Social Media

Schwarzes Loch in Facebook?

In dem Sozialen Netzwerk verschwinden auf einmal Fanpages. Kommt es jetzt zur Massenpanik unter den Seitenbetreibern?

von Arndt Aschenbeck, 16.02.2012, 17:58 Uhr



Facebook hat den Anspruch, immer mehr zu einem Abbild des wahren Lebens zu werden. Am liebsten wäre es Mark Zuckerberg, wenn man sein komplettes Dasein in seine Community verlegt. Aktuell scheint es so, als würde Facebook seinen Wirkungskreis sogar auf die gesamte Galaxie ausweiten. Denn es tauchen auf einmal schwarze Löcher in dem Netzwerk auf.

Das glauben Sie nicht? Dann unterhalten Sie sich doch einfach mal mit Lajos Csery, dem chef des Münchener Stadtportals Muenchen.de. Die Bajuwaren hatten sich über zwei Jahre mühsam eine Facebook-Page mit über 400.000 Fans aufgebaut. Am Dienstag vor zwei Wochen war die Seite von einem auf den anderen Tag verschwunden. Und niemand wusste warum. Ein Mysterium.

Csery setze alle Hebel in Bewegung, um seine Seite wieder zu bekommen. Die Gespräche mit der deutschen Facebook-Niederlassung in Hamburg waren dann offenbar von Erfolg gekrönt. „Wir haben unsere Seite unter neuem Namen wieder bekommen“, erzählt Csery. Aus „Muenchen.de“ wird jetzt „Stadtportal München“. Facebook habe versprochen, die Fans von der alten Seite auf die neue umzuziehen, so dass Csery keines seiner 400.000 Schäfchen verloren geht. Bisher sind allerdings erst einige Tausend Fans bei der neuen Seite eingetrudelt. Aber Csery ist guter Dinge, dass die restlichen in den nächsten Tagen folgen werden.

Es wäre ja auch wirklich seltsam gewesen, wenn eine Stadt wie München plötzlich in Facebook verschwindet. Hätte dieses Schicksal Bielefeld ereilt, würde das wohl niemanden so recht interessieren. Denn diese Stadt gibt es ja bekanntlich sowieso nicht. Aber München?

Jetzt geht die Angst um in Facebook-Land. Wer landet als nächstes im schwarzen Loch? Hamburg, Köln oder gar Castrop Rauxel? Was kann man tun, um sich gegen den Strudel ins Nichts zu schützen? Wohl nicht viel, wie das Beispiel des Radiosenders Antenne Vorarlberg zeigt. Dessen Seite mit 20.000 Fans löschte Facebook im Januar dieses Jahres. Auf Nachfrage bekamen die Österreicher nur Standardantworten von Facebook wie: „Deine Seite wurde entfernt, weil sie gegen unsere Nutzungsbedingungen verstoßen hat.“

Ein persönliches Gespräch habe es nicht gegeben, berichtet der Bayerische Rundfunk. Stattdessen sei der charmante Hinweis gekommen: "Einen persönlichen Support geben wir (. . .) nur bei einem wiederkehrenden Budget von mindestens 10.000 Euro im Monat. Sobald sich das Budget in diese Richtung entwickeln würde, haben wir die Möglichkeit, persönlichen Support für die Antenne Vorarlberg zu geben." Das erinnert mich stark an die Statements, die man lange Zeit bei Anfragen an Google gehört hat.

Und die Moral von der Geschicht: Verlass dich auf deine Facebook-Seite nicht.

Oder in Anlehnung an die Weissagung der Cree-Indianer: „Erst wenn die letzte Facebook-Seite gelöscht ist, der letzte Post gepostet und die letzten Fans sich verabschiedet haben, werdet ihr merken, dass man sich für Facebook-Fans nichts kaufen kann.“

Oder bin ich da vielleicht etwas zu fatalistisch? Social-Media-Gurus, bitte widersprechen Sie!

