Traveltainment

Ein Push für den Reisevertrieb

Direct Connect oder via GDS? Zentrale oder lokale Datenspeicher? Gemeinsamer Standard oder eigene Innovationskraft? Die Travel Technology ist am Scheidepunkt. Das Beispiel Traveltainment zeigt, dass die Zukunft irgendwo in der MItte liegt. Die Kernfrage ist eine ganz andere: Pull oder Push?

von Dirk Rogl, 21.02.2011, 14:39 Uhr

Geschätzte 90 Prozent Marktanteil im Pauschalreisevertrieb, sprudelnde Gewinne, konstantes Wachstum – die beeindruckenden Zahlen von Traveltainment passen nicht so ganz zur hektischen Betriebsamkeit, den die Amadeus-Tochter gerade zeigt. Das Vertriebssystem erfindet sich neu, stellt seine Prozesse auf den Prüfstand und rüstet sich für den Wettbewerb.

Traveltainment öffnet seine Systeme, schafft Schnittstellen für externe Frontend-Entwickler und lässt Kunden-IDs in die Midoffice-Systeme der Konkurrenz exportieren. Damit nicht genug: Das Dynamic-Packaging-Programm Datamix erhält einen Nachfolger, der auch die dynamische Produktion externer Flug- und Hoteldatenbanken ermöglicht. Dynamix heißt das neue Wunderwerk. Es ist ebenso ein Prototyp wie die neue Suchtechnologie.

Das Mammut-Projekt DRV-Datenstandard, getrieben von TUI, Thomas Cook und Rewe Touristik, treibt Traveltainment zur Höchstleistung und zugleich in den Spagat. Nach wie vor Macht Traveltainment keine Anzeichen, die neue Abfragelogik und die Global Types einsetzen zu wollen, erst recht die kommerziellen Konkurrenzprodukte EDF und Player/Hub. "Es gibt keine entsprechenden Pläne", betont der neue Traveltainment-Boss Timm Richter.

Dass sich Traveltainment dem Markt öffnet, zeigt aber die Flut an neuen Schnittstellen und Workflows. Traveltainment ist bislang die zentrale Datenbank im deutschen Reisevertrieb. Die 800 Server der Amadeus-Tochter bearbeiten Unmengen an Abfragen der Reisebüros und zunehmend aus dem Internet. Die zentrale Abfragelogik ist für Traveltainment Fluch und Segen zugleich. Einerseits geht im Pauschalreise-Vertrieb kaum etwas ohne die Bistro-Datenbank von Traveltainment, andererseits führt das hohe Abfragevolumen immer wieder zu Aussetzern.

Genau hier setzt der neue Datenstandard an. Hier werden die Veranstalter-Daten dezentral auf den Player-Servern der Anbieter gehostet. Und die Abfrage funktioniert nicht allein nach der traditionellen Pull-Logik, mit der sie, liebe Leser, auch auf diesen Blog gestoßen sind. Schließlich haben sie unsere Seite individuell aus dem Web "gezogen", wir haben Sie ihnen nicht "aufgedrückt".

Die Zukunft aber sind Push-Dienste, die dem User relevante Inhalte zum optimalen Zeitpunkt zur Verfügung stellen. Noch ist es Vision, dass ein ausgebuchter Ferienflug parallel auch zur Löschung aller damit verbundenen Pauschalreise-Angebote aus den Preisvergleichssystemen führt. Doch genau dahin geht die Reise. Diesen Anspruch haben sowohl die neue Player-Hub-Logik und der DRV-Datenstandard als auch die neue XML-Schnittstelle von Traveltainment.

Wer den Datenfluss optimal steuert und seine Partner bestmöglich mit Informationen versorgt, der hat künftig Nase vorn. Mit dem neuen Datamix-System und seinen XML-Schnittstellen hat Traveltainment einen wichtigen Schritt gemacht. Wenn Sie künftig keinen fvw-Eblog mehr verpassen möchten und sich nicht erst über aufwändige Google-Suche diesem Blog nähern wollen, so können Sie künftige Postings übrigens per Email-Registriegung rechts auf dieser Seite kostenfrei abonnieren. Das ist zugegebenermaßen technisch eher trivial, aber trotzdem ein hübsches Beispiel für effiziente Pull-Technologie.

