Travel24

Wirklich unkaputtbar

Viele Versprechungen hat Travel24-Gründer Marc Maslaton nicht gehalten. Eines schon: das chronisch defizitäre Online-Reisebüro macht nicht einfach so pleite.

von Dirk Rogl, 04.05.2009, 10:21 Uhr

Europäischer Marktführer im E-Commerce, Kompetenzführer für Travel Technologie - es gab viele Superlative, die Travel24-CEO Marc Maslaton in der gut zwölfjährigen Unternehmensgeschichte für sein Unternehmen proklamiert hat. In diesem Monat räumt Maslaton den Chefposten – wieder Erwarten erhobenen Hauptes. Noch-Konkurrent Unister hat sich laut Maslaton knapp 74 Prozent am Unternehmen gesichert. Wie so häufig, wenn die zahlenscheuen Leipziger im Spiel sind, kann über den Kaufpreis nur spekuliert werden. Frisch erworbene Wandelschuldanleihen im Nennwert von 1,3 Mill. Euro sollen Unister die Mehrheit bei Travel24 sichern. Die wiederum dürfte es angesichts entnervter Alt-Gläubiger aber zum Freundschaftspreis gegeben haben. In älteren Börsenmitteilungen ist von einem Forderungsverzicht in Höhe von rund 60 Prozent die Rede. Wenn´s stimmt, bliebe ein Preis von rund 500.000 Euro, zuzüglich einer kleinen Eigenkapitalspritze, die das stetig rote Zahlen schreibende Online-Reisebüro wieder auf die Beine bringen soll. Für Unister ist das ein kleines Taschengeld, das den Leipzigern endlich eine international funktionierende Reise-Domain sichert. Travel24 ist seit seinem Börsengang vor acht Jahren ein stetiger Verlustbringer. Das weiß auch Noch-CEO Maslaton, der bei einem fvw-Interview vor zwei Jahren reumütig zugab, über die Jahre hinweg einen Verlustvortrag in Höhe von rund 80 Mill. Euro angesammelt zu haben. Doch Maslaton ist und bleibt ein Stehauf-Männchen. Während Unister sich auf eine international einsetzbare Reisemarke und neue Finanzierungsmöglichkeiten über eine börsennotierte Tochter freuen kann, hat Maslaton mit Hilfe der britischen Investoren Lordhall und Guardheath ein Filetstück der alten Travel24.com herausoperiert: Er bleibt Vorstand beim Veranstalter Direkt Touristik AG, der mit einigem Erfolg Pauschalreisen über Einzelhändler wie Netto, Conrad und Tchibo versorgt, und das offenbar durchaus rentabel. "Unkaputtbar" titelten wir in fvw 2/07, als wir das Börsendrama von Marc Maslaton und seiner Travel24.com AG nachzeichneten. Dem ist auch heute nichts hinzuzufügen.

Kommentare

von Edgar, 05.05.09, 22:35
www.reisen24.de schreibt schon seit 1995 schwarze Zahlen - das interessiert aber niemanden - Abzocker bekommen scheinbar jetzt auch in der Touristik eine erhöhte Aufmerksamkeit. Für eine grössere Popularität müssen wir wohl jetzt erst mal richtig Pleite gehen. LG an euch 3

von Wolfgang Hoffmann, 06.05.09, 10:13
Hallo "Edgar", wenn wir Stationären Euch dabei behilflich sein können... :-)

von Edgar, 06.05.09, 11:32
@wolfgang Ich bin seit 1983 "Stationär" Seit 1995 mit ergänzendem Online Angebot. Das Erfolgsmodel hat sich bewährt...;-) (Jetzt Mitglied werden: www.touristiker.de)

von Wolfgang Hoffmann, 13.05.09, 14:18
Oh, danke, aber 1. bin ich bereits hier kommunikativ aktiv, und wenn hier nicht, dann im www.touristikerverzeichnis.de, und 2. denke ich, dass unser stationäres Reisebüro seit ebenfalls der Anfangszeiten des Internets reichlich mit absahnen konnte und aus den Fehlern der Anderen ziemlichen Profit geschlagen hat. Nur, wir machen uns nichts vor: Wir sehen das WorldWideWeb sehr realistisch. Und als Mitglied einer angepasst innovativen Community 'aktiver Reisebüros' halte ich den Weg, back-to-the-roots, das Internet so zu nutzen, als es einst geschaffen wurde und uns Reisebüros auch so anzubieten, wie der Markt es schätzen gelernt hat, für den Königsweg. Das kostet wenig, bringt aber viel.

von Thorsten, 29.05.09, 17:50
kommt einem ja fast vor wie eine siebenköpfige Hydra. Für mich stellt sich die Frage, wie Travel24 immer wieder Investoren finden kann. Wer investiert denn in Travel24, das ist für mich wirklich ein Rätsel.

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