Social Media

Vernetzung ist prima, Content is King

Social-Media-Fans verzweifeln manchmal, wie träge sich die Touristik des Themas Social Media annimmt. Die ITB Berlin hat es jetzt getan. Sogar zu gut?

von Dirk Rogl, 26.11.2009, 11:07 Uhr

In der touristischen Bloggosphäre ist es eines der Top-Themen: der zaghafte Einstieg vieler Anbieter auf relevante Social Media Plattformen. Viele dieser Weckrufe sind primär von der Hoffnung auf Beratungsaufträge für aufstrebende Consultants getrieben, andere unbedingt

. Seit einigen Tagen hat die Social-Web-Community einen neuen Helden. Die ITB Berlin bläst zur großen Social-Media-Offensive und ist schlagartig in allen relevanten Netzwerken präsent:

,

,

,

und natürlich

. Onliner mögen drüber streiten, ob des guten Tons wegen nicht auch noch die Foto-Community Flickr und das Studentennetzwerk Studi-VZ hätten bedient werden müssen. Im Prinzip ist die Web2.0-Offensive der ITB aber wie aus dem Lehrbuch der virtuellen Social-Media-Vordenker. Oder doch nicht? Man wolle "journalistischen Networkern die Möglichkeit geben, sich schnell und unkompliziert über Travel News und Trends auszutauschen", teilt die Messe Berlin mit. A-ha! Und damit das gelingt, werden vorab auf allen Portalen exklusive Auszüge aus dem neuen "ITB World Travel Trends Report" zur Verfügung gestellt. Bitte was? Sind die neuen Web-Auftritte der Messe Berlin, die eine renommierte Hamburger Agentur vermutlich nicht gratis entwickelt hat, nicht doch eher für die potenziell 180.000 Besucher und Aussteller der Messe Berlin gedacht als für eine kleine Schar von Journalisten? Und was genau soll die Massen auf die Social-Media-Seiten der ITB ziehen? Ich kenne die Antworten nicht. Wohl wissend, dass eine gute Social-Media-Präsenz mitsamt ihres User Generated Content wachsen muss, um echte Werte zu generieren, so melde ich leise Zweifel an, dass die ITB Berlin die kritische Masse in gleich allen fünf Web-2.0-Auftritten erreichen kann. In Youtube etwa lockt die Messe mit drei schlanken Filmen über die ITB der Vorjahre. Und der einzige bislang in Xing veröffentlichte ach so exklusive Auszug aus den World Travel Trends ist in Wahrheit die Kurzfassung einer UNWTO-Studie, die im Original

abrufbar ist. Im Tiefen meiner Seele tut mir diese Kritik außerordentlich Leid, liebe ITB-Macher. Natürlich ist es lobenswert, Flagge zu zeigen in den neuen Medien. Und natürlich kann nicht jeder Social-Media-Auftritt so relevant werden, wie die weltgrößte Tourismusmesse selbst. Weshalb ich diese Zeilen trotzdem schreibe? Um zu zeigen, dass es mit simpler Präsenz im Web 2.0 nicht getan ist. Die Auftritte müssen mit sinnvollen und möglichst exklusiven Inhalten gefüttert werden, um dann weiteren User Generated Content zu generieren. Im fvw-Blog gelingt uns das übrigens mal mehr und mal weniger gut. Aber wir glauben ganz fest an journalistische Werte wie Exklusivität, Analyse, Einordnung und Kommentierung. Darin liegt (nach wie vor) der Erfolg der Printmedien. Ich glaube, je mehr Social-Media-Portale um die Gunst der User buhlen, um so wichtiger werden diese Kriterien auch in der Bloggosphäre. Der ITB-Berlin wünsche ich, dass sie dafür einen langen Atem hat. Denn unter dem Strich kann nicht jedermann führend sein im Web2.0. Habe ich mich jetzt zu weit aus dem Fenster gelehnt? Oder ist journalistische Qualiät auch im Web 2.0 zunehmend King? Ich bin gespannt auf ihren User Generated Content - sorry - auf ihre Meinung.

Kommentare

von Roman Brauner, 26.11.09, 12:12
Hallo Herr Rogl! Bin da ganz bei Ihnen. Qualitativ hochwertiger Content lädt UserInnen ein, diesen weiterzutragen. Hochwertig muß aber nicht immer Exklusivität bedeuten. Die "persönliche Note" spielt hier eine ganz große Rolle. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Kommentare mit einer eigenen Meinung/Interpretation versehen a) zum Diskutieren einladen b) die Verteilfrequenz innerhalb der Userschaft exorbitant angestiegen ist. Es sollte sich jeder, der sich mit dem Gedanken spielt Aktivitäten im Social Media / Network Bereich zu setzen, vorab die Frage stellen: Habe ich Inhalte, die eine mögliche Userschaft auch interessieren? Sprich: Bin ich breit genug positioniert und verfügt mein Content über genug Diversität? Oberflächliche, unpersönliche und allgemeingültige Inhalte werden nicht wirklich wahr genommen. Hier wird es kontraproduktiv: Durch die stattfindende Überkommunikation werden UserInnen zunehmend selektiver. Inhalte die für den/die UserIn keinen vordergründig erkennbaren Mehrwert erkennen lassen, werden ausgespart.