Kommentare

von Michael Hummel, 22.02.11, 12:21
Push und Pull geht mir hier etwas durcheinander. Pull bedeutet dass der Nachfrager aktiv auf den Anbieter zugeht und dort Informationen einfordert. Push bedeutet dass der Anbieter mit oder ohne Genehmigung bzw. Bestellung Informationen an den Nachfrager liefert. Insofern ist das Abonieren eines News-Server die Bestellung eines Push-Service, da ab sofort täglich die Information an den Nachfrager ausgeliefert wird. Jetzt mal auf den Tourismus übertragen. Wenn in einem Pauschalreise-Suchsystem alle Angebote automatisch ausgeblendet werden, die einen soeben als ausgebucht erkanten Flug benötigen, dann halte ich das weder für Push noch Pull - es handelt sich schlicht um eine längst überflüssige Standard-Funktion die in anderen Branchen nicht mal einen Blog-Eintrag wert wäre. Beim nächsten Pull - Anfrage von Bistro bzw. einem Tourismus-Portal bei den Pauschalreise-Suchsystemen (TT, Traffic, Tourport, Travelit...) - werden dann Angebote geliefert die (sehr viel wahrscheinlicher) verfügbar sind. Das hat nach meinem Verständnis nichts mit Push zu tun! Push im Tourismus würde bedeuten, dass einem Expedienten oder sogar einem Reisenden aktiv Angebote unterbreitet werden nach denen er nicht gesucht hat, die aber trotzdem eine sehr hohe Relevanz haben. Dafür braucht man mehr also nur eine neue Funktion im Pauschalreise-Suchsystem, dazu muss man die Empfänger genau kennen - CRM wäre hier ja mal ein Ansatz den ich im Tourismus noch als unterentwickelt, verbesserungsbedürftig oder einfach "infantil" bezeichnen würde.

von vblum, 22.02.11, 14:36
"es handelt sich schlicht um eine längst überflüssige Standard-Funktion" ich nehme an, daß es sich um eine längst überfällige Funktion handeln sollte. Es handelt sich hier jedoch schon um push nur auf einer anderen Ebene. Der Endverbraucher spielt hier nicht mit sondern die IBE, die derzeit im GDS etc "pullt", braucht das in Zukunft nicht mehr, wenn das GDS von sich aus ausgebuchte Flüge "pusht". So entfällt die Anfrage und die Angebote aktualisieren sich automatisch. Der Endkunde bekommt eine eingeschränkte Ansicht auf wirklich verfügbare Optionen und profitiert auf dem Weg. So jedenfalls verstehe ich die "Zukunft"

von Michael Hummel, 22.02.11, 14:54
LACH - ja vblum Sie haben ja so recht, da waren die Finger schneller als der Kopf. Natürlich meinteich eine längst überfällige Standard-Funktion. Jedoch kann ich Ihnen in der weiteren Ausführung nicht zustimmen. Eine IBE (Internet-Booking-Engine) liefert an den Expedienten oder Reisenden die Angebote aus. Wenn die Pauschalreisesuchmaschine feststellt, dass die ausgelieferten Angebote nicht mehr verfügbar sind - was technisch wirklich aufwändig zu realisieren wäre - hätte die Pauschalreisesuchmaschine keine Chance über den Web-Browser den Reisenden bzw. Expedienten mittels eines Push zu informieren. Push geht nicht mit Web-Browsern, Web-Browser können nur pullen. Falls Sie an eine AJAX-Implementierung denken so handelt es sich auch hier um ein Pull-Verfahren, ggf. mehrfaches Pull in periodischen Abständen, dann spricht man ja von Pollen. Aber Push gibt es nicht in der Kommunikation mit Web-Browsern. Man könnte ein System bauen, welches für den Kunden den Eindruck vermittelt, dass die Informationen gepusht werden, technologisch ist es aber nach wie vor ein Pull-Verfahren. Anmerkung: Wenn das Nutzerfront-End in einer anderen Technologie gebaut wird kann man u.U. ein Push-Verfahren anwenden, aber eben nicht im Web-Browser.

von vblum, 22.02.11, 16:10
mmmh ich sehe die Vision von Dirk trotzdem eine Etage tiefer. Mal ins Blaue gedacht könnte doch ein GDS nach erfolgter Buchung eine Meldung an angeschlossene Systeme machen, daß die K Klasse für den Flug von X nach Y ausgebucht ist, so daß die IBE diese Info bei sich hinterlegen kann und garkeine Anfrage an den GDS Host mehr stellen muß. Oder ein Hotel meldet eine ausgebuchte Bettenkategorie an die angeschlossenen Systeme, so daß Angebote, die auf dieser Kategorie beruhen garnicht mehr zusammengestellt und angeboten werden müssen. Ich habe die Vision so in etwas verstanden - ist eine Vision, hat aber was

