Thomas Cook

Cook's britischer Hotel-Soli

Thomas Cook UK kürzt wegen der Aschewolke die Hotelrechnungen. Ist das in Ordnung - und wird das Beispiel Schule machen?

von Klaus Hildebrandt, 28.09.2010, 11:03 Uhr

Wegen der hohen Einbußen durch die Aschewolke will Thomas Cook UK – die Aktion gilt nicht für die deutschen Veranstalter – fünf Prozent der Hotelrechnungen für die Monate August und September einbehalten. In den Zielgebieten, vor allem in Spanien, regt sich Protest, Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa hat die Aktion heute relativiert. Politiker und Hotelverbände müssten nun mal "etwas Lärm machen", so der Vorstandschef zur fvw. Im übrigen hätten fast alle Hotelpartner der Aktion bereits zugestimmt.

Ist das wirklich so? Schließlich wird in Destinationen wie der Türkei dank des anziehenden Geschäfts – auch der russische Markt kommt stark zurück – schon wieder hart um gute Betten gefeilscht. Aber klar ist auch, dass ein Hotelier es sich nicht langfristig mit einem so wichtigen Veranstalter wie Thomas Cook verderben will. Zwar haben auch die Hoteliers Einbußen durch die Aschewolke gehabt, aber die der Veranstalter und Airlines (Thomas Cook hat als integrierter Konzern nun mal beides) waren sicher größer.

Fontenla-Novoa macht seit langem Druck. Die Margen in der Touristik sind sehr schmal, im Hotelgeschäft lässt sich besser verdienen. Davon will er etwas abhaben. Zu Recht? Und wie sehen Sie den von Thomas Cook UK geforderten Soli-Beitrag der Hoteliers? Ist das berechtigt – und könnte das auch bei anderen Veranstaltern Schule machen?

Kommentare

von Sprachlos, 28.09.10, 11:47
Eine gute Partnerschaft sieht anders aus. So eine Maßnahme führt direkt und ohne Umwege zu einem Vertrauensverlust zwischen Geschäftspartnern. Würde TC seine Rechnungen nicht vollständig an mich bezahlen, dann würde ich meine Kapazitäten eher einem anderen, verlässlicheren Partner geben.

von Dietmar Pedersen, 28.09.10, 12:33
Unter der Aschewolke haben alle gelitten. Die Hotels standen eine gute Woche leer bzw. haben die gestrandeten Gäste zu Sonderpreisen weiter wohnen lassen. Die Flugzeuge standen am Boden, haben aber wenigstens Sprit gespart. Die Reiserveranstalter hatten eine Woche keine Einnahmen, dafür aber auch kaum Ausgaben. Die Reisenden mussten ihren Urlaub bw. Geschäftsreise verlängern und hatten dadurch Mehrkosten. Unter dem Strich haben alle Beteiligten Mehrkosten gehabt. Wenn da dann einer seine Mehrkosten auf die anderen abwälzen will, ist das ein sehr unseriöses Geschäftsgebaren.

von ibrahim, 28.09.10, 15:21
@klaus: Die Margen in der Touristik sind sehr schmal, Richtig, solange die Veranstalter sich immer austauchbar machen im Hotelgeschäft lässt sich besser verdienen. Glaube ich nicht. Toc, Tui und konsorten drucken die Hotelie ganz schön und mit rafinesse die Ihre gleiche sucht. Fragen Sie mal paar Hotelies in Ägypten oder in der Türkei. Sie werden staunen. Ibrahim

von Frank Schilling, 28.09.10, 18:01
Das Vorgehen ist schlicht und einfach unseriös. Verträge sind einzuhalten und können nicht einseitig geändert werden. Das nächste Ereignis kommt bestimmt, was soll dann geschehen? Hat man auch schon mal den Hotelpartnern bei extrem guter Geschäfts- und Ertragslage Boni o.Ä. gezahlt? Ich halte es auch für ein Gerücht, dass viele Hoteliers in Spanien schon zugestimmt haben. Ein weiterer Griff in die Trickkiste.

von Wolfram Schneppe, 28.09.10, 18:21
Das ist doch genau das, was man seit Jahrzehnten beim NEC-, jetzt TOC-Konzern beobachten kann: immer ganz tricky und ohne Rücksicht auf Verluste werden die GeschäftsPARTNER, ohne sie zu fragen, übervorteilt, egal auf welcher Ebene der Wertschöpfungskette. Wie zuvor ausführlich erwähnt sind durch die Aschewolke sowohl Kunden als auch Airlines, Hoteliers, Reisebüros, Zielgebietsagenturen und eben auch im gleichen Masse Reiseveranstalter bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und auch finanziell gefordert gewesen. So mir-nichts dir-nichts den geschätzten Partnern die Rechnungen zu kürzen ist doch wieder so etwas von daneben! Ich warte schon auf die neue Börsennotiz des ewigen zweiten oder dritten, wie die Rendite nach oben springt... Hoffentlich wird diese unglaubliche Arroganz von den Hoteliers für die kommende Saison entsprechend abgestraft!

von Peter, 28.09.10, 19:38
Das ist im Grunde genommen das gleiche wie die deutsche TOC die Provisionstabelle für die Reisebüro-Geschäftspartner dieses Jahr um 30% gekürzt hat. Das eigentlich Schlimme daran ist, das selbst in seriösen Fachblättern trotzdem von einer Provisionsverbesserung gesprochen wird.

von Reiner Iserlohe, 29.09.10, 10:16
Den Kommentaren von Wolfram und Peter ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Als ehemaliger Nec Team Partner führt nach dem neuestem Provisionsmodel TC bei uns nur noch ein Schattendasein. 100T für 7% ohne retroaktive Anpassung ist ein nogo. Da kann, auch bei Euch, noch soviel von "wir haben Verstanden" und "wir nehmen mehr Geld für unsere Partner in die Hand" gefaselt werden. Man muss das Geld nicht nur in die Hand nehmen, man muss es auch loslassen.

von Frank Reinhard, 30.09.10, 09:02
um nochmal auf TOC Deutschland zurückzukommen, die Provisionskürzungen für nächstes Jahr haben zu Bsp. im Hinblick auf den Standpunkt der Reisebüros zu den laufenden Tarifverhandlungen gewaltige Auswirkungen. Zwangsläufige 30% Lohnkürzungen sind ein Thema was auf die Titelseite gehört !

von Klaus Hildebrandt, 21.10.10, 15:54
Heute melden wir übrigens auf fvw.de, dass der Spanische Hotelverband Thomas Cook verklagt. So ganz ist das Thema noch nicht durch, auch wenn Thomas-Cook-Chef Manny sagt, dass der Großteil der Hoteliers unterschrieben hat.

von Peter Meier, 28.11.10, 14:06
Ich denke auch für TOC-Deutschland wird es, wegen den Provisionskürzungen ein ganz finsteres Jahr !

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