von Andreas Schulte, 26.11.09, 12:56
Bei der teilweise pandemischen Ausbreitung der Social Media stellt sich mir die Frage, wer das alles ueberhaupt noch verfolgen und lesen soll. Manchmal denke ich, weniger waere sehr viel mehr.

von Timo Iserlohe, Aktives Reisebüro Netzwerk eG, 26.11.09, 13:07
Hallo Herr Rogl, ich kann dazu nur sagen, Erfahrungen haben gezeigt das mehr Kontent zwar mehr Traffic bedeutet, aber nicht unbedingt mehr Buchungen generiert. Es steht und fällt mit dem Konzept. Ich bin gespannt wohin uns Web 2.0 noch führt! Aktuell kommt es mir gelegentlich vor wie eine zügellose Kutsche! Schauen wir mal was Chrome und Wave uns noch zusätzlich bringen, wenn wir dann nicht nur labern, chatten, twittern, sonderen auch noch waven!

von noblemarina, 26.11.09, 13:13
hallo dirk rogl: bin durch ihren tweet auf das neue blog-thema aufmerksam geworden .... geben wir der messe berlin doch erst mal eine chance. auf xing ist zu beobachten, welchen zulauf das neue itb berlin pressenetz hat! die new + social media verändern die medienlandschaft und die kommunikation grundlegend. in diesem umbruch müssen unternehmen, pr-agenturen sowie verlage und journalisten neue wege gehen (und austesten).

von Ulrich Roth, LA PALMA.travel, 26.11.09, 15:54
Unique Content war schon immer Trumph auch bevor man von Web 2.0 gesprochen hat. Warum sollte da nicht auch eine ITB anfangen zu üben, mit dem Recht auf Fehler. Nobody ist Perfekt. Aber gerade die Messe vor während (z.B. mit Twitterwänden in den Hallen) und nach der Messe hat eine grosse Chance es für sich erfolgreich zu nutzen. Schauen wirs uns an, ob die Entscheider es begriffen haben. Dass ein Grossteil in der Touristik sich mit den neuen Medien schwer tun (siehe Webseiten aus der Konserve der meisten QTA-Büros) und voraussichtlich gefressen werden, ist im stationären Vertrieb zu beobachten.

von CaptainJarek, 26.11.09, 16:57
Ach Ulrich! Seit Jahren siehst Du die "klassische" Touristik im Aussterben begriffen ... nur will sie - entgegen Deiner stetigen Voraussagungen - einfach nicht verenden! Sie werden alle gefressen werden. Hört, hört! ...(an dieser Stelle wurde der Kommentar von der Redaktion gekürzt, weil er von unseren Kommentarrichtlinien abwich. Vorwürfe gegen einzelne Kommentatoren, die nicht zu diesem Thema gehören, sind leider nicht zulässig)... ZUM THEMA: Auf der einen Seite ist es ein stückweit nett anzuschauen, wie ein jeder noch nachträglich versucht auf den Social Media Zug aufzuspringen. Aber auch die ITB-Macher haben eine faire Chance verdient. Gucken wir uns ihre Bestrebungen doch einfach mal ein paar Wochen lang an. Spätestens nach der ITB wird man dann sehen, ob die - in meinen Augen in diesem Fall unabdingbare - Kombination von offline und online Komponenten sich für die ITB auszahlen wird. Ich bin gespannt und drücke ganz neutral die Daumen.

von Andreas Georg Dresch, 26.11.09, 17:51
Hallo Herr Rogl, sie schreiben es selbst "wie träge sich die Touristik des Themas Social Media/Web 2.0 annimmt". Die ITB unternimmt hier einen innovativen Vorstoß, der -kaum veröffentlicht- gleich im Keim erstickt wird und das mehr als 3 Monate vor der ITB. Dass der neue Auftritt mit der Qualität des Inhalts steht und fällt und dass der Aufbau einer kritischen Masse essentiell ist, wird die ITB hoffentlich selbst wissen. Die globale Travel Industry trifft sich zur ITB in Berlin und welcher Trend sollte dort was Kommunikation und PR betrifft eine zentralere Rolle spielen als das Web 2.0? Oder sollen wir alle inkl. der ITB selbst lieber Pressemappen in die Pressefächer legen?

von bernd Schray betravel, 26.11.09, 18:21
Danke für die Info. Ich oute mich hiermit als Folgender (follower) von ITB on Twitter . Ich kann mir vorstellen, dass die ein oder andere interessante Info aus diesen Kanälen kommt. Mir reicht allerdings Twitter. Der Rest ist mir ebenfalls zu zeitaufwändig.

