TUI AG

Die neuen Inhalte der TUI

TUI-Hauptversammlung in Hannover ohne Krawall. Und für Konzernchef Michael Frenzel schließt sich ein Kreis.

von Klaus Hildebrandt, 15.02.2012, 15:20 Uhr

So viel gepflegte Langeweile war schon lange nicht mehr bei der Hauptversammlung der TUI. In den vergangenen drei Jahren sorgten die Schimpftiraden von Großaktionär John Fredriksen, vertreten durch seinen Adlatus Tor Olav Troim, für Aufsehen. Aktionärsvertreter beklagten lautstark die miese Kursentwicklung und die wieder mal ausgefallene Dividende.

Zwar mahnten auch diesmal Aktionäre eine Dividende an, und als Aufsichtratsvorsitzender Klaus Mangold über die zweijährige Vertragsverlängerung für Vorstandschef Michael Frenzel berichtete, gab es einige Buh-Rufe von Kleinaktionären. Aber ansonsten gab es diesmal das übliche HV-Geplänkel: Von Forderungen nach mehr Frauen im Management, niedrigeren Vorstandsgehältern und mehr Umweltschutz bis hin zu Aktionären, die ausführlichst von missglückten Urlaubsreisen erzählten. Frenzels Intimfeind, der frühere Chef der Salzgitter Stahlwerke Hans-Joachim Selenz, schaffte dann sogar noch einen Bezug zur Causa Wulff: Er präsentierte Kopien der Rechnung des Sylt-Urlaubs des Bundespräsidenten 2007. Der Aufenthalt war damals vom Unternehmer David Groenewold über den VIP-Service von American Express bezahlt worden, die wiederum die TUI-Marke Airtours als Dienstleister unter Vertrag hatten.

Frenzel berichtete ausführlich über den Verkauf weiterer Anteile an Hapag-Lloyd. Die Reederei Hapag-Lloyd war mit ihrer TUI-Beteiligung vor 15 Jahren für den damaligen Chef des Mischkonzerns Preussag der Schlüssel zur Touristik. Nun aber hängt die wieder in schwere See geratene Container-Schifffahrt wie ein Klotz am Bein. Frenzel kann schon zufrieden sein, dass ihm die Stadt Hamburg und Klaus-Michael Kühne wenigstens die Hälfte der verbliebenen Anteile abkaufen. Inklusive einer Schuldenrückzahlung fließen der TUI 700 Mill. Euro zu. Mehr Geld konnten die zwar stolze, aber klamme Hansestadt und Kühne (aus seinem Privatvermögen) nicht aufbringen. Den Rest der Anteile kann die TUI zwar bei einem Börsengang loswerden oder an einen Investor verkaufen, aber das kann noch dauern.

Für Frenzel ändert sich dadurch mal wieder die Lage. Eigentlich wollte er die TUI entschulden und sicher auch gerne noch die Londoner Tochter TUI Travel komplett übernehmen und in Hannover eingemeinden. Aber Frenzel wäre nicht seit 1994 Vorstandschef, wenn er nicht auch diese Situation für sich zu nutzen wüsste. Dann bleibt die TUI eben eine Holding mit einer kleinen Schifffahrtsbeteiligung, "Content plus" heißt die neue Strategie, mehr dazu lesen Sie hier. Die TUI bietet eben immer viel Content, für uns Journalisten allemal.

Kommentare

von Kirsten, 16.02.12, 13:07
Endlich einmal ein Profi, der nach "airtours online Dienst"und "airtours VIP Service" die Zusammenhänge der Buchung Wulff korrekt darstellt. Danke!

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