Kommentare

von Bernd Hellmuth, 17.02.12, 10:15
...toller Artikel, super geschrieben und absolut war! Als mir in meiner Zeit als Marketing-Consultant ein Kunde offerierte er würde überlegen nun doch lieber seine Webseite nicht zu aktualisieren und nur noch "Facebook machen", bin ich hinten über gekippt. Das Argument, dass "Facebook ein Unternehmen" sei, dass "auch wieder Pleite gehen kann" oder einfach ohne Vorwarnung "die Business-Richtlinien" oder "Zugangsberechtigung" ändern könnte, zog nach einigen Gesprächen aber dann doch. Euer Beispiel und die Info über den Support unterstreicht diese "These" eindrucksvoll. Mittlerweile dürfte der Kunde von damals echt glücklich mit seiner neuen Webseite sein ;o) PS: München gibt nicht wirklich 120.000 im Jahr bei FB aus oder ? ;o)

von Ralf, 17.02.12, 10:22
Mit Facebook manövriert man sich in eine Abhängigkeit, ohne jegliche Möglichkeit der Einflussnahme. Entweder man akzeptiert laufend die ständig ändernden Nutzungsbedingungen oder man ist weg. Übrigens, der abgewandelte Indianerspruch ist köstlich.

von Karl G, 17.02.12, 10:35
Ich habe mich bei Facebook abgemeldet weil mein Account zweimal gehackt wurde. Bei Facebook selbst hat das niemand interressiert, ich habe da 20 mal nachgefragt. Nie wieder FACEBOOK !!!

von Markus Luthe, 18.02.12, 12:45
Ich teile ausdrücklich Ihre „Moral von der Geschicht“, lieber Herr Aschenbeck! Bei allem verständlichen Facebook-Hype läuft in der „Guru-Diskussion“ nicht nur datenschutzrechtlich Einiges aus dem Ruder. So fragt selbst ein renommierter Marketing-Blog doch allen Ernstes, ob nicht die Zeit gekommen sei, die eigene Homepage für die Facebook-Fanseite aufzugeben: „Is it time to surrender to Facebook?“ (http://tinyurl.com/43hukqa). Never ever! Wer kann sehenden Auges seine gesamte Marke einem Schwarzen Loch überantworten? Wie kann man ernsthaft erwägen, die eigene Homepage, sein Gesicht in der Menge, seine eigene Buchungs-Landingpage aufzugeben? Wie kann man seine eigene Markenkommunikation ausschließlich in die Hände einer fremden Marke legen? Die Marke, die auf Facebook alle anderen in den Schatten stellt, ist die von Facebook.

von Manu Kozhuppankutty, 20.02.12, 10:46
Meiner Meinung nach sollten Unternehmen eine Facebook Seite pflegen. Das übergeordnete Ziel sollte aber sein Trafficströme auf seine Unternehmenswebsite zu lenken. Auf der eigenen Seite hat man volle Kontrolle über den Content und natürlich auch über die Verfügbarkeit des Contents.

von Götz A. Primke, 20.02.12, 14:38
Arndt, Du hast mal wieder Recht. Es gibt schon genügend Beispiele, wie FB plötzlich das Layout/Design und/oder die Richtlinien änderte. Unternehmen, die erst irgendwelche Applikationen für FB geschrieben haben, um dadurch spielerisch die Bekanntheit zu erhöhen bzw. ggf. auch Nutzerdaten zu generieren, sahen sich plötzlich damit konfrontiert, dass dies so nicht mehr funktionierte. Wer FB schon etwas länger kennt, wird feststellen, dass das neue Layout mit der Chronik doch stark an das Aussehen vor einigen Jahren erinnert, als man noch flexibel div. Kästen mit Apps, Spielen etc hin- und herschieben konnte.

