Touristik

Schweinegrippe: Nur Hysterie?

Die Schweinegrippe ist in der Touristik ein großes Thema, die fvw brachte eine große Story. Alles nur Panikmache, wie ein Leser meint?

von Klaus Hildebrandt, 17.08.2009, 15:46 Uhr

Auf vier Seiten ("Die verdrängte Gefahr") berichtet die fvw in ihrer aktuellen Ausgabe über die Schweinegrippe und die Folgen für die Touristik. Meine Kollegen Birgit Quandt, Marco Münster und Tim Holzapfel stellen dar, wie sich etwa Airlines, Hotels und Kreuzfahrtreedereien vorbereiten.

Die Meinungen selbst der Fachleute gehen auseinander. Für die einen verharmlost die Touristik die Gefahr, für andere ist das Thema eher eine Panikmache der Medien. Zur zweiten Gruppe gehört Novasol-Chef Bernd Muckenschnabel. "Sie übernehmen unkritisch die Positionen der WHO mit ihren katastrophalen Auswirkungen unter anderem auf die Tourismusbranche", schreibt er uns und verweist auf einen Beitrag vom 15. Juni in seinem Ferienhaus-Blog auf der Novasol-Site.

"Was man von der Schweinegrippe lernen kann" heißt Muckenschnabels Beitrag – und seinem Blog-Eintrag zufolge sollte man spätestens von der Vogelgrippe gelernt haben, dass es besser ist, Ruhe zu bewahren. Auf der anderen Seite gibt es schon deutliche Aussagen von Veranstaltern (wenn oft auch nicht offiziell), dass die Schweinegrippe die Kunden umtreibt und auf Mallorca in Kombination mit den ETA-Anschläge etwa zu einer Buchungszurückhaltung führt.

Thomas Cook beziffert etwa im jüngsten Zwischenbericht den finanziellen Schaden durch die Schweinegrippe, vor allem durch die Umbuchung von Mexiko-Gästen, auf fast 15 Mill. Euro allein im zweiten Quartal. TUI Travel beziffert den Verlust durch die Schweinegrippe bislang auf neun Millionen Euro.

Ich meine: Die Touristikbranche muss das Thema ernst nehmen und sich wappnen, und genau das schreiben auch meine Kollegen in der fvw. Aber es gibt eben auch andere Auffassungen. Was meinen Sie? Soll und muss die Branche mehr aufklären und sich besser vorbereiten – oder wird morgen schon wieder eine neue Sau durch das (Gesundheits-)Dorf getrieben?

Kommentare

von Andreas Schulte, 17.08.09, 16:27
Objektiv geht es wohl eher in Richtung Hysterie. Eine auf Angstszenarien aufbauende Marketingstrategie der Pharmaindustrie soll die Regierungen zwingen, unsicheren und ungetesteten Impfstoff aufzukaufen, mit dem sich Abenteuerer dann gegen eine nicht nachgwiesene Schweingrippe impfen lassen sollen. Marketingleute können von dieser Masche einiges lernen. Real ist diese Panikmache jedoch eine ganz miese Nummer. Man gebe der jährlichen Grippe einen Namen aus dem Tierreich und mache dann den Menschen damit Angst.

von Veronika, 17.08.09, 16:35
Ich bin durchaus auf der Seite von Herrn Muckenschnabel. Wer sagt denn, dass nicht wir alle einem "Spiel" der Pharmaindustrie zum Opfer gefallen sind. Wer hat von so einer Pandemie Nutzen? Und wie lassen sich am besten neue Märkte kreieren? ..... Das hört sich utopisch an? Die Realität ist aber manchmal phantastischer als wir alle das vielleicht annehmen können. Wer denkt denn - selbst als kritischer aller kritischen Journalisten - dass er/sie bei so einem heiklen Thema tatsächlich an "objetive" Informationen kommt? (Nichts für ungut, liebe FVW Redaktion.) Tatsache ist aber auch, dass die Branche durch den H1N1 Virus bereits kräftig geschüttelt bzw. gebeutelt wurde.

von Berthold, 17.08.09, 16:42
Ich neige zur Auffassung von Andreas Schulte: Immerhin ist hierzulande bisher kein Mensch (Gott sei Dank) an Schweinegrippe gestorben, vermutlich aber sterben täglich Menschen an ganz normaler Grippe (pro Jahr um die 5000!), Verkehrsunfällen etc. Für's Sommerloch gibt das Thema ja Einiges her. Und wenn man die empfohlenen Schutzmaßnahmen wirklich ernst nehmen würde, dann müsste in der Tat der gesamte Reiseverkehr, nein, das gesamte öffentliche Leben eingestellt werden. Aber die meisten Unglücke passieren zu Hause. Ja, was denn nun? Merke: Das Leben ist lebensgefährlich - minütlich, stündlich, täglich!