von Dirk Rogl, 22.02.11, 16:19
@Michael Hummel: "Man könnte ein System bauen, welches für den Kunden den Eindruck vermittelt, dass die Informationen gepusht werden, technologisch ist es aber nach wie vor ein Pull-Verfahren." Haben Sie da ein bestimmtes System vor Augen? ;) Ich sage ja auch nicht, dass der Push direkt zwischen Web-IBE und Inhhouse-Reservierungssystem erfolgen muss. Bislang kenne ich niemanden, der im Reisevertrieb ganz auf einen Cache verzichten will. @vblum: Ganz genau so stelle ich mir diesen "Push" vor. Ich räume aber ein, dass es offenbar ein Unterschied ist, ob man sich diesem Thema aus der Air/GDS-Ecke nähert oder aus der Veranstalter/Toma-Ecke...

von barthel.eu, 22.02.11, 21:21
Rein technisch wäre es heute ein leichtes, dass bspw. die Airline die gleiche Nachricht, die an die GDS geht, genauso an die IBE(s) schickt. Dank Internet noch nicht mal kostenintensiv. Dank IATA AIRIMP gibt's sogar einen kleinsten gemeinsamen Nenner. Aber das ist push und fehleranfällig. Wer garantiert, dass der "Push" verarbeitet wurde. Meist "Friss oder Stirb". Deshalb wurde Direct Access geschaffen. Eine Krücke die bald von "Complete Access" abgelöst wurde. (Details auf Anfrage). Wenn man sieht, wie schwer sich aber die Anbieter (bspw. Airlines) tun, ihre Systeme zu öffnen... Internet verändert. Aber die früher technisch führende Reisebranche (mann konnte in den 80ern bereits weltweit Flüge, Hotels, Mietautos buchen) tut sich schwer damit, sich zu öffnen... Nicht zu unterschätzen: Look to Book oder besser, die Anzahl der Requests pro Buchung an das Hostsystem explodiert. Selbst bei fallenden Hardwarepreisen sind IT'ler zurückhaltend, mehr Traffic auf die alten Systeme zuzulassen... Die GDS der alten Tage, als Leitungen teuer (und dabei langsam!) garantieren ein Antwort-Zeitverhalten und standardisierte Datenausgaben, die bereits Daten zusammenmischen. Können diese sich gegen die neuen Buchungssysteme behaupten, die verstärkt Daten in der "Cloud", also dezentralisiert lassen und "ad hoc" zusammen stellen? Letztlich wird es eine Frage des Preis-/Leistungsverhältnisses im wahrsten Sinne des Wortes. Wer kann die Daten ZUVERLÄSSIG am Billigsten so zusammen stellen, dass der User die Information bekommt die er verlangt - und damit die Buchung gewinnen? Wo müssen Daten "gecached" werden (GDS, eigene Server), wo laufen sie live über die Leitung? Wer gewinnt? System GDS? Oder System GNE? Oder "etwas Neues"? Vielleicht ja doch ein Mix... Obwohl ich Bedenken habe bzgl. der GDS. Wo die 'alten' Airlines auf Low Cost eingehen, sich beide Systeme annähern, sehe ich bei den GDS noch zu wenig Bewegung, eher reaktiv, nicht pro-aktiv. Aber ... Wo war doch gleich die Kristallkugel???

von Kalt@travel-it.de, 23.02.11, 12:13
Ich kann nur sagen, wenn es so einfach wäre, dann hätte der Eine oder Andere es schon längst umgesetzt. Wenn darüber diskutiert wird was alles technisch möglich ist, dann darf man nicht vergessen, dass es Realitäten gibt. Das Leistungsfähigste Konzept ist immer abhängig von der schwächsten Komponente. Hinzu kommt, dass die Diskussion hinsichtlich Pull schon jede Menge Gemüter aufgewühlt hat. Der von Herrn Hummel beschrieben mangelnde CRM Ansatz wird derzeit sehr stark gepusht. Ob der Kunde das wirklich nachher haben will, wird der Kunde entscheiden. Wir stellen ja jeden Tag fest, dass wir ihn gar nicht kennen. Warum sage ich das? Wenn man sich anschaut was gerade im App Markt abgeht, dann sieht man was ich meine. Was für nutzlose Dinge über App-Stores gekauft werden und dabei extrem starke Umsatzwachstumszahlen generiert werden. Wer sich diese Apps bei seinen Kindern auf dem Iphone dann anschaut weiss wie gut die Push Dienste funktionieren. Mit den besten IT Grüßen M.Kalt

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