Tarifverhandlungen

Es ist noch Luft nach oben

Lokführer bekommen in diesem Jahr elf Prozent mehr Gehalt, LH-Stewardessen 5,1 Prozent. Und Touristiker?

von Dirk Rogl, 28.08.2008, 15:40 Uhr

Es ist gar nicht so leicht zu sagen, wie viel mehr Gehalt die Beschäftigten der Touristikbranche laut nun verabschiedeten Tarifergebnis in diesem Jahr erhalten. Drei Prozent sind es auf dem Papier. Abzüglich des von TUI, Thomas Cook & Co längst gewährten freiwilligen Entgeltaufschlags in gleicher Höhe bleibt allerdings nur noch ein Tarifaufschlag von exakt null Prozent. Immerhin: zum Jahreswechsel steigen die Gehälter noch einmal um 2,1 Prozent, ein Jahr später um 1,9 Prozent. Ist das nun viel oder wenig? Stolze 14 tariflose Monate haben die Gewerkschaft Verdi und die DRV-Tarifgemeinschaft über exakt diese Frage hart gerungen. In dieser Zeit lag die Inflationsrate in Deutschland übrigens fast immer über drei Prozent. Aber es gibt einen Lichtblick für beide Parteien. Die Leistungszulage wurde ausgebaut. Die freilich fließt nur, wenn entsprechende Leistungen, sprich Unternehmenserfolge, auch erbracht sind. In diesem Sinne ein frommer Wunsch im Sinne aller Beteiligten: mögen in 2009 unter dem Strich deutlich mehr als 2,1 Prozent Gehaltsplus für die Touristiker auf die Gehaltskonten sprudeln.

Kommentare

von barthel.eu, 28.08.08, 17:07
Dazu lässt sich kaum noch was sagen: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/einkommensentwicklung100.html » mich würde nur interessieren, wie sich die Gehälter der Konzernverantwortlichen im gleichen Zeitraum entwickeln...

von Siegfried.Egyptien, 29.08.08, 10:38
lt Focus: http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/vorstandsgehaelter/tui_aid_11130.html hat ein Herr Dr. Frenzel im jahre 2007 ein Gehaltsplus von 124 % erhalten. Der Vorstandsvorsitzende der TUI verdiente im Jahr 2006 4.478 Millionen Euro! Natürlich war die Gehaltsentwicklung in den letzten 10 Jahren nicht permanent so gut. Aber sie muss sich an der Wertentwicklung des Unternehmens messen. Und die ist absolut konträr! Der Aktienkurs der TUI hatte Negativwachstum in den letzten 10 Jahren. von 56,59 auf Heute ca 13,60. Quelle dazu: http://tool.boerse.de/performancecheck.php?WKN=TUAG00&zeitraum=12&typ=1 Das weltweit führende Toursmusunternehmen sollte eine Unternehmenspolitik betreiben, die dem Menschen dient. Dem Menschen als Kunden und als Mitarbeiter. Ein touristisches Unternehmen, dass sich von dem internationalem Wachstum des Tourismus abkoppelt dient nicht dem Menschen. Nicht dem Eigentümer, dem Mitarbeiter und auch nicht den Kunden. Denn das Geld, was umgesetzt wird, kommt vom Kunden. Und wenn man dem erfahrenen Reisenden nichts grundlegend Neues in der Touristik bietet, dann gibt er auch weniger Geld für Tourismus aus.

von Wolfgang Hoffmann, 29.08.08, 14:07
Spaß-Threads sind hier also auch erlaubt. Fragt sich nur, ob den Foris hier davon nicht das Lachen im Hals stecken bleibt. *grummel*

von Siegfried Egyptien, 01.09.08, 09:22
Humor ist das halbe Leben. Es ist traurig, daß bei der Entwicklung im Tourismus einem sehr schnell das Lachen im Hals stecken bleibt. Aber die zietierten Daten habe nicht ich zu verantworten. Die geringen Gehälter und Lohnzuwächse haben die zu verwantworten, die nicht verantwortlich für die Branche agieren. Andere internationale Branchen, wie Öl, Kaffee und nicht zuletzt die Bananenhändler aus USA haben nicht nur in der Vergangenheit erfolgreich agiert, um Ihr Marktumfeld besser unter Kontrolle zu haben. In der Tourismusbranche ist da nichts gelaufen ausser der Eroberung Mallorcas. Der Schöpfer eines UNESCO-Weltkulturerbes hat mir mal aus seinem Erfolgsrezepten verraten: "Das, was heute nicht veränderbar ist, kann nur mit etwas verändert werden, was (jetzt) nicht ist!" Wenn wir bessere Löhne, höhere Gehälter und auskömmliche Provisionen haben wollen, brauchen wir was neues. Und um beim Vergleich mit den Bananenhändler zu bleiben: Eine "Tourismusrepublik Abchasien" ist eine notwendige Novität, wenn wir unseren Tourismusmitarbeitern nicht weiterhin sinkende Realeinkommen bescheren wollen.

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