfried Egyptien, 18.02.11, 10:23
Der Link zu dem zukünftigen politischem Hintergrund der TUI war fehlerhaft! Ich hoffe, dieser hier funktioniert: http://blog.fvw.de/index.cfm/2007/11/22/Wird-die-TUI-russisch Auf das wir bald neue Destinationen am Süd- und Ostrand des Mittelmeeres sowie an den Küsten und Gebirgen rund ums schwarze Meer erhalten!

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