von Dirk Rogl, 26.11.09, 18:38
@Andreas Georg Dresch: Kurz direktes Feedback. Im Keim ersticken liegt mir fern. Im Gegenteil: Weiter so. Denn allein mit der Präsenz ist überhaupt nichts gewonnen. Ihre Frage möchte ich gern beantworten: Nein, der alten Pressemappe trauere ich nicht hinterher. Künftig die Infos in tausenden Social Media News Rooms einzusammeln, wäre mir aber auch ein Graus. Hier schätze ich die gute alte E-Mail. Und dann gibt es tatsächlich eine zentralere Kommunikationsform als das Web2.0: der persönliche Kontakt - mit Vorliebe gepflegt auf der ITB1.0 ;-)

von Tobias Jäcker, 27.11.09, 07:02
So langsam wird's Zeit fuer das Meta-Social-Web...oder wie soll man noch den Ueberblick bewahren??

von Stefanie Dehler, 28.11.09, 11:51
hilfreich wäre es dann natürlich, auf dem gesamten messegelände kostenloses WLan nutzen zu können, damit wir in echtzeit von der und über die messe twittern und waven können... die strategie der ITB ist auf jeden fall einen versuch wert, mit der zeit wird man sehen, in welchen xing gruppen, in welchen waves, auf welchen messen oder barcamps, in welchen foren oder blogs - oder zeitungen/ zeitschriften - content generiert, diskutiert und geteilt wird. spannend, finde ich!

von Michael Buller, 30.11.09, 12:44
Also lieber Herr Rogl....als Twittervorreiter hätte ich eher ein wow die machen was...und sind noch am üben als das was jetzt daraus geworden ist erwartet. Tatsache ist.....KEINER hat eine Ahnung wie man mit Social Media als Unternehmen richtig umgeht..denn dafür wars garnicht gemacht! Die Macht des consumers kommt da auf uns zu (siehe Fall Jako oder Jack Wolfskin) und der Versuch ihn auf seine Seite zu bringen...der läuft gerade noch. Da ist jeder Test und Jeder Plattform notwendig um die nötige Erfahrung damit zu bekommen. Auch darf man eines nicht vergessen.....Social Media Plattformen leben vom abholen von Informationen (also im Gegensatz zum Spam-Mail)...dh. ob ein Content gut oder schlecht ist...führt zu einem Lesen oder nicht gelesen werden. Gruß Buller

von Dirk Föste, 30.11.09, 22:51
Social Networks entwickeln sich momentan zu DER zentralen Spielwiese für allerlei selbst ernannte Experten und auch Agenturen. Leider wird viel zu selten die Sinnfrage gestellt. Hauptsache, man ist dabei. Trend erkannt und mitgerannt. Doch bringt ein Engagement in sozialen Netzen dem Unternehmen überhaupt etwas? Wird dies überhaupt gemessen? Gibt es vielleicht sogar definierte Ziele? Wie viele andere Vertriebs- oder Marketingmaßnahmen ist auch ein Engagement in Social Networks kein Selbstläufer sondern harte, zielgerichtete Arbeit. Mal ein paar lustige Videos bei YouTube oder ein hübscher Facebook-Account allein bringen NICHTS. Außer vielleicht eine zweifelhafte Erwähnung in Medien, die ebenfalls grad´ dem Social Media Hype verfallen sind. Nichts für Ungut ;-) Dirk

von ReinhardLanner, 01.12.09, 09:21
Gratulation, Diskussion vom Band getreten. Spannend finde ich immer noch, wie wir mit unseren alten Maßstäben zu verstehen versuchen. Steffi Dehler hingegen nimmts einfach an und gibt noch Tipps zur Abrundung der Sache. Ein wichtiger übrigens - Stichwort: Roamingebühren der ausländischen Teilnehmer. Während der Veranstaltung ist die emotionale Nähe zum Thema und die Bereitschaft zur Gesprächsbeteiligung am größten. Wäre doch schade, wenn die Gesprächsmarktplätze dann nicht genutzt würden. Bravo ITB. Weiter so.

von bernd Schray betravel, 03.12.09, 20:54
@ ReinhardLanner. Was ist so spannend, wenn wir mit unseren 'alten Maßstäben' zu verstehen suchen? Was sind alte Maßstäbe und wodurch? Werden Gesprächsmarktplätze auf Messen bisher nicht genutzt? Wird Twitter diesen Zustand verbessern? Werden Gesprächsmarktplätze durch Twitter / Sozial Media effektiver? Dein posting hinterlässt mich fraglos ratlos. Ich bin zwar auch für Twitter, wave, sozial media, und die Beteiligung der ITB daran, aber während der Messe schwirrt mir eh der Kopf vor lauter Kontakten und Gesprächen, ich weiss nicht, was da Twitter noch verbessern kann? Vielleicht habe ich auch was übersehen? Im Vorfeld finde ich es gut für Kontaktaufnahmen und Infopostings, PR und News. Aber während der Messe als Teilnehmer, Besucher? Nein, da ziehe ich lebendige Gespräche doch den digitalen vor. Also, ist jetzt out und unspannend, wer mit seinen Maßstäben (ob alt oder nicht) zu verstehen und einzuschätzen versucht? Ich finds blos legitim.

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten