Traveltainment

Plus-Tours und der X-Faktor

Die virtuelle Konkurrenz reibt sich verwundert die Augen. Wieso wird Plus Tours bei immer mehr Online-Portalen verkauft? Und wieso verfügt der (gar nicht so unbekannte) Nobody eigentlich über eine der begehrten Schnittstellen zum Datamix-System von Traveltainment? Eine Erklärung.

von Dirk Rogl, 22.07.2010, 13:32 Uhr

Treue fvw-Leser wissen das: Wer als virtueller Veranstalter Zugang zu starken Vertriebspartnern haben will, kommt zurzeit an Traveltainment nur schwer vorbei. Nur 14 Veranstalter verfügen derzeit über einen echten Zugang zum Dynamic-Packaging-System Datamix, mit dem die Amadeus-Tochter die Bündelung aktuell am Markt verfügbarer Flugtickets mit eigenen Hotelkontingenten ermöglicht und in den eigenen Vertriebssystemen verfügbar macht.

Wohl bemerkt: Es muss nicht unbedingt Datamix sein, um dynamisch produzieren zu können. V-Tours, das Urgestein der virtuellen Veranstalter, packetiert seine Angebote mit dem eigenen Tool X-Mix und gewährt einigen Mitbewerbern in diesem Jahr noch ein Gastrecht auf diesem ehemaligen Traveltainment-Sytem. Schauinsland entfaltet seine volle dynamische Kraft über das Baustein-System von Travel-IT, das den Duisburgern (zumindest bislang) exklusiv zur Verfügung steht. Senkrechtstarter JT Touristik setzt auf die Datamix-fähige Reservierungstechnik des Mitbewerbers LMX. Alltours-Ableger Byebye und die Unister-Tochter Urlaubstours versuchen sich mit einer ganz eigenen Systemwelt.

Die Liste der technischen Variationen wäre beliebig verlängerbar. Und das aus gutem Grund: Not macht erfinderisch. Denn Traveltainment hat den Zugriff auf sein Datamix-System mit Blick auf die eigene Datenqualität stark limitiert. Zuletzt war es die Branchenprominenz TUI (X-1-2-Fly) und Rewe (Meiers Weltreisen), die sich über neue X-Zugänge (so das interne Datamix-Kürzel) freuen durfte. Me-Too-Angebote seien nicht mehr erwünscht, erklärte Traveltainment-Manager Rudolf Hengefeld im Winter (fvw 24/09, S. 8). Damals standen 36 virtuelle Veranstalter auf der Warteliste für Datamix. 27 von ihnen erhielten damals die rote Karte.

Das alles passt nicht so ganz zur jüngsten Datamix-Erfolgsgeschichte. Der im April gegründete Veranstalter Plus-Tours hat in den ersten drei Monaten via Datamix nach eigenen Angaben immerhin gut 2500 Reisen verkauft. Zu den Vertriebspartnern gehören Opodo, Holidaycheck und Thomascook.de. Reisebüro-Buchungen sind vorerst nur web-basiert möglich. Doch den Counter will Plus-Tours möglichst bald erobern, sobald die beantragten Schnittstellen für Amadeus-Toma und My-Sabre-Merlin verfügbar sind. Und: Mit Spanien, Türkei und Ägypten setzt Plus-Tours eher auf Me-Too-Ziele.

Wieso schafft Plus-Tours also so einen guten Start bei Traveltainment? Ganz einfach: Geschäftsführer Ali Gültekin hatte sich die Schnittstelle schon zu einer Zeit gesichert, in der es noch keine Warteliste bei Datamix gab. Mit Geschäftspartner Ali Dogan, Inhaber des Reiseportals Hinundweg.com, gibt er erst jetzt so richtig Gas im virtuellen Geschäft. Das Veranstalter-Kürzel XARG (für Argonaut) deutet noch auf die alte Zeit hin.

Wohlbemerkt: Das Kürzel von Plus-Tours lautet XARG und nicht XDEM. Das würde dann für Demed stehen. Der von Gültekin gegründete Verantalter gehört inzwischen zur Schmetterling-Gruppe und reiht sich in den Reigen jener Veranstalter ein, die keinen Datamix-Anschluss haben. Aber damit befindet sich Demed ja in durchaus guter Gesellschaft.

Kommentare

von Michael Kalt, 07.09.10, 12:09
Man sollte auf die selbstheilenden Kräfte des Marktes hoffen um die Qualität zu steigern. Im Grunde ist man ja geneigt zu unterstellen, dass solche Produkte auch eine schlechte Qualität haben. Damit würde dann gedanklich auch die Rekla Quote steigen und ein Online Portal, dass auf seinen guten Ruf achtet, schaltet dann den Veranstalter ab. Warum passiert das dann nicht? Ist es dann doch so einfach das klassische Veranstaltergeschäft stark zu automatisieren? Entstehen Produkte die ein klassischer Veranstalter gar nicht produzieren will? Wie auch immer, der Markt wird es schon regeln. Denn unter dem Strich, betreibt keiner so ein Geschäft wenn er kein Geld damit verdient. Meine Empfehlung an die Portale die ich berate ist: Die Datenqualität und die Rekla Quote sind neben der Provision entscheidene Kriterien insbesondere be Me Too Veranstalterprodukten.

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