TUI AG

Der Mann hinter Frenzel

Es war heute seine letzte Bilanz-Pressekonferenz: TUI-Finanzvorstand Rainer Feuerhake tritt im Februar ab. Ohne ihn wäre der gesamte Konzernumbau von Vorstandschef Michael Frenzel nicht denkbar gewesen.

von Klaus Hildebrandt, 15.12.2009, 14:05 Uhr

Finanzvorstände gelten bei Aktiengesellschaften gemeinhin als graue Eminenzen. Im eigenen Konzern sind sie zwar mächtig, nach außen hin interessieren sie aber gerade noch mal am Tag der Bilanz-Pressekonferenz oder auf der Hauptversammlung, wenn Detailfragen von Journalisten oder Aktionären beantwortet werden müssen.

TUI-Finanzchef Feuerhake fällt in eine andere Kategorie. Nicht nur, dass er "sagenhafte 21 Jahre" (Frenzel) Vorstand war. Ohne den "hochkreativen Kollegen" hätte Frenzel den gewaltigen und manchmal reichlich riskanten und glücklosen Umbau des Industriekonglomerats Preussag zum Touristikkonzern TUI nie bewerkstelligen können. Frenzel vollzog so manche strategische Kehre und große Transaktion - Feuerhake hielt ihm den Rücken frei. Er gilt intern keinesfalls nur als ausführendes Organ des allmächtigen Vorstandschefs, sondern als verbindlicher Manager, der auch mal seinem CEO mit einer abweichenden Meinung in die Parade fahren kann.

Trotz immer neuer Brandherde im Konzern, zuletzt die Riesenverluste bei Hapag-Lloyd in Hamburg, Feuerhake schaffte immer eine Lösung. Und trotz einer miesen Einstufung der Kreditrating-Agenturen oder vernichtender Aktionärs- und Analystenkommentare, Feuerhake genießt bis heute großes Ansehen in Finanzkreisen und ist persönlich ein Garant für die TUI.

Eigentlich wollte der 65-jährige Feuerhake schon längst im Ruhestand sein. Aber wegen der Hapag-Krise musste er an Bord bleiben, mit seiner Erfahrung verhinderte er mit die Pleite der Traditionsreederei. Nach der Hauptversammlung im Februar tritt der mit einer Dänin verheiratete Skandinavien-Fan ab, mit Horst Baier folgt ihm ein langjähriger TUI-Mann.

An eine TUI AG ohne das Duo Frenzel/Feuerhake, die beide am selben Tag Geburtstag haben (nur, dass Feuerhake zwei Jahre älter ist), muss man sich erst gewöhnen. Feuerhake, der viel Humor hat und es schafft, auch komplizierteste Finanzdinge einfach zu erklären, wird einige Aufsichtsratsmandate behalten. Man kann vom strategischen Kurs und vom Konzernumbau der TUI halten was man will, mit ihm tritt ein außergewöhnlicher Finanzvorstand ab.

Kommentare

von Wolfgang Schäfer, 15.12.09, 14:52
Gut für die Branche, dass solche Leute mal in den Ruhestand gehen. Immerhin war Feuerharke offensiv daran beteiligt, im Laufe seiner 21 Jahre das gesamte Tafelsilber der TUI zu verscherbeln. Da er ja noch bis Anfang des Jahres dabei ist, schafft er es bestimmt, auch noch die letzten Hotels zu verhökern. Man muss sich mal überlegen, aus was die TUI/Preussag mal bestand, von den letzten Aktionen (Hapag, Airline) wollen wir gar nicht reden. Herr Feuerharke, bestimmt warten schon lukrative Aufsichtsratspöstchen auf Sie...

von Hans Müller, 15.12.09, 15:01
Wie kriegen die den denn nach 21 Jahren von seinem Stuhl ab? Der klebt doch dran....

von T. Rheinsberg, 16.12.09, 18:53
Klaus Hildebrandt hat absolut recht, Rainer Feuerhake ist nicht nur ein aussergewöhnlicher Mensch, sondern auch ein echter Finanzfuchs. Das die Dinge manchmal anders laufen als erhofft, kann nun einmal passieren in einer Zeit mit 9/11, Golfkrieg und Welt-Finanzkrise.

von Wolfgang Hoffmann, 17.12.09, 11:16
"...strategischer Kurswechsel und erfolgreicher Konzernumbau..." - und das trotz 9/11, Golfkrieg und Welt-Finanzkrise... SARS, Vogelgrippe, Terroristen, Piraten und Tsunami dürfen wir nicht vergessen. Nur, ich möchte bezweifeln, ob dahinter objektiv nachprüfbare Verdienste stecken, oder ob es größtenteils einfach nur Glück gewesen ist. Immerhin waren die Opfer der Finanzkrise nicht durch die Bank nur Deppen, die hatten eben vielleicht nur Pech. In jedem Fall möchte ich denjenigen erleben, der mir auseinanderklamüsern kann, dass alles so hat passieren müssen und nicht irgendwie anders.

von Stefan Werner, 17.12.09, 11:29
Gute Unternehmen sind unabhängig von Glück und Pech des Weltgeschehens krisenfest. Man kann Frenzel und Feuerhake sicher einiges vorwerfen, aber nicht die aktuelle Wirtschaftskrise und daraus folgend die Einbrüche bei Hapag-Lloyd. Vor der Krise galt die Reederei noch als Gewinner der Globalisierung, und ohne die TUI wären am Hamburger Ballindamm schon längst die Lichter ausgegangen.

von Wolfgang Hoffmann, 17.12.09, 18:06
mir wären die Lichter am Ballindamm sowas von egal, wenn wenigstens Iris mal funktionieren würde, verdammt!

von Andreas Schulte, 17.12.09, 19:02
@Stefan Werner - Im Grunde kann man Frenzel und Feuerhake sehr wohl auch ein Stück weit für diese sogenannte Krise mit verantwortlich machen. Sie waren - und haben das bis heute wohl auch kaum geändert - nämlich willfährige Handlanger eines Friedel Neuber. Zur Erinnerung, das war der ehemalige größenwahnsinnige Häuptling der WEST-LB, der diese Bank per Saldo letztendlich an die Wand gefahren hat. Friedel Neuber hatte die Vision einer allmächtigen Touristikwelt unter seiner Führung. Er hatte seine Finger in der LTU, der heutigen REWE-Pauschaltouristik, in Hapag und halt auch in der seinerzeitigen Preussag und der TUI. Als Ziehsohn von Neuber wurde Frenzel zur Preussag entsandt und mit dem Umbau des Konzerns in Richtung Touristik beauftragt. Feuerhake hat ihm dabei stets treu und hilfreich zur Seite gestanden. Die Probleme, die die TUI hat, haben mit den vermeintlichen Katastrophen der letzten 10 Jahre eher nichts zu tun. Die Probleme sind allein das Ergebnis einer Vielzahl von Fehlentscheidungen des Managements.

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