Sterling

Sterlings Ende

Erst Futura und XL, dann LTE und jetzt Sterling - darf man da sentimental werden?

von Klaus Hildebrandt, 30.10.2008, 16:04 Uhr

Es gebe zuviele Airlines weltweit, in Europa und auch in Deutschland, sagte Ralf Teckentrup, Chef des Bundesverbands Deutscher Fluggesellschaften, neulich in Berlin. Doch nun sorgen hohe Ölpreise und die Finanzkrise dafür, dass die Überkapazitäten radikal schwinden. Gestern nun die Nachricht, dass die dänische Sterling Airlines insolvent ist. Sie entstand zwar erst vor drei Jahren aus der Fusion mit Maersk Air, aber ihr Vorläufer Sterling Airways wurde schon 1962 gegründet – vom legendären dänischen Pastor Eilif Krogager, der einst im gleichnamigen Ort den Veranstalter Tjaereborg aus der Taufe hob (und damit zeigte, dass Pastoren keineswegs nur zum Schwarztouristiker taugen). Ich habe schon ein Faible für die Branchengeschichte, und wenn sich dann so ein Name wie Sterling in Luft auflösen könnte (okay, die waren auch schon 1993 mal Pleite und haben zig-Mal Eigentümer und Geschäftsmodell gewechselt), werde ich doch nachdenklich. Auch wir Journalisten reden viel von der "Konsolidierung" im Markt. Aber in der Praxis bedeuten Fusionen oder Pleiten, dass nicht nur die Firmen, sondern auch viele Arbeitsplätze verschwinden. Deshalb hoffe ich, dass demnächst nicht mehr allzu viele Sterlings kommen.

Kommentare

von Martin Pundt, 30.10.08, 17:12
Sie dürfen sentimental werden, lieber Herr Hildebrandt, Sie dürfen. Ich bin es auch - auch wenn ich eben am Küchenschrank ganz ehrlich nur zufällig zur Sabena-Tasse gegriffen habe für meine Kaffeepause... Jedenfalls sind mir diejenigen, die bei solchen Nachrichten sentimental werden, immer lieber, als diejenigen, die nur "abhaken" und kalt aber laut spekulieren, wer denn wohl der Nächste sein wird. Mit allen "Opfern" der jüngsten Zeit bin ich selbst irgendwann mal geflogen und während meiner Zeit an einem großen deutschen Flughafen durfte ich mit großem Rummel den Erstflug einer neuen Veranstalter-Airline feiern - und einige Jahre später war ich dann der einzige Vertreter eben dieses Flughafens, der den letzten Flug dieser Airline leise verabschiedete... Was uns neben aller Sentimentalität beschäftigen sollte, so denke ich, ist die jeweilige Frage nach dem "Warum?". Ich bin überzeugt (und predige dies unseren Azubis und Praktikanten): Nur wer genau weiß, wie die heutige Luftverkehrs- und Touristiklandschaft sich entwickelt hat - mit Erfolgen und eben dieen Misserfolgen - wird sie auch in der Zukunft erfolgreich mitgestalten können. Richtig angewandt, trübt der Blick zurück nicht die Wahrnehmung, sondern er schärft sie für zukünftige Herausforderungen. So, und jetzt geht's - ganz passend sentimental - zur Münchner Abschiedsfeier für Tempelhof...

von barthel.eu, 30.10.08, 20:38
Da kann ich Herrn Pundt nur zustimmen. Wobei ich auch den Schwund der Arbeitsplätze bedaure, danke für den Hinweis. Wir sollten aber mal wieder innehalten und überlegen, was wir daraus lernen könnten: Leider honorieren zu Wenige teurere Preise - auch dann nicht, wenn da der entsprechende Service dagegen steht. Es wird fleissig Ryan Air gebucht, Hauptsache billig, billiger, koste es was es wolle. Wir sind für die Welt verantwortlich in der wir leben. Leider fehlt viel zu oft das Verständnis der eigenen, persönlichen Verantwortung. Über die Geizgesellschaft meckern, aber auch wenn's möglich ist dann selbst lieber billig statt preiswert. Auch die Krisen unserer Branche sind hausgemacht. Billig verkaufen kann jeder... So lange "Shareholder Value" mit Gewinnmaximierung gleich gesetzt wird und damit amoralisches und asoziales Verhalten "gerechtfertigt wird, werden wir noch andere Traditionsnamen verlieren. -- Und ja. Ich trauere heute auch um Tempelhof. Eine historische Chance die Herr Wowereit (wir wollen doch mal den Namen nennen) aus zweifelhaften Gründen verspielt. Wird BBI doch jetzt schon absehbar zu klein!

von Nikolai Turbodew, 31.10.08, 11:38
Hallo Bruder Klaus, was mit Ogerdew. Heute sollte die Ubernahme bekannt gegeben werden. Ganz Moskau wartet drauf. Was ist nun mit Ogerdew? Gruss aus Moskau

von Klaus, 31.10.08, 14:44
Hallo Nikolai, also erst einmal freue ich mich sehr, dass unser fvw-Blog auch in Moskau gelesen wird! Zum Thema Öger/Lebedew haben wir auch noch nix neues, scheint sich wohl noch ein bisschen hinzuziehen. Gut Ding will eben in Zeiten der Finanzkrise Weile haben. Beste Grüße aus Hamburg!

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