Thomas Cook

Mannys Deutschland-Träume

Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa haut wieder auf den Putz: Er will in Deutschland durch Zukäufe wachsen. Also liebe Mittelständler, hier ist die Gelegenheit, Ihr Geschäft zu versilbern.

von Klaus Hildebrandt, 17.06.2010, 12:08 Uhr

Großer Auftrieb am Mittwoch Abend im Steigenberger Frankfurter Hof: Der gesamte operative Vorstand der Thomas Cook Group traf sich zum Abendessen mit deutschen Journalisten. Gastgeber Manny (da ihn sowohl intern als extern alle ohnehin nur beim Vornamen nennen, verzichte ich hier auf den etwas umständlichen Nachnamen) war wie gewohnt charmant und locker drauf. Doch als es um das Thema Börse (die Cookies sind gerade aus dem 100-er Leitindex der Londoner Börse abgestiegen) ging, klagte der spanisch-britische Manager über den Fluch des Erfolgs: Thomas Cook habe eine Umsatzrendite von 4,5 Prozent – weit höher als etwa TUI oder Kuoni. Die Folge sei, dass die Analysten bei den Konkurrenten weitaus mehr Steigerungspotenzial sehen. Schließlich werden an der Börse nicht die Erfolge von heute, sondern die Geschäftserwartungen von morgen gehandelt.

Bei Thomas Cook müssen deshalb neue Ziele her, um für die Meute der Investoren die Wurst wieder höher zu hängen. Im März hatten Manny und sein neuer Finanzchef Paul Hollingworth den Anlegern bereits in Aussicht gestellt, mittelfristig eine operative Marge von 5,5 bis 6,5 Prozent erzielen zu wollen. Aber auch sonst muss Phantasie in der Aktie drin sein. Ob Manny wohl deshalb erneut ganz eindeutig den Willen bekundete, in Deutschland auch durch Zukäufe wachsen zu wollen?

Aber wer will verkaufen? Ob Willi Verhuven (Alltours), Dietmar Gunz (FTI) oder Gerald Kassner (Schauinsland) – diese touristischen Haudegen haben selbst viel zu viel Spaß am Geschäft, als dass sie unter ein Konzerndach flüchten wollen. Das gleiche gilt für Spezialisten wie Studiosus oder Olimar. Bleiben nur die virtuellen Veranstalter wie V-Tours, JT Touristik oder LMX. Aber bei denen brummt es gerade richtig.

Zumindest Mannys Liebesbekundungen für den deutschen Markt sind erst zu nehmen. In Großbritannien, wo sich TUI und Thomas Cook faktisch den Veranstaltermarkt teilen, sind die Potenziale weitgehend ausgereizt. Auf dem bunteren deutschen Markt, wo Thomas Cook Margenmeister ist und mit der X-Produktion gut im Rennen liegt, wäre vielleicht noch mehr möglich. Aber wie wäre es denn mal wieder mit grundsolidem internen Wachstum durch neue Produkte und Zielgebiete? Das schafft Erfolgserlebnisse – intern und für den Vertrieb. Nur leider hört sich das aus Sicht der Börsianer furchtbar langweilig an und beflügelt kaum den Aktienkurs. Oder erleben wir doch bald noch eine deutsche Übernahme, mit der niemand rechnet?

Kommentare

von Herbert, 17.06.10, 13:34
Könnte es sein, dass Manny auf den Spuren seines ehemaligen AR-Vorsitzenden Thomas Middelhoff zu wandeln beginnt, von dessen Größenwahn sich damals leider auch die (meisten) Akeure unserer Branche blenden ließen? Oder ist in der Thomas Cook-Group bereits das sektenähnliche Westerwelle-Syndrom spürbar, das den Spitzenmann blind und die Gefolgsleute sprachlos macht?

von Johannes, 17.06.10, 18:09
Die deutschen sind Reiseweltmeister. Manny Fontenla-Novoa Ankündigungsweltmeister. Wie viele Übernahmen hat er schon über die Presse versprochen, und was hat er davon eigentlich bislang realisiert?

von Joerg, 05.07.10, 17:33
Klar was soll der Mann auch sonst erzählen? Das die Umsätze bei den eigenen Produkten NEC /TOC zurückgehen, und man NUR noch GEIL auf Marge ist, zulasten des Vertriebs , wird man durch Zukäufe nur bedingt kompensieren können.... Hat der gute Herr geglaubt Öger gibt seinen guten Laden für ein Appel und ein Ei weg, er kürzt mal eben die Marge wie bei TOC üblich und dann brummt es .... RB s mit Hirn und da gibts schon mehr als man denkt, würden andere Veranstalter verkaufen. Warum kümmert er sich nicht darum das TOC/NEC zu alter Stärke kommt, stärkt den Vertrieb welcher sich aktiv einsetzt. (Es ist noch lange nicht so das 100 % des Umsatztes IM PAUSCHALREISEBEREICHS über Internet laufen) Nur dumme Menschen glauben daran das der Pauschalreisebereich über 50% im Internet läuft, hier wird bei der Betrachtung schnell mal nur Flug umsätze und Bahntickets reingemischt.... Aber 70% Pauschalreise sind im RB, mehr oder weniger.....tja und wenn man dem RB täglich in den Hintern tritt....wundert man sich dann? Mit Coverkatalogen wie Miller Reisen oder China Tours im TOC Gewand, gewinnt man aber auch keinen Blumentopf in punkto Umsatz und Ertrag. Aber umso mehr er brüllt das er kaufen will umso weniger wird einer kommen, sonst hätte schon jemand verkauft oder?

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