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Unisters rentable Spielwiese

Travel24.com ist das transparente Vorzeigemodell innerhalb der Blackbox Unister. Das Online-Portal ist inzwischen nachhaltig rentabel und zugleich auch eine technologische Spielwiese für die Leipziger. Das lässt tief blicken.

von Dirk Rogl, 04.05.2011, 16:27 Uhr

Außer dem allmächtigen Geschäftsführer Thomas Wagner kennt die Umsätze und Erträge der Unister-Gruppe wohl kaum jemand ganz genau. Wie gut, dass es Travel24.com gibt. Das börsennotierte Online-Reisebüro ist inzwischen voll konsolidiert mit 77 Prozent der Stimmrechte. Unister stellt Technik, Einkaufskonditionen, Know-how und sogar den laut Bilanz unentgeltlich für Travel24 arbeitenden CEO Jan Valentin. Im Gegenzug wirft das Portal inzwischen nachhaltige Gewinne ab.

Knapp eine Million Euro Betriebsgewinn waren es laut aktuellem Finanzbericht im jüngsten Quartal. Das ist üppig für einen bilanzierten Eigenumsatz von nur 4,7 Mill. Euro. Schon im Geschäftsjahr 2010 stand rund eine Million Jahresüberschuss in den Büchern. Es war meines Wissens überhaupt das erste Gesamtjahr mit schwarzen Zahlen für den stets defizitären Online-Anbieter. Wie schafft Unister das, was den Alt-Aktionären um Ex-CEO Marc Maslaton stets verwehrt geblieben ist?

Wie üblich bei Unister geht man mit Antworten auf derartige Fragen wohl dosiert um. Dass der Vorstand bei Unister und nicht bei Travel24.com auf der Gehaltsliste steht, mag ein Vorteil sein. Und es hübscht auch die Bilanz, dass nicht etwa Travel24.com sondern die Unister-Gruppe die Markenrechte und Domains von Travel24.com übernommen hat und sie ihrer Tochter vorerst unentgeltlich zur Verfügung stellt. 1,5 Mill. Euro hat sich Unister das nach eigenen Angaben kosten lassen. Das hätte den Vorjahresgewinn vermutlich aufgefressen.

Aber immerhin: Travel24.com ist operativ satt profitabel. Und trotzdem fährt das Portal einen kräftigen Expansionskurs, expandiert stark in Marke und Technik. Kicker Michael Ballack macht Werbung. Im SEM-Bereich bei Google ist Travel24.com üppig gelistet. Und technologisch ist die börsennotierte Tochter derzeit wohl eine bevorzugte Spielwiese des Leipziger IT-Riesen. Ein paar Beispiele:

Travel24.com schafft es also offenbar, trotz technologischer Ínnovation rentabel zu wachsen. Selbst wenn es dafür im gewissen Maße eine Quer-Subvention vom Mutterhaus geben sollte, so ist es doch ein Indiz dafür, dass die Unister-Gruppe durchaus ihre Finanzen im Griff hat.

Und nun meine Frage an die Analysten: Lohnt es sich, in den ehemaligen Penny-Stock zu investieren? Aktuell notiert das Papier im Xetra-Handel bei 12 Euro, allerdings bei verschwindend geringen Umsätzen. Nicht einmal neun Prozent der Papiere von Travel24.com sind im freien Handel erhältlich. Fakt ist: Wer vor zwei Jahren eingestiegen ist, hat ordentlichen Gewinn gemacht, insbesondere wenn er im Vorjahr zum Höchstkurs von knapp 30 Euro ausgestiegen ist. Ich bleibe dezent vorsichtig.

Kommentare

von Uwe Frers, 04.05.11, 17:14
Die eine Ebene ist die Operative. Innovative Technik, aggressives Marketing, überdurchschnittliches Wachstum. Die Andere ist die Finanzielle. Meine These: Unister geht irgendwann über Travel24 an die Börse. Einfach Travel24 weiterhin bilanziell aufhübschen (das lässt sich über die beschriebenen Tricks bei den Liefer- und Leistungsverträgen sehr einfach regeln) und zum richtigen Zeitpunkt den Börsenmantel von Travel24 dazu verwenden, Unister als Ganzes an die Börse zu führen. Ein smarter Weg für frisches Kapital zur Finanzierung der Expansion.

von Michael Buller, 05.05.11, 12:09
Tja....Herr Rogl, also haben wir ein neues Vorzeigeunternehmen und Unister gelingt etwas was Herrn Maslaton nicht gelungen ist! Ich würde sagen wir lesen jetzt mal alle Bilanzen (und lernen!) https://www.unternehmensregister.de/ureg/result.html;jsessionid=DBFCA18D92700D60A418DCB018CF2B26.www02-1?submitaction=showDocument&id=7067124

von Bernd Hellmuth, 06.05.11, 11:13
Unister versucht nun das bei Travel24 zu schaffen was bisher gefehlt hat, ein Alleinstellungsmerkmal. Und da Europas Märke, gerade online, nicht sehr vergleichbar sind, erhält jede Domain ein eigenes. Sicher auch schlau um Technik auszuprobieren, aber vor allem schlau, weil Geld verdienen nur funktioniert, wenn der Kunde das braucht was du bietest. Travel24.de war m.E. immer „nur ein weiteres OnlineReiseBüro“. Wenn Unister es schafft einen Mehrwert zu etablieren, dann werden sie auch Geld verdienen. Zur Zeit sehe ich die Subventionen der Mutter aber noch als notwendig, ohne dieses Know-How und Geld wäre Travel24 ganz schnell wieder Geschichte. Ob sich das kurzfristig ändern wird bleibt abzuwarten.

von Horst, 06.05.11, 16:01
Das einige immer noch glauben, dass Unister Geld mit dem Verkauf von Reisen verdient... Sicher, die Provisionen der Veranstalter machen einen kleinen Teil aus, der Löwenanteil kommt aber aus Arbitrage-Modellen. Es sei Ihnen gegönnt, die Touristikbranche wurde und wird kräftig aufgewirbelt. Und (fairer) Wettbewerb führt zu besseren Ergebnissen für den Endverbraucher.

von Touristiker, 28.06.11, 10:44
Hallo, nicht Travel24 aber auch Unister - der neue "Tiefpunkt" oder "Höhepunkt" (*g*) der Thomas Wagner-Bande: http://www.ab-in-den-urlaub.de/Angebote/Sex-Urlaub-Guenstig Rankt für "sex günstig" in den Google Top 5. Ohne Worte, auf was im Leipziger Black-Hat Büro alles optimiert wird.

von yurtlu, 17.01.12, 14:32
Dank Google wird Unister noch vieles schaffen was anderen nicht gelungen ist. Google kann ein unternehmen hoch brigen und auch wieder fallen lassen. Momentan verstossen wieder alle Unister Portale gegen Google-richtlinien. Wenn man auf einer der Seiten von Unister surft öffnen sich automatisch weitere Seiten von Unister. Also zahlen die 1 mal und machen fast für alle Seiten Werbung. Ist bei Google strikt verboten aber trozt mehrmaliger beschwerden wurde nichts unternommen. Erst nach Strafanzeige und Klage gegen Google und Unister hat Google Doubleserving nach mehreren Jahren Duldung verboten. News.de war einer davon. Also kein wunder dass nun die Mitarbeiter entlassen werden.

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