von ASTROnaughty, 18.08.09, 23:49
Wenn die Vogelgrippe von Vögeln und die Schweinegrippe von Mallorca Urlaubern übertragen wird - was sagt uns das? Eine mögliche Antwort wäre, dass nur männliche Urlauber den Virus übertragen und somit die These der Ärzte bestätigt wäre: "Männer sind Schweine" ;-) .... http://www.youtube.com/watch?v=ie0sz9b_-Uw

von michael Buller, 19.08.09, 22:04
Was einen stutzig machen sollte ist die von der Bundesregierung durchgedrückten großen Impfaktion. Warum macht man so was wenn es eigentlich kein Problem ist....ein weiteres Konjunkturpaket kanns eigentlich nicht sein?

von Andreas Schulte, 20.08.09, 11:29
Rund 12.000 Infizierte soll es laut neusten Zahlen in Deutschland geben - keine Toten. Die Ansteckung soll überwiegend im Urlaub erfolgt sein. Die kostenlose Massenimpfung ist von der Regierung für 90 % der Bundesbürger beschlossen worden. Wieviel Infizierte es bei den üblichen jährlichen saisonalen Grippen gibt weis ich nicht. Es gibt aber plausible Berichte, die sprechen von 10.000 bis 20.000 jährlichen Grippetoten durch die saisonalen Grippen allein in unserem Land. Warum soll nun gegen die Schweinegrippe mit bisher 0 Toten eine Massenimpfung aufgelegt werden, wenn das bei jährlich mindestens 10.000 Grippetoten bisher nicht als notwendig oder hilfreich erachtet wurde? Aber was helfen alle Vermutungen. Lasst uns das Thema im kommenden Frühjahr noch einmal betrachten. Dann hat uns die Natur die realen Erkenntnisse - pro oder contra Hysterie - geliefert.

von Wolfgang Hoffmann, 21.08.09, 13:16
tja, Andreas, ich bin immer noch anderer Ansicht. Und was Buller so bedenklich macht, das kann ich nur unterstützen. Nicht immer auf das "Schwein" gucken, es ist ein H1N1 Virus, der unter völlig anderen Voraussetzungen bereits die "Spanische Grippe" ausgelöst hat mit Millionen von Toten. Meine medizinischen Kenntnisse aus einer sehr bescheidenen Ausbildung vor sehr langer Zeit reichen voll aus, um der Bedrohung einige bedrohliche Aspekte abzugewinnen. Alleine der Aspekt, dass gerade dieser Virus an Mutationsintensität dadurch gewinnt, dass er schnell von Individuum zu Individuum springt - was bei einer Pandemie ja angenommen werden muss - alarmiert die WHO. Ein vormals realtiv harmloser Virus kann nach einer Mutation durchaus auf andere Organe aggressiv reagieren. Und dann sind nicht nur mehr Risikopatienten gefährdet, dann können auch vorher sehr gesunde Menschen ernsthafte Komplikationen bekommen. Die Massenimpfung ist wichtig, genauso, wie die vermeidung von Ansteckung wichtig ist. Dass jeder 3. eine aufgesetzte bakterielle Folgeinfektion anch einer Influenza bekommt, das ist ebenfalls alarmierend, weil es mittlerweilen eine Grund-Resistenz nahezu aller Bakterienstämme gegenüber Antibiotika gibt. Mit Nonchallence medizinische Bedenken vom Tisch zu wischen, soweit dürfen wir gegenüber unseren Kunden jedenfalls nicht gehen.

von Wolfgang Hoffmann, 23.08.09, 15:35
...und kaum 24 Std. später werde ich durch die Nachrichten bestätigt: Jetzt besteht die Gefahr, dass sich unterscheidliche H1N1 Virenstämme in verschiedenen Arten zu neuen Stämmen wandeln, gegen die eine Impfung wieder nicht möglich ist. Was wir unseren Kunden sagen können, ist nicht viel. Dass wir uns auf ein geändertes Verbraucherverhalten einstellen müssen, das dürfte wohl klar sein. Der Trend geht eh zum Deutschlandurlaub, oder höchstens grenznahen Auslandurlaub. Urlauber mit Kindern oder gesundheitlich belastete Urlauber möchten lieber nicht im Ausland ins Krankenhaus müssen, oder in einem Hotelzimmer im Ausland krank liegen, mit Personal, was einen nicht versteht. Auch in puncto Argumenten pro Auslandskrankenversicherung und überhaupt Reise-Versicherung müssen wir alte Argumente neu formulieren lernen. Vielleicht machen sich die Versicherer mal Gedanken um die Risiken, die da auf sie zukommen. Finanziell ist eine Pandemie nicht zu händeln. Und auch die VAs müssen sich einmal dqarüber gedanken machen, dass Hygiene in Hotels, Flugzeugen und Schiffen für diese Furtzreisepreise unrschwinglich ist. Da kann man dann ein Umdenken bei der Preispolitik anhängen.

