Thomas Cook Group

Dumm gelaufen

Nach der gestrigen Gewinnwarnung: Muss man sich Sorgen um Thomas Cook plc machen?

von Michael Krane, 13.07.2011, 15:38 Uhr

Mit 320 Mill. Pfund wird der Konzern sein Ergebnisziel von rund 380 Mill. Pfund klar verfehlen und nicht einmal den Vorjahreswert von 360 Mill. Pfund erreichen. Die Londoner Finanzgemeinde reagierte anfangs gefasst, weil sie mit einer Gewinnwarnung gerechnet hatte, wenn auch nicht in diesem Ausmaß.

Zum Schock trug das Umfeld bei. Cook platzte mit seiner Nachricht in ein Schreckenszenario der internationalen Finanzmärkte, die den Euroraum bereits im Schuldenchaos versinken sehen. Um rund 30 Prozent sackte der Kurs von Cook ab, was etwa der Vernichtung von 300 Mill. Pfund entspricht. Extrem dumm gelaufen.

Die politische Instabilität in Nordafrika und ein schwieriges Umfeld auf dem britischen Markt nennt Cook als Gründe für die schwache performance.

Beides müsste auch auf TUI Travel zutreffen. Allerdings nicht in einem Ausmaß, das eine Gewinnwarnung erforderlich macht. Auch TUI Travel ist stark von Tunesien und Ägypten abhängig. Dies gilt vor allem auf dem französischen Markt mit dem Schwergewicht Nouvelles Frontières für Tunesien. Hier hat es Rückgänge gegeben, aber nicht in einem Umfang, der anderweitig wettgemacht werden kann.

Und der britische Markt? Auch der macht TUI Travel offenbar weniger Probleme als Cook. TUI gilt als margenstabiler und spricht weniger stark die preissensiblen Kunden an als Thomas Cook.

Deshalb spielt es auch eine nicht zu unterschätzende Rolle, dass Cook beim Kersosinzuschlag in Großbritannien mit 15 bis 40 Pfund besonders kräftig zulangt. TUI Travel liegt mit 5 bis 15 Pfund deutlich darunter.

Gemessen an den Erwartungen wird dieses Geschäftsjahr nicht mehr zu retten sein. So könnte die Weichenstellung für 2012 aussehen: Die Cook-Führung wird die Kostenbremse noch stärker anziehen und in Großbritannien Arbeitsplätze abbauen. Sie wird sich wie andere Airline-Betreiber gegen Preiskapriolen beim Kerosin absichern. Mehr Durchschlagskraft im Vertrieb verspricht das Zusammengehen mit der Reisebürokette Co-operative Travel. Hier steht das Plazet der britischen Wettbewerbsbehörde noch aus.

Aber am wichtigsten wird sein, dass der Konzern auf der Insel schnell das preissensible, margenschwache Geschäft abbaut oder zumindest in einem Sparmodus produziert. Mehr Exklusives und Höherpreisiges ist gefordert. Bei der Tochter in Oberursel hat man gute Erfahrungen mit dieser Linie gemacht.

Aber reicht das? Wie sieht Ihr Rezept für Thomas Cook aus?

Kommentare

von Berthold, 13.07.11, 16:09
Frag nach................... in Oberursel! Oder bei Roland Berger. Oder bei McKinsey. Oder, oder. Diese Zunft reibt sich bestimmt schon wieder die Hände.

von Michael Krane, 13.07.11, 16:47
Liebe Blog-Gemeinde, ich musste leider eine Korrektur am Blog vornehmen. Es geht um die Frage, ob Thomas Cook in Großbritannien die Entwicklung der Kerosinpreise für das laufende Geschäftsjahr abgesichert hat. Diverse Quellen sprechen davon, dass Thomas Cook eben darauf verzichtet habe. Im Quartalsbericht vom Mai heißt es aber, dass eine Absicherung vorliegt. Danach richte ich mich. Deshalb habe ich folgenden Passus gestrichen: „Cook laufen in Großbritannien die Kerosinkosten davon, nachdem die Führung vergangenes Jahr auf eine Absicherung gegen steigende Preise verzichtete und der Treibstoffmarkt sich nicht wie erhofft erholt hat.“ Sorry, MK

von Horst, 13.07.11, 17:06
BCG und/oder Roland Berger reiben sich die Hände. Beide haben doch beste Kontakte in das Unternehmen, auf beiden Seiten des Teichs... Tut aus der Ferne jetzt schon weh, wenn jetzt die Consultant-Strategien ins Unternehmen geprügelt werden, an die sich in 2 Jahren niemand mehr erinnern kann (die Berater sind dann ja längst weg). Und natürlich an den Mitarbeitern sparen, das geht immer... und wird auch schon seit langer Zeit gemacht. Ach ja: wichtig! Große Zahlen an die Wand werfen und viele schöne Charts malen... denn was in Powerpoint steht muss ja stimmen - und ist in der GF gerne gesehen...

von Andreas Schulte, 13.07.11, 18:10
wenn man solche Geschichten liest, kann man nur noch den Kopf schütteln. Wo leben wir inzwischen eigentlich, dass gleich so etwas wie Panik auszubrechen droht, wenn ein Unternehmen "nur noch" 320 Mio Pfund Gewinn macht ?

von Frank Schilling, 13.07.11, 22:21
Ich warte jetzt auf den nächsten "5-Prozenter". Die "Vereinbarung" mit den spanischen Hoteliersvereinigungen hat ja wohl jetzt erst recht keine Basis mehr.

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