Touristik

Auf ins Reisebüro, Herr Sarrazin!

Thilo Sarrazins Moslem-Schelte spaltet die Gesellschaft. Die ganze Gesellschaft? Einer kleinen aber feinen Branche kann diese Debatte ziemlich egal sein. Sie hat vieles richtig gemacht.

von Dirk Rogl, 09.09.2010, 10:21 Uhr

Jetzt hat er es sogar in die fvw geschafft, dieser Thilo Sarrazin. Ganz Deutschland diskutiert über die "angeblich defizititäre Migration und Sozialisation" von "Mitbürgern mit Migrationshintergrund". Aber stopp! Wenn Sie, liebe Leser, derartig gestellte Wortblasen nicht mehr hören können, hier ein kleiner Tipp: Gehen Sie ins Reisebüro und entziehen Sie sich für ein paar Tage der Scheindebatte.

Die Wahrscheinlichkeit, am Counter auf einen "Migranten" zu treffen, ist ziemlich hoch. Es gibt keine Studien über den Migrationsanteil im deutschen Reise-Vertrieb (Wozu auch?). Doch bei unserem Mystery-Shopping und auf unseren Reisebüro-Workshops ist der Anteil der Sarrazin´schen Pseude-Problem-Zielgruppe schon sehr hoch.

Wundersamerweise dringen wir bei solchen Kontakten fast nie in Parallelwelten vor sondern erleben Integrationserfolge en masse. Ich erinnere mich gern an ein Mystery Shopping in Berlin-Mitte (das liegt knapp nördlich von Neukölln), in dem die siegende Reiseverkäuferin mir mit viel Charme und Produktkompetenz einen Cluburlaub auf den Balearen aufschwatzen wollte, dem ich nur knapp entgehen konnte. Ihr potenzieller Migrationshintergrund lag sichtlich im östlichen Mittelmeer. Und ich denke gern an Events wie unseren jüngsten fvw-Workshop in Bodrum, in dem die "Migranten" sowohl die sachliche Diskussion am Tage als auch die – recht westlich geprägten – Feiern am Abend enorm bereicherten.

Man muss sehr lange suchen, um in unserer Branche potenzielle "Parallelwelten" zu finden. Ja, es gibt ethnisch orientierte Reisebüros, die gut an Migranten der ersten Generation verdienen. Diese werben aber genauso um einheimische Kundschaft wie es die "Orginal German Oktoberfeste" in den USA tun. Und aus einem dieser ethnischen Reisebüros ist einer der stärksten Veranstalter-Marken in Deutschland hervorgegangen. Gründer Vural Öger ist übrigens seit 1990 deutscher Staatsbürger.

Reisen bildet. Und unsere beruflichen Kontakte in alle Welt sorgen vermutlich automatisch für einen etwas offeneren Horizont als in Poltitik und Finanzwirtschaft. Es wäre doch schön, wenn Herr Sarrazin auch solch positive Erfahrungen in der Touristik sammeln würde, oder?

Kommentare

von Wolfgang Hoffmann, 09.09.10, 11:14
Bei allem Respekt, Herr Rogl, Sarrazin (ich habe das Buch 3 Abende "gelesen", damit ich mitreden kann) ist wohl in der Lage, einen ganzen Beitrag hier zu kontaminieren. Ich weiß absolut nicht, wass Sie sagen wollten. Sorry!

von Ali Dogan, 09.09.10, 15:10
Danke Herr Rogl! Wenn man es möchte kann man schon nachvollziehen was Sie mitteilen wollen. Vermutlich ist die Touristik eine eigene Parallelgesellschaft von der das ganze Land lernen kann.

von hingucker, 09.09.10, 16:21
Irgendwie komisch. da hat ein Journalist ein Buch gelesen , vielleicht gehörte er schon zur PR des Verlages. Ich habe das Buch zwar nicht gelesen , aber den Autor im Fernsehen erlebt. OK, er ist prominent , ein Deutscher und äussert sich fremdelnd über andere Kulturen und erlaubt sich wohl, irgendwie dumpfe Abwehrgefühle elitär zu Ausdruck zu bringen. Aber ist das Buch die PR wert , die es inzwischen gefunden hat ? Ein Gutes hat es: Wir werden gefordert, Integration positiv zu besetzen und angesprochene Mißstände aufzugreifen. Wer integriert in Spanien die ausgewanderten Deutschen , die kaum Sprachkenntnis- se besitzen und altersbedingt betreut werden müssen?

von Wolfgang Hoffmann, 09.09.10, 17:01
*grübel* ...ein spezielles Gen, das nur Touristiker haben?

von Salim Sahi, 10.09.10, 11:14
Sarrazin und die Gene ... http://m.sz.de/inm/sz/17hnxbrur72uga;jsessionid=2E295D9878F8386D78F746565AED48A4.app104A2

von OMG, 10.09.10, 15:16
Also, Parallelwelten gibt es leider ueberall in Deutschland, wenn Sie nicht der Meinung sind, empfehle ich Ihnen nach Duisburg zu ziehen und dort Ihre Kinder in die Schule zu schicken. Wollen Sie nicht? Ok, dann nehmen Sie den Artikel zurueck :-) Nichts fuer ungut, aber die Heuchelei vieler, kann ich nicht nachvollziehen. Deutschland wach auf! Immigration ist wichtig aber Integration noch viel mehr!

von Heiko Hermes, 10.09.10, 15:35
Wenn die Politiker die Energie, die verwendet wurde ist um Herrn Sarrazin mundtod zu machen - in die Lösung des eigentlichen Problems gesteckt hätten wären wir schon ein ganzes Stück weiter. So wie es bisher angegangen wurde - wird es jedenfalls nie gelöst.

von Ali Dogan, 10.09.10, 15:39
Erlebniss meiner Tochter auf einem Bayrischen Gymnasium in der 7. Klasse (zum besagten Zeitpunkt fühlte sich meine Tochter als deutsche und konnte auch so gut wie kein Türkisch), im Fach Deutsch hatte Sie zu diesem Zeitpunkt eine 2 und war damit eine der guten in der Klasse. Die Mathematik Lehrerin legte Ihr nahe doch auf eine Hauptschule zu gehen um den Qualifizierten Hauptschulabschluss zu machen um anschliessend eine Ausbildung als Zahnarzthelferin oder Friseure zu machen. Worüber reden wir also? Ein Volk das nicht einmal in der Lage ist Kinder aufzunehmen möchte mir was über Integration erzählen??? Mir vergeht langsam die Lust auf Integration! Ich habe vor ein paar Tagen einen schönen Spruch gehört der zu diesem Thema passt: Wenn wir Türken über das Wasser gehen können, wird man uns vorwerfen, dass wir nicht Schwimmen können...

von dietmar.steller, 10.09.10, 15:44
Also, ich kann Ihren Beitrag auch nicht nachvollziehen. Herr Sarrazin hat berechtigt ein Thema angesprochen, das viele Menschen in diesem Land (und nicht nur Deutsche) stört. Einfach einen Artikel (oder neudeutsch Blog) zu schreiben, mitreden zu wollen, obwohl Sie das Buch noch nicht gelesen haben(ich nehme das mal an) ist schwach und eigtl nicht der FVW würdig. Und eine Reise aufschwatzen sollte auch nicht gerade als Qualität in der Reisebranche angesehen werden. Es ist eher ein Armutszeichen. Das dies natürlich auch von deutschen Reiseüromitarbeitern gemacht wird, ist klar und bestreite ich nicht. Nur ist Ihr Beispiel grausam und sollte korrigiert werden. Oder will mir die FVW sagen, dass Kunden eine Reise aufgeschwatzt bekommen sollen anstelle einer fachkundigen Beratung, womit sich das Reisebüro von modernen Vertriebskanälen unterscheiden sollte! Mein Glückwunsch Herr Rogl!

von dietmar.steller, 10.09.10, 15:56
Lieber Herr Dogan, Lust auf Integration sollte einem nie vergehen! Ich kann natürlich Ihren Unmut verstehen, nur kann ich Ihnen umgekehrt tausende Beispiele aufzeigen, weswegen ich von meiner (deutschen) Sicht aus, die Lust verloren habe, dass einige Ausländer sich in diesem Land einfach nicht benehmen können. Das wäre aber der falsche Weg. Der richtige Weg ist es allerdings Ausländern einen Weg aufzuzeigen, welche Werte Sie beachten müssen, und mit Ausländern sind Schweizer wie auch Türken gemeint. Nur dies ist fair den anderen Bürgern im Land, nur dies macht möglich, dass Ghettos verschwinden, internationale Freundschaften, Partnerschaften etc. eingegangen werden. Ich würde Ihnen applaudieren falls Sie über das Wasser gehen können und Sie als Wetten dass Kandidat vorschlagen :-)

von Wolfgang Hoffmann, 10.09.10, 16:25
Tja, Herr Rogl, das haben Sie jetzt davon.

von Cornelius Lenz, 10.09.10, 16:36
Hallo, ist aber irgendwie interessant, dass jetzt hier ein christlich religiöses Symbol (übers Wasser gehen) verwendet wird. Also irgendwie ist seit dem 11.9.2001 und der in weiten Teilen falschen und unbeholfenen Reaktion des "Christen" George W. Bush ein Konflikt zwischen den Religionen hochgekocht (spez. Christen und Moslems). Wer mit Schulen und Elternarbeit zu tun hat wird bei allem Mist den hier auch "christliche" Deutsche verzapfen doch immer wieder auf Dinge, ausgehend von Eltern mit "muslimischen" Migrationshintergrund stoßen, die einen den Kopf schütteln lassen. Eine schonumgslos offene Integrationsdebatte in unserer Gesellschaft ist zwingend notwendig! Auch in Reisebüros, die ein Teil der Gesellschaft sind. Aber Tenor sollte Fairniss und Interesse am Miteinander sein! Grüße aus Hessen Cornelius Lenz

von Ali Dogan, 10.09.10, 16:55
Es war mir nicht bewusst, dass ich ein beispiel genutzt habe dass der Christlichen Welt vorbehalten ist, wäre mir ehrlich gesagt an dieser stelle auch egal. Passend ist der Spruch trotzdem :-) Aber wenn ich es damit auf die Couch von Thomas Gottschalk schaffe werde ich jetzt an die Isar gehen und erste Versuche starten. Zu diesem Thema gibt es vielmehr zu sagen aber vermutlich ist diese Plattform dafür nicht geeignet. Ich lade gerne zu einer Diskussionsrunde in München ein, ehrlich darüber zu sprechen.

von Cornelius Lenz, 10.09.10, 17:08
Lieber Ali Dogan, ist doch trotzdem interessant, auch wenn es Ihnen nicht bewusst war.. "dass der Christlichen Welt vorbehalten ist" habe ich nicht gesagt, es gibt eben k e i n e christliche und muslimische oder hinduistische Welt. Es gibt diese eine Welt in der wir leben und auch wenn es unterschiedliche religiöse Ansichten gibt sollten wir uns deswegen nicht immer und immer wieder in die Haare kriegen. Die Botschaft der Bibel, die Botschaft Jesu ist friedlich und soweit mir bekannt ist die Botschaft des Koran auch. Also lassen Sie uns die Sache gemeinsam anpacken wegen mir auch ein Stück gemeinsam schwimmen ;-)) Cornelius Lenz TUI ReiseCenter Heuchelheim

von Wolfgang Hoffmann, 10.09.10, 17:53
Wetten, dass wir aus diesem Dilemma nur rauskommen, wenn wir tatsächlich ein spezielles Touristikergen konstatieren, dass ethnienübergreifend ausschließlich Touristiker besitzen? Eine sympathische Synapsenverschiebung, der Ganglien angeblich zu völlig anderen Flüssen verleitet, als es Normalsterbliche, ohne diesen spezifischen Genomsprung haben. Führende Genetiker der Hochschule Harz sollen neuerdings ein bislang völlig unbekanntes X-Chromosom isoliert haben, dass sich im Übergang vom DNS zum RNS für Sekundenbruchteile in eine Weltkarte verwandelt. Allerdings sind Mallorca und die Bucht von Antalya überproportional abgebildet, und auf der Unterseite des Proteins steht "airberlin.com". Jedenfalls bilden Touristiker ansich eine völlig neue Spezis, ungeachtet ihrer Herkunft und Kooperationszugehörigkeit.

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