Spam

Hurra, sie spammen wieder!

Sie ärgern sich, dass wieder mehr Spam in Ihrer Mailbox landet? Seien Sie doch froh. Denn die Menge der Müllmails gilt jetzt als Konjunktur-Barometer.

von Georg Jegminat, 31.03.2010, 10:40 Uhr

Eigentlich war ich im vergangenen Jahr froh, wenn sich in meinem Spam-Ordner nur sechs oder zehn Spams pro Tag fanden. Auf einen Blick erkannte ich, ob sich eine ernsthafte E-Mail dorthin verirrt hatte. Manchmal landen sogar Nachrichten von meinen Kollegen dort.

Doch jetzt sehe ich mit Wohlwollen, dass der Ordner wieder voller wird. Schließlich habe ich von Maria Namestnikova gelernt, wie hart die armen Spammer von der Wirtschaftskrise getroffen wurden. Tröstlich, dass die Mitarbeiterin von Kasparsky Lab, einem Hersteller von Anit-Viren-Software, analysiert: Die Müll-Mailer finden wieder Auftraggeber. Seit Juli 2009 gibt es zarte Anzeichen für den Aufschwung.

Maria Namestnikova hat sich ihre Heimat Russland vorgenommen, die Branche der Spammer und ihre Geschäftsmodelle beschrieben. Als den Auftraggeber der nicht ganz legalen Dienstleister in der Krise das Geld ausging, verschickten sie kurzerhand Werbung für ihre eigenen Spam-Dienste statt für Viagra und Schweizer Uhrenimitate.

Als aber auch den Spammern vermehrt die finanziellen Reserven ausgingen, hinterließen sie leerstehende Büros. Also beauftragten die Immobilienmakler andere Spammer, neue Mieter zu suchen. In wunderbar nüchterner Wirtschaftsanalyse und mit Charts beschreibt die Kasparsky-Mitarbeiterin die Krise der Spam-Branche: Die Eigenwerbung hatte ihren Höhepunkt im April 2009, die Immobilienwerbung im August 2009. Seither ist die liebe Spammer-Branche in Russland auf dem Weg Richtung Normalbetrieb. Oh, wie gut.

Also werfen Sie doch auch mal einen fröhlichen Blick in Ihren Spam-Ordner. Und vergessen Sie Gram und Ärger über den täglichen Müll. Denn je mehr Spam umso optimistischer können Sie sein. Denn dann sollte der Aufschwung auch bald im Reisegeschäft spürbar werden. Fröhliches Löschen.

Zur Website "Viruslist"

Kommentare

von Jens Fliege, 31.03.10, 11:58
Na, wollen wir hoffen, dass die Konjunktur nicht allzu sehr brummt. So lange meine Frau Viagra für ihre Libido im Postfach findet, hat die Spam-Mafia noch kein soziales Targeting für sich entdeckt. Aber das ist sicherlich nur eine Frage der Zeit.

von Heiko Eckert, 31.03.10, 13:29
Spannend in dem Zusammenhang eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Message Anti-Abusing Working Group (MAAWG) dernach jeder vierte (!) E-Mail-Nutzer Spamnachrichten öffnet: http://bit.ly/aAjZuK

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