Tarifverhandlungen

Belegte Brötchen statt mehr Kohle

Es soll freundlich und entspannt zugegangen sein beim ersten Warnstreik bei der TUI am heutigen Tag. So wird es wohl nicht bleiben.

von Dirk Rogl, 11.06.2008, 11:02 Uhr

Belegte Brötchen, Live-Musik und Sonnenschein: Wenn die ersten Schilderungen von Augenzeugen stimmen, dann war der historisch erste Warnstreik bei TUI Deutschland eine ziemlich muntere Veranstaltung: ein Ausrufezeichen für Verdi, eine lockere Ablenkung für die Mitarbeiter, kein großer Verlust für den Hausherrn. Doch am Tarifhimmel ziehen dunkle Wolken auf. Seit fast einem Jahr arbeitet die Branche ohne gültigen Tarifvertrag, während in anderen Branchen signifikante Entgelterhöhungen erzielt worden sind. Daran wird sich Verdi nun auch in der Touristik orientieren. Die DRV-Tarifgemeinschaft tut gut daran, an die geringen Margen in der Touristik zu erinnern. Gerade im Vertrieb wären exorbitante Tariferhöhungen für viele Betriebe existenzbedrohend. Oder auch nicht? Eine Frage müssen sich gerade die Verantwortlichen im Vertrieb stellen: Woran liegt es, dass immer weniger junge Menschen im Reisebüro arbeiten wollen? Gewiss: die Perspektiven des Mittlerhandwerks gelten in der öffentlichen Darstellung bestenfalls als mittelmäßig. Die aktuelle Ausbildungsoffensive des DRV ist da eine prima Sache. Aber ist das allein genug? Liebe Personal-Verantwortliche, erlauben Sie mir schon einmal die potenzielle Masterfrage der kommenden Tarifverhandlungen zu stellen: Wenn der stationäre Vertrieb seine Zukunft in kompetenter Beratung und exzellentem Service sieht, muss dann nicht auch die Bezahlung der Mitarbeiter entsprechend sein? Die Debatte ist nicht neu, aber sie wird sich in den nächsten Monaten zuspitzen.

Kommentare

von Georg Feldafinger, 11.06.08, 14:54
Ein ganz heißes Eisen, das Sie da anfassen, sehr geehrter Herr Rogl: "...muss dann nicht auch die Bezahlung der Mitarbeiter entsprechend sein?" Das löste bei uns in der Mittagspause eine heiße Diskussion aus! Ein Praktikant meinte: "Wenn Vorstände sich ihre eigenen Gehälter zweistellig erhöhen, können die Margen ja wohl so knapp nicht sein!" Und ein Bereichsleiter war schnell bei der Frage nach der Henne und dem Ei angekommen: "Müssen denn die Mitarbeiter nicht erst mal in Vorleistung treten und die kompetente Beratung bringen (und dabei den Abschluss bitte nicht vergessen, denn wir leben vom Verkauf, nicht vom Beraten!)?". Der anschließende Sturm der Entrüstung der versammelten Kolleg(inn)en ("Tun wir doch schon seit Jahren!") richtete sich wiederum an den Fisch, der - man ahnt es schon! - ja immer am Kopf zu stinken anfinge: "Wenn 'die da oben' nicht jedes Jahr mit dem Ansatz kämen '2% billiger als im Vorjahr' hätten doch alle genug!" Spannende und harte Verteilkämpfe sind also vorprogrammiert - schon bald: Bereits für morgen sieht die Wettervorhersage für Hannover schwere Gewitter voraus...

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