Thomas Cook, Öger

Der Öger-Deal: Gut für alle?

Nun also doch: Thomas Cook schluckt Öger Tours. Beide Beteiligten freuen sich. Aber gilt das auch für die Geschäftspartner?

von Klaus Hildebrandt, 12.07.2010, 14:44 Uhr

Mitte Juni habe ich wie viele in der Branche noch über "Manny's Deutschland-Träume" geschmunzelt, nachdem der spanisch-britische CEO von Thomas Cook selbst das Ende der Gespräche mit Öger Tours verkündet hatte - gleichzeitig aber sein Interesse an Übernahmen von deutschen Veranstaltern bekräftigt hatte. Nun sind Thomas Cook und Öger überraschend doch noch einig geworden. Von wem vor etwa drei Wochen die Initiative für einen erneuten Anlauf kam, nachdem sich beide Unternehmen zuvor schon fast auf einen Verkauf geeinigt hatten, ist nicht ganz klar. Bei Thomas Cook heißt es, die Initiative sei von Öger ausgegangen, Vural Öger sagt, Manny habe einen Gesandten vorgeschickt.

Egal, nun sind die beiden einig. Thomas-Cook-Deutschland-Chef Peter Fankhauser sagt, es sei gewesen wie bei einem Fußballspiel: "Wenn die erste Halbzeit nicht gut läuft, macht man eine Pause, und dann läuft es besser." Da die Verträge weitgehend ausgehandelt gewesen seien, ging es dann in der zweiten Runde schnell.

Thomas Cook kann sich freuen: Im reinen Veranstaltergeschäft dürften die Oberurseler auch ohne die Condor nun wieder vom Umsatz her im fvw-Ranking zum Jahresende die im Vorjahr an die Touristik der Rewe Group verlorengegangene zweite Position erringen. In der Türkei, wo die TUI bislang größer ist, kann der Konkurrent mit Öger Tours nun gewaltig punkten. Vural Öger wiederum, der sich nach einer Amtszeit als EU-Parlamentarier schon ein Stück weit aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hatte und dessen Tochter und Mitgeschäftsführerin Nina in Istanbul lebt, muss sich nun über eine Nachfolgeregelung keine Gedanken mehr machen. Bei einem Mann mit der Strahlkraft des Gründers hätte es jeder Nachfolger unter der bisherigen Regie ohnehin nicht leicht gehabt.

Nachdem zuvor schon Verhandlungen mit dem russischen Oligarchen Alexander Lebedew und auch Gespräche mit der TUI ohne Ergebnis blieben, hat Öger nun einen sicheren Hafen für seinen Veranstalter gefunden. Vural Öger hat den Türkei-Tourismus in Deutschland maßgeblich aufgebaut und geprägt, die Marke ist bekannt, hat viele Stammkunden und steht für Qualität. Trotzdem muss sie sich weiterentwickeln, im Produkt und vor allem auch in der Technik, etwa im bislang vernachlässigten Dynamic Packaging. Thomas Cook kann nun in der Türkei Gas geben, Kosten sparen und auf eine höhere Beschäftigung der Condor drängen. Gleichzeitig müssen die Oberurseler aber einen Spagat wagen: Wenn die Marke durch die berühmten Synergie-Effekte ihre Identität verliert, durch höhere Flugpreise zu teuer wird oder im Vertrieb nicht mehr das Standing wie zuvor genießt, wären alle schönen Rechnungen der Konzernstrategen bald Makulatur.

Während Peter Fankhauser und Vural Öger sich freuen und gegenüber der fvw natürlich die Vorteile betonen (und wie gut sie jeweils verhandelt haben), dürften einige Reisebüros und Hoteliers den Deal kritischer sehen. Wenn der Veranstaltermarkt sich weiter konsolidiert, hat der Vertrieb weniger Auswahl. Unter den türkischen Hoteliers wird trotz aller Wertschätzung für Vural Ögers Lebensleistung gerne über die schleppende Begleichung von Hotelrechnungen gelästert. Aber ob sich wirklich alle freuen, dass die Ikone des Türkei-Tourismus nun unter ein Konzerndach schlüpft? Und was meinen Sie? Wie sehen Sie Vor- und Nachteile der Übernahme?

