Social Media

Gefällt mir - wer hat's erfunden?

Das soziale Netzwerk erfindet sich gerade neu und will das Internet revolutionieren. Das könnte auch Folgen für die Reisebranche haben.

von Arndt Aschenbeck, 27.04.2010, 09:26 Uhr

Facebook ist derzeit in aller Munde. Vor einigen Tagen hat Chef Mark Zuckerberg angekündigt, dass sein Netzwerk das Internet verändern werde. Vor allem wohl deshalb, weil Facebook mit unzähligen Internetseiten kooperiert uns demnächst überall begegnet, wo wir so hinsurfen. Das ist wie beim Hasen und Igel: Facebook ist immer schon da. Ob wir wollen oder nicht, wir sehen, welche Artikel unsere Freunde gelesen haben, was sie gekauft haben, welche Filme sie sich ausgeliehen haben usw.

Mal schaun, ob das die Netz-Gemeinde mitmacht. Denn das alles funktioniert nicht, wenn man nicht ständig bei Facebook eingeloggt ist und seine Daten komplett freigibt. Und eine exhibitionistische Ader ist sicherlich auch nicht von Nachteil.

Interessant ist auch die Umstellung auf die „Gefällt mir"-Seiten. Fans waren gestern, jetzt müssen wir nur noch bekunden, dass wir etwas toll finden. Facebook weitet das Prinzip dieser Buttons jetzt von der Kommentar-Funktion auf die Fanseiten aus. Als ich davon las, kam mir spontan der Ricola-Werbespruch: „Wer hat's erfunden?" in den Sinn. Und ich erinnerte mich daran, dass ich das „Gefällt mir"-Prinzip zuerst bei der deutschen Reisecommunity Tripsbytips gesehen habe. Dort heißt es allerdings kürzer und prägnanter „Mag ich." Und zwar schon bevor Facebook diese Funktion eingeführt hat.

Ich bin weit davon entfernt zu behaupten, Facebook habe diese Buttons bei der Berliner Community abgeschaut. Aber ich finde es bemerkenswert, dass Tripsbytips-Gründer Uwe Frers offensichtlich über so visionäre Fähigkeiten verfügt, dass er den Trend schon vor Mark Zuckerberg erkannt hat.

Der Hintergrund für die Umstellung von Facebook ist im Übrigen simpel: Für die User ist die Hemmschwelle, auf einen „Gefällt mir"-Button zu klicken, sehr viel niedriger, als sich als Fan zu outen.

Fan zu sein, ist schon ein starkes Bekenntnis zu einem Menschen, einer Firma oder einer Marke. Facebook möchte aber möglichst viele Klicks produzieren. Schließlich verfeinert jeder Klick die Informationen über das Mitglied und verbessert die Vermarktungsmöglichkeiten. Also legt das Netzwerk die Hürde durch „Gefällt mir" niedriger.

Eine zweite Facebook-Neuerung könnte auch Auswirkungen auf die Online-Touristik haben. Das Netzwerk führt so genannte Community-Seiten ein. Damit sollen thematisch eng verwandte Postings zusammengefasst werden. Mark Zuckerberg demonstrierte das in seiner Präsentation anhand des Themas Kochen.

Bisher sind die Informationen auf Facebook noch sehr ungeordnet. Wer eine Frage stellt, einen Artikel postet oder auf eine externe Quelle verlinkt, geht im Strom der Facebook-Nutzer unter. Es gibt noch keine Möglichkeit, mit einer Suchabfrage relevante Postings zu einem Thema zu finden. Mit den Community-Seiten wird das anders. Dort gibt es dann einen zentralen Punkt, wo alle relevanten Postings zu einem Thema aggregiert werden.

Es wäre also denkbar, dass in relativ kurzer Zeit ein Pool an Informationen, Meinungen, Kommentaren, Artikeln und Fotos zum Thema Reise entstehen. Ob Reiseberichte, Hotelbewertungen oder Insidertipps: Eine solche geballte Power an Informationen könnte in Konkurrenz zu vielen anderen etablierten Webseiten treten. Und sollte Facebook auf die Idee kommen, das Ganze noch mit einer Buchungsfunktion zu verknüpfen, wird es noch interessanter. Was meinen Sie, müssen Reiseportale jetzt Angst vor Facebook haben?

Kommentare

von Salim Sahi, 27.04.10, 09:50
Reiseportale können nur davon profitieren, in dem zielgerichtete Angebote und Urlaubstips veröffentlicht werden. Am besten mit einem Buchbaren IBE Link. Auch wir mit der Seite Traffics Inside informieren seit kurzem über Facebook. Kleine wichtige News die wir sonst so nicht via Newsletter und Presse veröffentlichen. Um Traffics Inside zu sehen, klicke auf diesen Link: http://www.facebook.com/pages/Traffics-Inside/115685551788546

von Timo Iserlohe, Aktives Reisebüro Netzwerk eG, 27.04.10, 10:16
Uns gefällt es auch sehr! http://www.facebook.com/AktivesReisebueroNetzwerk

von Arndt Aschenbeck, 27.04.10, 10:28
@ Salim Sahi und Timo Iserlohe: Super, dass Sie mit Fan-Pages (oder neu "Gefällt mir-Seiten") am Start sind. Das zeigt, dass die Touristik auf Ballhöhe ist. Aber bevor hier jetzt jeder seinen "Gefällt mir"-Link postet, würde ich mir doch lieber den ein oder anderen Kommentar zur Zukunft und den Auswirkungen der Facebook-Veränderungen wünschen ... ;-)

von Dirk Rogl, 27.04.10, 10:47
@Arndt "Gefällt mir" ;-)

von Timo Iserlohe, Aktives Reisebüro Netzwerk eG, 27.04.10, 10:54
Ich sehe das so, der Mensch muss sich auch im Internet erst emanzipieren und erwachsen werden, es gibt sehr viele Menschen, die soziale Netzwerke nutzen um sich mit anderen auszutauschen, genau wie SMS damals, rückt der Gartenzaun zum weitentfernten Nachbarn immer näher, die Welt ist schon ein Dorf, und wird bald im Wohnzimmer sitzen. Wer hier als Geschäftsmann den einstieg verpasst, überlässt das Feld den anderen. "Gefällt mir" oder "Mag ich" ist ein einfacher Weg Beziehungen zu etwas aufzubauen, sich etwas zu merken oder nur eine Meinung darzustellen. Im StudiVZ, waren / sind die meißten Gruppen auch nur Ausdruck einer Meinung und dienen den wenigsten zur Diskussion, ein guter Spruch als Gruppentitel veranlasste aber 1000e sich dieser Gruppe zu zuordnen. Über diese Relationen, lassen sich Menschen sehr gut Gruppieren und Dinge wie spezifische Werbung an die entsprechenden Stellen schalten. Mein Fazit, je einfacher der Mensch es hat um so ehr ist er bereit sich der "Social Media" hinzugeben. Je weniger Verpflichtungen am Anfang, um so mehr gibt er am Ende preis!

von Roland Delion, 27.04.10, 11:15
Hinter dem "Gefällt mir" Button steht technisch noch ein anderer Aspekt: Mit der Nutzung des Buttons zieht Facebook die Inhalte zu sich. Das Ziel ist klar. Immer mehr Inhalte werden bei Facebook erfasst. Die Masse der Informationen des Internets erhalten durch die Nutzer von Facebook "persönliche Empfehlungen". Und damit wären wir beim Empfehlungsmarketing angelangt. Empfehlungen werden bekanntlich weit aus höher bewertet als Empfehlung einer anonymen (Such-)Maschine.

von Salim Sahi, 27.04.10, 11:21
"Gefällt mir" ;-)

von Michael Buller, 27.04.10, 13:56
Generell geht es um die Erweiterung von Facebooks Einflussbereich! Interessant wird wenn das was Google in den USA als BetaTest laufen hat wirklichkeit wird: Ich suche und bekomme Antworten aus meinem sozialen Netzwerk (das werden die Socialen Netzwerke sicherlich nachziehen)! Was bedeutet....diese sind mit Sicherheit die am glaubwürdigsten Empfehlungen von allen! Das Google darauf reagiert zeigt eben mit einer Suche zeigt das dieses Thema eine Rolle spielen wird. Traveljungle hat gerade einen relaunch gemacht und man kann sehen wie man das Empfehlungsmarketing aller Facebook & Twitter nutzen kann! Der erste Anfang ist sicherlich eine Fanpage/Fangemeinde und da gibt es schon gute Beispiele (sowohl aus dem Online- als auch aus dem Offlinebereich). Die Hotelindustrie sieht gar ihre Chancen Kunden an SICH zu binden....wie man aus den letzen Tagungen raushören konnte. Ob es Facebook oder wie auch immer in Zukunft die nächste Anwendung sich nennt.....es entstehen neue Möglichkeiten für Marketing und Kundenbindung!

von B.Hellmuth, 05.05.10, 13:55
Zitat - M.Buller "....diese sind mit Sicherheit die am glaubwürdigsten Empfehlungen von allen!" Zwei Dinge sprechen dagegen: 1. Profile mit einer unüberschaubaren hohen Anzahl von "Freunden", die man gar nicht alle kennen kann! 2. die Eingrenzung der Ergebnisse auf bereits bekannte Seiten. Die Beschränkung auf nur bereits von meinen Freunden getestete Seiten, nimmt dem User die Möglichkeit etwas auszuprobieren oder "über den Tellerrand" hinaus zu schauen. Meine "Freunde" sind nicht glaubwürdiger als jeder andere Laie auch. Ob mir oder denen das nun "gefällt" oder nicht. Die User werden auch weiterhin verschiedene Quellen nutzen und so wird auch Facebook nur eine weitere Möglichkeit .

von Michael Buller, 05.05.10, 14:17
Genau darum geht es doch: Facebook & Co wird eine Quelle werden! (nicht die einzige....aber eine mit einem gewissen Stellenwert könnte sie werden) Es geht auch nicht (nur) um die Follower einer Fanpage....sondern um den Inhalt Ihrer eigenen sogen. "Freunde" (die man hoffentlich nicht einfach mal so zugelassen hat....nach dem Motto "jeder der fragt ist ein Freund"....da wird es eine Lernkurve geben). Eigentlich ist das doch wie im wahren Leben.....wenn ein Bekannter etwas erzählt aus eigener Erfahrung....dann hat das sicherlich einen höheren Stellenwert als von einer Person die ich nicht kenne....oder einer klassischen Werbung!....Der wesentliche Punkt ist....ich kann noch mehr einschätzen was er mir erzählt und hat ein gewisses Vertrauen! Das gleiche Prinzip wird nun in ein anderes Medium übertragen!

von Jörg Lenz, 08.05.10, 13:14
Und... Facebook wird zum immer wichtigeren Nachrichten-Kanal. Hier bekomme ich schon jetzt gebündelt was z B Spiegel, FAZ und die Welt aber auch der kress report, w&v und Horizont als relevant empfinden. Das ganze immer schön übersichtlich in den "neuen Meldungen" der Startseite. Das ist komfortabel und nützlich und da klicke ich gerne den "Gefällt mir"-Button. Und selbst über Sendungen wie den Weltspiegel kann ich mich auf dem Laufenden halten - hiergibt es ja auch Themen die branchenrelevant sind - wie z B Tourismus in Griechenland, Ölpest im Golf von Mexiko oder die Unruhen in Thailand. Nict zu unterschätzen auch die Medien aus den Ländern, die von persönlich grossem Interesse sind - wie z B die der Australian Broadcasting Corporation (ABC) für diejenigen die sich für Australien interessieren. Zu finden sind solche Seiten ganz einfach, denn mancher hat sich schon die Mühe gemacht die relevanten Seiten zu sammeln und zu listen, so wie das z B die Facebook-Seite von AUSTRALIEN-INFO gemacht die binnen kürzester Zeit bis dato 400 "Fans" gewonnen hat und die eben zu einem Thema wie "Australien" versucht die Facebook-Nutzer mit relevanten Informationen zu versorgen - Nachrichten im besten Sinne - also Informationen "nach denen man sich richten kann". Die Relevanz kann jeder Facebook-Anwender selber sehen. Vom Klick auf den Gefällt mir-Button der zeigt die Information hat eine Bedeutung über den Kommentar bis zu direkten Nachrichten. Facebook ist in der Tat ein Relevanz-Kanal - über die Zielgruppengrenzen von SchülerVZ oder StudiVZ hinweg und auch in einem Mix von privatem und geschäftlichem - also nicht so "Business-Lastig" wie XING oder LinkedIn. Abschlussfrage: Wann nutzen die von mir sehr geschätzen Medien wie fvw. TravelTalk und BizTravel auch diesen "Kanal"? Oder habe ich da was übersehen und die Seiten bisher einfach nicht gefunden?

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