TIC

Diesmal kein Award für die Award Night

Die Award-Verleihung des Travel Industry Clubs (TIC) hat sich etabliert - doch das TIC-Präsidium muss im nächsten Jahr einiges ändern, damit die ITB-Gemeinde dem Event am Eröffnungsabend der ITB treu bleibt.

von Klaus Hildebrandt, 10.03.2010, 09:22 Uhr

Der Auftrieb war groß gestern abend im Hotel Concorde: Viele Branchenmanager blieben der offiziellen Eröffnungsfeier der Messe im ICC fern und gingen für das Networking lieber zur Award Night. Man kann über den TIC sagen was man will, er hat es in wenigen Jahren geschafft, zur anerkannten Plattform für den informellen Austausch der Branche zu werden. Die Networking-Events (ich habe neulich selbst einen Abend in Hamburg moderiert) sind gut besucht.

Auch die Idee, am Vorabend der ITB in Berlin und des fvw Kongresses im September in Köln eine Award-Verleihung zu veranstalten, war pfiffig. Und selbst wenn viele Touristiker gerne über Preisverleihungen lästern - nicht zuletzt an den Clickraten auf fvw.de sehen wir, dass es die Menschen immer interessiert, wer jetzt warum welchen Preis verliehen bekommt.

Die ITB-Nacht startete vor fünf Jahren schwach, kam dann auf Touren. Aber nach dem gestrigen Abend muss die TIC-Spitze aufpassen, den Kredit nicht wieder zu verspielen. Nach Ablauf des Abends (ein Teil der Touristiker zog noch um die Ecke zum Partnerabend der Rewe Touristik ins Ellington Hotel) wurde viel gelästert, im persönlichen Gespräch und auch online auf Twitter.

Viel zu lang geriet der Abend, erst um 22.30 Uhr war Schluss mit dem Programm. Zwischendurch gab es schon eine Abstimmung mit den Füßen: Nach einer Pause kehrten zwei Drittel der Gäste gar nicht mehr in den Saal zurück - wo die Hauptpreise, die Aufnahme in die Hall of Fame der Touristik, überreicht werden sollten. Die Grünen-Frontfrau Renate Künast präsentierte sich zwar putzmunter, und ihre Anregung zu einer Gedankenreise, wie eine Touristikbranche in 20 oder 30 Jahren sozial- und umweltverträglich aussehen kann, war richtig. Aber allzu lang zogen sich die Fragen des Moderators, allzu üppig die Beiträge der Sponsoren.

Und auch an den Preisen gibt es Kritik: Eine Hall of Fame, in Großbritannien hoch angesehen, ist eigentlich eine gute Idee. Aber entweder nimmt man Touristiker darin auf oder nicht - wozu bedarf es dann noch eines zweiten und dritten Preises? Dietmar Gunz (FTI) hat den ersten Platz zweifellos verdient, aber auch Studiosus-Chef Peter-Mario Kubsch und Vural Öger, die auf den Plätzen folgten, haben eine beeindruckende unternehmerische Leistung vollbracht. Hier ist eine Platzvergabe nicht angemessen, auch wenn sie durch ein Voting zustande gekommen ist.

Etwas schräg geriet auch die Verleihung der Hall of Fame international. Keiner der drei Preisträger Tim Clark (Emirates), Carmen Riu (Riu Hotels) und Migel Fluxá (Iberostar) war anwesend. Das war vielleicht auch besser so. Zum einen gilt das oben gesagte: Alle drei haben eine beeindruckende Erfolgsgeschichte hingelegt, eine Abstufung wirkt da haarspalterisch. Zum anderen aber müssen derartige Schwergewichte von Menschen geehrt werden, die mit ihnen auf Augenhöhe stehen. Nichts gegen Versicherungs- oder Autosponsoren - aber sie sind Top-Managern oder spanischen Hotelgranden nicht angemessen.

Wo ich gerade so besserwisserisch dabei bin, auch noch ein Wort zu den Medienpreisen: Natürlich freue ich mich, dass mit Dirk Rogl, Oliver Graue und mir gleich drei Kollegen der FVW Mediengruppe auf den ersten drei Plätzen landeten. (Dafür Dank an alle Wähler!) Auch in den beiden Vorjahren haben wir schon groß abgeräumt. Deshalb würde ich es begrüßen, wenn der Preis für Wirtschaftsjournalisten mit dem für die Fachjournalisten zusammengelegt wird - auch auf die Gefahr hin, dass unsere Redaktion nicht so weit vorne steht. Hier ist es wie im Sport: Wenn immer dieselben gewinnen, wird es langweilig.

Zum Schluss das Positive: Der Best Practice Award ist eine gute Idee, die Networking-Komponente war gestern Abend auch wieder gut und der Rahmen im Concorde Hotel perfekt. Wenn der Travel Industry Club bei den erwähnten Unzulänglichkeiten die Kurve bekommt, wäre es gut, sowohl für die Branche als auch die ITB. Zu wünschen wäre es dem noch jungen Wirtschaftsclub.

Kommentare

von Wolfgang Gallas, 15.03.10, 16:07
Ich kann dem Tenor des Artikels nur beipflichten. Die Award Night ist eine tolle Veranstaltung, die ich nicht missen möchte, aber in diesem Falle gilt auch hier der gute alte Spruch "Weniger ist mehr"

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