von Nikki, 24.08.09, 10:10
Das ganze ist definitv wieder hauptsächlich Hysterie. Ich komme gerade aus Ibiza zurück (wo die Schweinegrippe angeblich auch grassiert) und auf der Insel war absolut nichts zu merken - das Partyvolk trieb sich wie immer herum und ich habe sowohl einen Club-Besuch als auch das Gedrängel auf dem Hippie Markt in Punta Arabi unbeschadet überstanden, genauso wie die Flüge. Seit Juni habe ich 12 Flüge kreuz und quer durch Europa ebenfalls unbeschadet überstanden sowie einen einwöchigen Aufenthalt im angeblich von der Schweinegrippe stark getroffenen England, incl. Gedrängel in der Londoner U-Bahn. Wie meine Vorredner schon sagten, ich denke es handelt sich um eine typische mediale Hysterie die vor allem der Pharmaindustrie nutzt. Und die FVW sollte lieber der Tourismusbranche den Rücken stärken statt das perfide Spiel mitzuspielen.

von Berthold, 24.08.09, 13:07
Lieber Wolfgang Hoffmann, den Tipp mit dem Deutschlandurlaub verstehe ich nicht: wenn hierzulande schon 12.000 Menschen infiziert sind, dann kann das doch keine Empfehlung sein, denn auch in Deutschland besteht dann höchste Ansteckungsgefahr. Die Empfehlung müsste dann konsequenterweise lauten: BALKONIEN ist angesagt! Wie man letzte Woche lesen konnte, bedeutet Balkonienurlaub einen Einkaufsboom in Bau- und Gartenmärkten, und in der örtlichen Gastronomie! Aber Vorsicht: auch dort kann man sich anstecken. Egal was man tut: Dieses Leben ist eines der lebensgefährlichsten! Das ist das Argument, wenn dem man der Hystgerie (im Reisebüro!) begegnen sollte!

von Wolfgang Hoffmann, 26.08.09, 11:04
Hallo @Bertold, bitte noch einmal lesen. Ich habe auf den Effekt hingewiesen, dass Menschen in einer derat gesundheitlichen Bedrohung vielleicht doch in Urlaub fahren, aber im Land bleiben, weil sie denken, dass für sie oder ohre mitreisenden Familienangehörigen ein eventueller Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalt im Heimatland, dort, wo man versichert ist, dort, wo man Deutsch spricht, ein besseres Gefühl vermittelt. Ich hoffe, Sie können es jetzt nachvollziehen. Es sind viele Effekte, die mit dieser Pandemie zustande kommen. Die Summe dieser Effekte wird uns Kunden entziehen. In Unternehmen werden Urlaube gestrichen werden. Geimpfte werden sich überlegen, mit dieser körperlichen belastung, keine Fernreisen, Rundreisen etc. auf sich zu nehmen. Man wird das geschlossene System Kreuzfahrtschiff bei einer Grippewelle als Bedrohung empfinden - zumal es dort auch schon epidemische Vorfälle gegeben hat. Sicher, es ist angesichts einer möglichen Impfung riskant, derartige Kassandrarufe abzugeben, wird es keine Pandemie geben, weil geimpft wurde, kann jeder "alte Unke" zu mir sagen. Mendelt sich ein neuer Virus aus, wird es aber richtig eng für uns, dann sind meine Befürchtungen echt Pillepalle gegen die Wirklichkeit. In jedem Fall werden wir beim Verkauf nicht so tun, als seien wir Pandemieexperten, sondern wir werden us schön raushalten gegenüber den Kunden. Auch zugegebene Ratlosigkeit steht uns Resienverkaüfern mal an, wir müssen nicht alles bemänteln, was uns Kunden kosten könnte. "Ja, ich fürchte mich auch", ist mitunter ehrlicher, als ein großspuriges, "achwas, ist doch alles völlig ungefährlich". Und dass die WHO trotz Impfung mit wesentlich mehr Todesopfern rechnet, als bei normalen Grippewellen, das saugen die sich nicht aus den Fingern, das rechnen die aus Fakten hoch, die aus der faktischen Bedrohunglage und bereits gemachter Erfahrungen resultieren.

von edobat, 02.09.09, 12:40
Das erinnert mich ans SARS, Vogelgrippe, Rinderseuche. Jetzt wird die Schweinegrippe medial durchs weltweite Dorf gejagt. Ich vermute, dass bisher Millionen Katzen, Gänse, Hühner, Rinder und sonstige verdächtige Tiere eine nutzlose grauenvolle Tötung erleiden mussten, um gehorsam vorauseilend der veröffentlichten Meinung den scheinbar nützlichen politischen Tribut zu zollen. Keiner weiß wirklich, was wahr und was nützlich ist. Wenn also der bisherige Verlauf der Schweinegrippe im Vergleich zu bekannten Grippearten relativ harmlos war, so empfinde ich die Hysterie als gesteuert. Qui bono?! Ein Schelm, der das nicht merken will: Die Pharmaindustrie ist weltweit eine der finanzstärksten und hat den größten Nutzen an der Vermarktung riesiger Impfstoffmengen. Gute und teure PR lässt jeden Furz als Vorstufe eines Hurrikans darstellen. Zumindest für einen kurzen nützlichen Zeitraum. Gruss aus Berlin

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