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Travelport

Hat London keine Lust mehr auf Travel?

Der geplatzte Börsengang von Travelport ist ein Desaster. Aber für wen? Für Travelport und seine heutigen Aktionäre? Für deren Mitbewerber? Für die gesamte Reiseindustrie? Vielleicht auch für den Finanzplatz London?

von Dirk Rogl, 11.02.2010, 10:57 Uhr

Die Mitteilung kam gestern abend kurz und unvermittelt: Londons größter Börsengang seit 2008 ist kurzfristig abgesagt. "Following a review on market conditions", hieß es in einer Mitteilung von Travelport. Der renommierte Telegraph will von einem kräftigen Preisdruck potenzieller Investoren wissen. Erlöse in Höhe von umgerechnet 2,5 Mrd. Euro seien einfach nicht zu erzielen gewesen. Also wird der Börsengang verschieben – auf später oder vielleicht auf nimmer Wiedersehen. So weit die Fakten.

Doch die offenen Fragen bleiben. Hier die Wichtigsten:

1. Weshalb haben die Investoren kein Vertrauen in ein Unternehmen, das eine zweistellige Umsatzrendite und einen dreistelligen Millionengewinn bilanziert?

In London sind zuletzt einige größere Börsengänge gefloppt. Das drückt auch auf Travelport. Fakt ist auch, dass in den Bilanzen von Travelport Milliarden-Schulden klaffen. Denn die Aktionäre, allen voran die Investoren von Blackstone, haben schon vor dem Börsengang Kasse gemacht. Ähnliches gilt bekanntermaßen für den Mitbewerber Amadeus, der trotz üppiger Gewinne ein negatives Eigenkapital mit sich herumschleppt. (Richtig gelesen, liebe Finanzinvestoren: In Deutschland würde so etwas die Insolvenz bedeuten, nach spanischem Recht ist es legitim. Die volle Erklärung gibt es in fvw 23/08 auf Seite 96.) Unter dem Strich ist so etwas übrigens kein Problem, wenn die Gewinne weiter sprudeln. Hat die Finanzwelt an diesem wichtigen Punkt aber womöglich das Vertrauen verloren?

2. Was bedeutet das für Amadeus und Sabre?

Auch den GDS-Mitbewerbern, insbesondere Amadeus, wird nachgesagt, zeitnah einen Börsengang anzustreben. Das Engagement der heutigen Mehrheitsaktionäre BC Partners und Cinven (Amadeus) sowie Texas Pacific und Silver Lake Partners (Sabre) liegt Jahre zurück. Es ist Zeit, um Kasse zu machen. Es ist kein Desaster, wenn dies kurzfristig nicht möglich ist. Aber die Perspektive muss bleiben, damit niemand langfristig auf milliardenschweren Investments und entsprechenden Schulden sitzen bleibt.

3. Was bedeutet das für den Markt?

Siehe Punkt zwei. Kurzfristig ist ein abgesagter Börsengang kein Drama. Langfristig sieht das anders aus, und das nicht nur für Travelport und Haupt-Investor Blackstone. Der Finanzmarkt London hat die Erwartungen Travelports nicht erfüllt. Möglicherweise waren diese schlichtweg zu hoch. Vielleicht ist der Appetit der Investoren in London auf Papiere aus der Reiseindustrie auch gesunken. In diesem Fall wäre der abgesagte Börsengang auch ein Thema für TUI und Thomas Cook, die sich vor zwei Jahren wegen der angeblich so hohen Reiseaffininät dieses Finanzplatzes ganz bewusst London als Börsenplatz ausgesucht haben.

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