Thomas Cook

Berlin-Londoner Haarspaltereien

Thomas Cook wird nach einem Fankhauser-Interview an der Börse böse abgestraft - dabei hat sich eigentlich nix verändert.

von Klaus Hildebrandt, 13.03.2009, 15:42 Uhr

In einem ITB-Interview mit der US-Nachrichtenagentur Bloomberg sagte Deutschland-Chef Peter Fankhauser, 2010 werde für die Reisebranche "noch schwieriger" als dieses Jahr. Die Thomas-Cook-Aktie stürzte daraufhin am Donnerstag um 14 Prozent in den Keller - sehr zum Unmut der Londoner Konzernspitze. Dabei hatte Fankhauser eigentlich nichts anderes gesagt, als zuvor TC-Boss Manny Fontentla-Novoa in der aktuellen fvw-Ausgabe. "Wir dürfen uns nichts vormachen: Es wird noch härter in diesem und im nächsten Jahr", hatte er mir bei einem persönlichen Interview erklärt, zu dem ich auf die britische Insel geflogen war. In Oberursel wurde das fvw-Interiew mit Interesse gelesen. Denn bislang galt bei TC und ebenso bei TUI-Travel-Chef Peter Long die offizielle Ansage an die Londoner Börse: "Alles wird gut, die Leute buchen ihren Urlaub schon noch, wir halten unsere Gewinnziele." Oder noch kürzer: Don't worry, be happy! Obwohl Mannys Aussagen in der fvw vor einer Woche auch von der Nachrichtenagentur Reuters aufgegriffen wurden, lies dies die Börse kalt. Doch Fankhauser hatte gestern doppelt Pech: Zum einen hatte Bloomberg offensichtlich seine Aussagen stark in die Richtung zugespitzt, dass TC Deutschland das Gewinnziel für 2009 nur dann erreiche, wenn das Last-Minute-Geschäft gut läuft. Und zum anderen gab auch British Airways gestern einen düsteren Ausblick. Das reichte für den kräftigen Kursrutsch. Thomas Cook beeilte sich, in einem Statement gegenüber der Börse zu erklären, dass die Gewinnziele selbstverständlich gehalten werden (was Manny zuvor auch schon im fvw-Interview gesagt hatte. Allerdings mit der leichten Einschränkung, dass man für 2010 "eine Chance" habe, die Ziele zu erreichen). Nun, werden Sie sich vielleicht fragen: Ist das nicht alles Haarspalterei um winzige Nuancen? Ja, genau das ist es. Aber Börsianer sind leider so, sie handeln mit Erwartungen. Bislang sei die Wahrnehmung gewesen, Thomas Cook sei immun gegen die Wirtschaftskrise, so der Londoner Analyst Joseph Thomas. Aber nun werde er "zunehmend nervös". Übrigens: Bei TUI ist die Nervosität natürlich nicht geringer. Intern heißt es, TUI-Travel-Boss Long kratze jeden Euro zusammen und stoppe alle nicht unbedingt notwendigen Investionen, um ja seine ebenfalls bislang sehr optimistische Ansage an die Börse nicht korrigieren zu müssen. Schließlich ist TUI Travel ebenso maßgeblich für den Erfolg der TUI AG verantwortlich wie Thomas Cook für den des angeschlagenen Arcandor-Konzerns. Und, so wurde heute auf der ITB schon gemutmaßt, bietet ein starker Thomas-Cook-Kurs den besten Schutz gegen eine mögliche Übernahme durch die stets vorsichtig rechnenden Kaufleute der Kölner Rewe. Ach was waren die Zeiten schön, als ein Touristiker einfach mal offen sagen konnte, wie das Geschäft so läuft. Gut dass die Internationale Tourismus Börse "nur" ein Reisetreff, und noch keine richtige Börse ist.

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