von Jürgen Barthel, 22.02.12, 22:19
Ich stimme Manu Kozhuppankutty vollkommen zu. Facebook, Google+ & Co. sind Ergänzungen der eigenen Seite, keinesfalls ein Ersatz. Nur umgekehrt wird ein Schuh draus, die eigene Website kann und muss jederzeit ein vollwertiger Facebookersatz sein. Gerade die FVW macht es doch vor. Hervorragender Content auf der eigenen Website, in Facebook morgens und abends die Teaser. Sicherlich ein Win/Win für Facebook, denn auch der Teaser ist "wertig". Ich weiss aber gar nicht, wann ich das letzte Mal auf der Facebook-Seite der FVW war - ist schon eine Weile her...

von Erik, 27.06.13, 12:08
Das aufgedeckte Rätsel der Schwarzen Löcher Schwarze Löcher entstehen z. B. am Ende der Existenz eines Riesensterns bei einer Hypernova, wobei die (nach innen gerichtete) Schwerkraft über die expansiven Kräfte (der beendeten Kernfusion) siegt. Der Kollaps des Kerns vollzieht sich dabei so rasant, dass mit dem Ende des Kollaps die äußere Schicht des Sterns mit immenser Geschwindigkeit weggeschleudert wird. Schwarze Löcher beherbergen in ihrem Zentrum eine Sternleiche, deren Anziehungskraft so enorm ist, dass in ihrem Umfeld bis zum sogenannten Ereignishorizont, der die Sternleiche kugelförmig umgibt, kein Lichtstrahl nach außen dringt. Die Erläuterung dieses Phänomens durch ein Beispiel: Wenn die Geschwindigkeit einer durch das Weltall fliegenden Galaxie rund 200.000 km/s beträgt, stehen für die Erreichung der maximal möglichen Lichtgeschwindigkeit noch rund 100.000 km/s zur Verfügung. Sollte die Anziehungsgeschwindigkeit einer Sternleiche mehr als 50.000 km/s ausmachen, erzielt die Anziehungsgeschwindigkeit am Ereignishorizont jene rund 50.000 km/s (= die Hälfte der zur Verfügung stehenden rund 100.000 km/s), und es entsteht ein sogenanntes Schwarzes Loch, weil aus dieser Region kein Licht mehr ins Weltall dringt. Die Erklärung: Das Licht einer Lichtquelle, die sich genau am Ereignishorizont befindet, unterliegt der Reisegeschwindigkeit der Galaxie von rund 200.000 km/s und der Anziehungsgeschwindigkeit von rund 50.000 km/s in Richtung der Sternleiche. Damit stehen für dieses Licht am Ereignishorizont nur noch rund 50.000 km/s in die entgegengesetzte Richtung (weg von der Sternleiche) zur Verfügung, weshalb der Lichtstrahl den Ereignishorizont nicht verlassen kann. Dieser Lichtstrahl ist somit netto mit rund 200.000 km/s (mit der Galaxie) unterwegs, weil sich die beiden entgegengesetzten Geschwindigkeiten von jeweils rund 50.000 km/s aufheben. Befände sich ein Lichtstrahl innerhalb des Schwarzen Lochs, würde er die Reisegeschwindigkeit der Galaxie von rund 200.000 km/s ebenso mitmachen. Die Anziehungsgeschwindigkeit im Schwarzen Loch (bzw. innerhalb des Ereignishorizonts) wäre z. B. 51.000 km/s. Dadurch bliebe für einen Lichtstrahl, der von der Sternleiche wegleuchten würde, nur noch eine maximale Geschwindigkeit von rund 49.000 km/s übrig - zu wenig, um zum Ereignishorizont zu gelangen bzw. das Schwarze Loch zu verlassen. So trivial lässt sich das Geheimnis um die Schwarzen Löcher lüften. Eine angebliche "Krümmung des Raums" oder "der Stillstand des Zeitablaufs" innerhalb eines Schwarzen Lochs wirken dagegen wie ein Hokuspokus der Relativitätstheorie. Siehe auch: 'Die Welt der Relativität – alles falsch? Korrekturen zur Relativitätstheorie' mit ISBN 9788490391730

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