Touch & Travel

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Hurra! Das iPhone wird zur Bahnfahrkarte. Zur Massenware wird das Handyticket aber erst, wenn die Near Field Communitation im Handy Standard ist. Vorher ist Touch & Travel allenfalls ein hübsches Spielzeug für Techno-Freaks.

von Dirk Rogl, 05.01.2011, 17:43 Uhr

Die Vision ist der Horror der Bahnverkäufer, aber ein Traum für die Deutsche Bahn. War wäre, wenn Kunden einfach in den Zug einsteigen könnten und ohne Fahrkarte zum garantiert besten Preis an das Ziel kommen? DB-Vorstand Ulrich Homburg arbeitet hart daran, dass dieser Traum Realität wird (siehe fvw 21/10, S. 16). Das Handy-Ticket "Touch & Travel" ist in der DB-Zentrale Chefsache. Heute hat Homburg Stufe zwei des Pilotbetriebes gestartet: Das Handy-Ticket ist nun via iPhone-App erhältlich.

Bislang nutzte nur eine überschaubare Gruppe von 3000 Testkunden Touch & Travel. Diese war nicht mit dem iPhone unterwegs, sondern mit von der Bahn gestellten Spezialhandys, die den Datenstandard NFC unterstützen. NFC ermöglicht den drahtlosen Austausch von Daten quasi im Vorbeigehen. Kleines Manko: Mit Ausnahme weniger Nokia-Geräte unterstützt bislang kein Handyhersteller das kurzwellige Übertragungsformat. Und weil in den nächsten Wochen keine Welle NFC-fähiger Smartphones in Sicht sind, bedient sich die Bahn nun der zur Verfügung stehenden Apple-Technik.

Diese besteht aus derüblichen Positionsbestimmung via GPS. Würde dies reibungsfrei funktionieren, so wäre sie ein guter Ersatz für NFC. Aber wer erlaubt seinem iPhone schon gern die dauerhafte Übermittlung seiner Ortsposition an seinen Telefonprovider? Die Masse der User muss die Funktion vor Fahrtantritt erst wieder freischalten. Alternativ bleiben noch die händische Eingabe der Touchpoints oder aber das Abfotografieren eines dort aufgebrachten Barcodes.

Was aber ist ein Touchpoint? Das sind jene Geräte auf dem Bahnsteig, an denen der Bahnkunde der Zukunft bei Beginn und Ende einer Bahnreise quasi im Vorbeilaufen seinen Reisestatus angeben soll. Verfügbar sind sie nur im bisherigen Testgebiet von Touch & Travel NFC, längst nicht an allen deutschen Fernbahnhöfen, die nun mit dem iPhone-Ticket befahren werden dürfen. Dort bleibt dem Bahnkunden tatsächlich nur die GPS-Ortung, nebst dafür obligatorischer Freischaltung beim Telefon-Provider einmalig per SMS und immer wieder am iPhone vor Fahrtantritt.

Die neue App, die bereits seit Ende Dezember bei Itunes verfügbar ist, hat noch ein paar andere Tücken. So gibt es zwar einen Password-Schutz, aber nur eine einmalige Anmeldung. Wer seine Fahrkarten-Funktion deaktiven will, muss in den Einstellungen seines Smartphones die komplette Anwendung zurücksetzen. Das ist aufwändig, empfiehlt sich aber durchaus, wenn man potenziellen Handy-Dieben nicht gleich ein Freifahrticket für die Deutsche Bahn mit auf den Gabentisch legen will. Üppig ist dagegen der Password-Schutz des web-basierten Abrechnungsportals. Nur wer Kundenummer per Mail und PIN per SMS eingegeben hat und dann sein Kundenprofil nebst Bankdaten nach bestem Gewissen ausgefüllt hat, wird für Touch & Travel freigeschaltet. Das kostet Zeit und Überwindung.

Mit NFC wird vieles einfacher. Ein kurzer Wink mit dem Handy in Richtung Touchpoint reicht aus, um den Beginn oder das Ende einer Reise sicher zu registrieren. Das weiß übrigens auch IT-Gigant Apple, der längst ein Patent für eine Reise-Applikation namens "iTravel" angemeldet hat. Diese funktioniert selbstverständlich über NFC. So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Industrie die von der Bahn ersehnten NFC-Phones auf den Markt spult.

Ich vermute jedoch, zeitgleich mit einem künftigen NFC-iPhone auch der Reiseservice iTravel auf den Markt kommt. Und der könnte selbst für den nationalen Quasi-Monopolisten Deutsche Bahn eine üppige Konkurrenz werden. Solange NFC nicht flächendeckend verfügbar ist, dürfen wir Touch & Travel getrost als hübsches Spielzeug für technik-begeisterte Vielfahrer abstempeln. Eine vollwertige Konkurrenz für etablierte Vertriebswege sieht anders aus – noch.

Kommentare

von Steffen Bohn, 09.01.11, 13:36
Mit dem Google (Samsung) Nexus S steht ja bereits das erste NFC-fähige Smartphone in den Startlöchern, das vermutlich die Chance auf eine höhere Stückzahl hat. Fehlt nur noch die Touch&Travel-App für Android...

von Andreas Schuerrle, 19.01.11, 09:56
In der Theorie eine wunderbare Sache. Leider hat es in der Praxis bei mir zum wiederholten Male nicht funktioniert. Ruft man dann die kostenlose (!) Hotline an, erfährt man: " Ich kann sehen, dass das bei Ihnen nicht klappt. Warum weiß ich aber auch nicht. Wir prüfen das und rufen Sie zurück." Auf einen der beiden versprochenen Rückrufe warte ich seit über einer Woche...

von B.Hellmuth, 29.03.11, 10:51
Schöne neue Welt. Das Handy als Allround-Genie. Suchen & Buchen, Bezahlen & Bewerten, Bespaßen & Bearbeiten ...und zu guter letzt immer schön auffindbar bleiben. Die neuen Techniken der SmartPhones sind wohl beides, Fluch und Segen. Nützlich, wenn man in Zukunft nicht immer Bares mit sich rumtragen möchte, aber datenschutzrelevant, wenn der Mobilfunkanbieter meinen Einkauf oder die Reiseroute kennt. "Also Itravel ohne Iphone" ;o)

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