Kommentare

von Andreas Schulte, 12.07.10, 15:51
"Wenn die Marke durch die berühmten Synergie-Effekte ihre Identität verliert, durch höhere Flugpreise zu teuer wird oder im Vertrieb nicht mehr das Standing wie zuvor genießt, wären alle schönen Rechnungen der Konzernstrategen bald Makulatur." Genauso wird es kommen - man erinnere sich an Kreutzer, Fischer-Reisen, Hetzel. Die Zahl der "Unabhängigen" sinkt weiter. Hoffen wir für den Vertrieb, dass die verbliebenen VIER freien Musketiere im Bermuda-Dreieck - Duisburg-Bonn-München - noch ein wenig durchhalten.

von Klaus, 12.07.10, 16:16
Lieber Andreas Schulte, auf Air Marin, Kreutzer und Fischer habe ich vor einiger Zeit auch Manny angesprochen. Er sagte, man habe aus der Vergangenheit gelernt, und natürlich wolle man Öger Tours erhalten. Hetzel passt meiner Meinung nach nicht in die Reihe: Hätte die Hetzel-Familie (deren finanzielle Lage damals sicher ganz anders war als die von Vural Öger) rechtzeitig verkauft (Angebote gab es u.a. von Condor), wäre der Stuttgarter Traditionsveranstalter nicht mit Pauken und Trompeten untergegangen.

von Kerem Kaya, 12.07.10, 16:43
Ich finde es nicht gut, und nur einfach schade von Vural Öger, das er sein eigenes Unternehment einfach so an Thomas Cook verkauft hat. Es ist es denn so leicht sein Unternehmen an einem abzugeben gegen Geld? Meine persönliche Meinung ist, es gibt sowieso genügend und 1000 de von deutschen Reiseveranstaltern auf dem Markt, warum dann auch nicht ein türkischer Veranstalter wo auch wirklich seit knapp 40 Jahren auf die Türkei spezialisiert ist und sich etapiliert hat ? Vural Öger das Unternehman vor 40 Jahren wo er als selber als türkischer Gastarbeiter nach Deutschland kam in Hamburg mit mit eignen Möglichkeiten, eigener Kraft und Schweriegkeiten gegründet. Es ist für Ihn so einfach ein eigens Unternehmen an Thoms Cook zu abzugeben ? Schließlich hat er seine Jahre geschenkt, um es auf den heutigen erfolgreichen Stand zu bringen. Schade, einfach nur Schade das die Marke ÖGER TOURS auch vom deutschen Touristikmarkt verschwinden wird. !!!! -- ES SOLL SICH BITTE KEINER PERSÖNLICH ANGESPROCHEN UND ANGEGRIFFEN FÜHLEN, DIES IST MEINE EIGENE MEINUNG !!!! --

von Wolfram schneppe, 12.07.10, 17:07
Kerem, es geht doch um überhaupt nichts anderes als: GELD! Wenn sie nicht absolut alles falsch machen werden, müssen Herr Öger, seine Tochter, sämtliche Enkel, Urenkel usw. in diesem Leben keinen Finger mehr krumm machen. Ob das traurig macht oder nicht, da ist die Lebensleistung halt dahin, aber Ögers können ruhig schlafen, und TOC ist der neue Platzhirsch im Türkeigeschäft. Und wenn es Öger so nicht mehr gibt, hilft für die freien Agenturen eben nur umsteuern!

von Muhtesem der Ferienmacher, 12.07.10, 17:41
Lieber Wolfram, Du hast vollkommen Recht, es geht nur noch ums Geld. Herr Öger selbst ist ein genialer Mathematiker ganz ohne Zweifel und er hat nach langem Zögern gemerkt das er mit Nina nicht die geeignete Nachfolgerin gefunden hat und als dann noch die Wiebke von Bord ging war für einige Touristiker (mich eingeschlossen) klar das dem Verkauf bald nichts mehr im Wege steht. Herr Öger selbst hat die Schäfchen im Trockenen, die 30 Millionen sind nur ein Tröpfchen auf dem heißen Stein, allein mit seinem privatem Vermögen können wirklich sämtliche Enkel, Urenkel usw. in diesem Leben keinen Finger mehr krumm machen. Fazit: Der ÖGER - DEAL ist gut für alle ! ! ! ! ! ! Machen wir das Beste daraus. Ich wünsche Herrn Vural Öger ein sorgenfreies, gesundes, langes Leben und ein gemütliches Rentner da sein. Er möge uns sehr lange erhalten bleiben !!!!!!!!! Machen wir das Beste daraus.( Sure we can ! ! ! ) ;)

von Murat KIYAR, 12.07.10, 17:54
Lieber kauft TOC den Laden, als das er Richtung Osteuropa vercheckt wird. Vural Öger wollte ja schon lange verkaufen. Es war nur noch eine Frage der Zeit (und des Geldes natürlich).

von Jasmin Taylor, 12.07.10, 18:30
Es hat bislang in Deutschland noch keine Person in der Touristik geschafft aus einem Unternehmen mit seiner Person eine so positiv besetzte Marke zu entwickeln, wie Herr Vural Öger. Bei dem Namen Öger wissen sowohl Endkunden, als auch der Vertrieb wohin die Reise geht und welche Qualität man erwarten kann. Wenn ein jeder von uns solange Jahre so viel Herzblut in das Unternehmen gesteckt hat, und z.Zt. vielleicht kein 100% Nachfolger in Sicht ist, wer würde nicht so handeln? Nach über 40 Jahren kann ich verstehen, wenn Herr Öger sich neue Prioritäten setzt. Ich beglückwünsche Thomas Cook für die gute Wahl und hoffe, dass sie verantwortungsvoll mit der Marke umgehen. Es gibt genug Beispiele im Markt, wie Konzerne eine gut angesehene Marke in die Konzernstrategie einverleiben und der Markt diese Marke kaum noch als „Schatten der ursprünglichen Marke“ wiedererkennt. Vielleicht warten wir erst einmal ab was passiert …

von Dietmar, 12.07.10, 20:12
Es ist immer schade, wenn ein mittelständisches Unternehmen an einen Konzern verkauft wird. Aber welche Alternativen hatte Vural Öger? Er ist fast 70 Jahre alt, und seine Kinder sind offensichtlich nicht in der Lage, ein Unternehmen von der Grösse Öger Tours zu führen. Besser jetzt verkaufen, als in drei Jahren für das Unternehmen nichts mehr zu bekommen. Thomas Cook wird das EDV-System von Öger auf einen modernen Stand bringen. Das ist gut für Reisebüros und Kunden. Die Hotels werden sicher noch ein wenig mehr ausgequetscht. Ein grosses Einsparpotential sehe ich bei den Kosten für Transfers und Reiseleiter. Bei den Kosten für Kataloge, EDV, Transfer und Reiseleiter sind insgesamt sicher ein paar Prozentpunkte Kostenreduktion und damit auch günstigere Preise für den Kunden drin.

von Frank, 13.07.10, 07:24
Ein Unternehmen kann man verkaufen, eine Marke auch. Die Frage, ob man damit auch die Kunden kauft, wird sich wieder mal nicht klären lassen. Die wenigen Kunden mit Markentreue, die es noch gibt, werden die Veränderungen spüren und Ihre Kaufentscheidung neu überdenken. Und alle anderen treffen Ihre Wahl über den Preis. Wirklich erfahren werden wir nie, mit welchen Ergebnissen der Deal in die Bücher von TC eingehen wird. Den Beschäftigten wünsche ich für die Zukunft alles Gute!

von Heiner, 13.07.10, 09:44
Wir hatten damals "in den 90-ern" von Anfang an eine Bucher-Agentur. Die Umsätze stiegen jedes Jahr merklich im zweistelligen Bereich. Dann wurde Bucher in TOC einverleibt. Da wir keine eigene TOC-Agentur haben wurden wir mit unserer Bucher-Agentur zuerst mal von 10 % auf 6 % zurück gestuft. Die "Buchungsfreude" hielt sich dadurch natürlich in Grenzen. Zusätzlich wurde dann der Agenturlink abgeschalten. Nach einem Jahr wurde uns schließlich die Bucher-Agentur gekündigt, weil wir den TOC-Mindestumsatz nicht erreicht hatten. Seitdem haben wir Bucher nie wieder verkauft. Anderen Bucher-Agenturen ging es ähnlich wie uns. Auch die verkaufen Bucher nicht mehr. Das selbe Schicksal wird Öger erleiden, wird im Nirwana verschwinden. Und GTI ist absolut keine Alternative. Ob dieser Handel geschickt für das Türkei-Geschäft war wage ich zu bezweifeln.

von Ilhan Karatas, 13.07.10, 13:48
Der einzige Verlierer ist die Tükei.. Es ist richtig, dass Öger Tours durch diesen Verkauf von seinen Schulden befreit worden ist. Es ist auch richtig, dass Thomas Cook - mindestens für ein oder zwei Jahre- seine Marktpositionierung befestigt hat, und in einer sehr wichtigen Zielgebiet die Rolle Vorreiter geniessen wird. Türkische Tourismuss hat sich besonders durch ÖGER / GTI & Co. und kleinen Türkischen Reiseagenturen in Deutschland - gerade in Krisenjahren - übers Wasser gehalten und sogar weiterentwickelt. Durch den Verkauf von Öger Tours an Thomas Cook wird dieser guter Freund des Türkischen Tourismus der Ziele und Strategien einer Konzernveranstalter folgen.Es ist aber echt schade, dass Öger Tours in den letzten Jahren an Traveltech, Zielgebieterweiterung und Marketing nicht anpassen könnte und letztendlich jetzt für einen Apfel und Ei ( Verglichen mit den Marktwert von Schauinsland sogar Vtours ) verkauft wurde. Noch dazu hatte Öger Tours die besten Voraussetzungen: Krisensichere Kundschaft, Vertrauen von allen Agenturen, Hotel- und Flugpartnern, Unterstützung eines ganzen Landes.

von Konstantin Herber, 13.07.10, 14:48
Herr Öger als Elder Statesmen hat doch Charme Die Zeiten der Patriarchen gehen unwiederbringlich zu Ende. Doch noch sind die Dinge nicht ganz so wie sie scheinen... Das deutsche ÖT Portfolio geht an TC - man wächst. Vor Ort soll das ZG-Managment von der Holiday Plan Turizm weitergeführt werden. "Die Agenturleistungen verbleiben bei Öger. Zusammen mit den Öger-eigenen Hotels verpflichtet sich der Türkei-Spezialist, Thomas Cook kostenfrei mit Leistungen in Höhe von 2,5 Mill. Euro zu beliefern." Da sitzt aber ein großer starker Elefant, ein touristischer Profi ( kein Bazari ) in Form der Thomas Cook Agentur Diana Travel mit einem charismatischem Kopf: Hasan T. der ein gewichtiges Wort bei der Synergiegestaltung mitreden wird. Überhaupt sind in der Türkei noch viele Patriarchen-Manager und Manni und Peter sprechen, glaube ich kein türkisch... Synergie geht am ehesten mit dicken Elefanten. Ich beobachte die touristische Türkei seit an den Straßen Kusadasi Soldaten mit aufgeflanzten Bajonetten die Kreuzfahrer kontrollierten und es waren die vor Ort verwurzelten, die für den touristischen Ablauf sorgten. Mal sehen wer jetzt für Synergie sorgt!

0

Informativ, spannend, subjektiv: Abonnieren Sie den RSS-Feed für den fvw Blog und bekommen Sie ungewöhnliche Einblicke in die Touristik.

 
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten