Smartphone

Das I-Phone spricht: Sesam, öffne Dich!

Zwei Holiday Inns in Chicago testen Smartphones als Ersatz für Zimmerschlüssel. Allerdings nutzt Ali Babas Zauberbefehl "Sesam, öffne dich!" nichts.

von Georg Jegminat, 02.06.2010, 16:45 Uhr

Die Idee ist nett: Statt an der Rezeption anzustehen, geht man direkt zum Aufzug, fährt aufwärts und geht nach langem Flug oder Arbeitstag in das gemietete Zimmer. Denn den Schlüssel trägt man bei sich. Auf dem Smartphone. So wie es beim Mobile Check-in am Flughafen funktioniert, sollen Hotelgäste auch in ihr Zimmer kommen: Mit einem Barcode, der mit Hilfe einer speziellen App dargestellt wird.


Holiday Inn, eine Marke der InterContinental Hotels, probiert diese Anwendung in ihren Häusern in der Nähe des Chicagoer Flughafens O'Hare und am Kongresszentrum aus. Das Hotel erspart sich den Vorgang, eine Schlüsselkarte für den Gast zu konfigurieren, muss aber die vorgesehenen Zimmertüren mit speziellen Schlössern versehen.


Und hier erfassen den erfahrenen Reisenden die Zweifel. Wie oft hat schon die einfache Schlüsselkartentechnologie versagt? Dann heißt es wieder runter zur Rezeption, wohl möglich mit dem Gepäck. Sind die Apps für I-Phones, Blackberrys und Android-Handys auch so fehleranfällig? Man stelle sich vor, Ali Baba hat die 40 Räuber belauscht und den Schlüsselsatz "Sesam, öffne Dich!" erfahren. Aber Ali Baba hat einen Sprachfehler. Beim S stößt seine Zunge gegen die Vorderzähne und er spricht: "Tetam, öffne Dich!" Immerzu wiederholt er es, aber der Fels bewegt sich nicht. Genau so eine Frustration erleidet der müde Reisende vor der Hotelzimmertür.


Die Bedenken kontert InterConti-Manager Bryson Köhler: Meistens seien es ausgerechnet die Mobiltelefone, die die Magnetstreifen auf den traditionellen Schlüsselkarten entmagnetisieren. Also lässt man die Karte weg.


Gute Nachricht gibt es auch für all jene, die nicht zu den Smartphone-Junkies gehören. Die Hotelgruppe geht vorerst davon aus, dass nur 20 Prozent der Zimmer entsprechend ausgestattet werden.


Komischerweise ist es nun der große Bruder des I-Phones, das I-Pad, das die Reisenden dann doch wieder an die Rezeption treibt. Das Hotel Gates Berlin City wird I-Pads an seine Gäste ausleihen. Bestimmt findet die Idee Nachahmer.

Kommentare

von Arndt Aschenbeck, 03.06.10, 12:12
Da kann man ja nur hoffen, dass nicht gerade der Akku vom iPhone leer ist, wenn man vor der Zimmertür steht. Denn der ist ja dafür bekannt, dass er ziemlich lange hält ... ;-) Mein Tipp: Wer mit dem iPhone einchecken will, sollte sich auf jeden Fall den Ersatzakku mit Solarantrieb besorgen. Das funktioniert bei Hotels mitten in der Wüste besonders gut.

von Timo Iserlohe, Aktives Reisebüro Netzwerk eG, 04.06.10, 11:14
iPad hin oder her, ich habe seit nun einer Woche das iPad und möchte es nicht mehr abgeben, aber zum rumschlappen ausserhalb des Hotels ist es dann doch schon fast zu groß! Und als Schlüssel - sieht schon komisch aus wenn man damit vor der Tür steht und sein Codewort eingeben muss! Ich persönlich mag Induktions-Chips die man einfach in der Geldbörse lassen kann! Kurz dranhalten und auf! Oder doch besser noch Fingerabdruck!

von niko krauseneck, 04.06.10, 14:39
Schöner Text! Danke! Ich bin eh sehr fasziniert von den Möglichkeiten, die Smartphones im Bereich mobile business bieten. Finde das ganze eine schöne und innovative Idee und hoffe doch die Testphase verläuft erfolgreich. Zu dem Thema habe ich dann auch einen kleinen Artikle verfasst: http://www.bettenjagd.de/blog/smartphone-jetzt-auch-als-schlusel/

von Sven Maletzki, 04.06.10, 14:51
Wie bei allen technischen Neuerungen, gibt es Personen oder Unternehmen, die diese Neuerungen zuerst einsetzen (first mover) und gerne belächelt werden. Kritische Äußerungen sind quasi vorprogrammiert, wenn etwas Neues auf den Markt kommt. Viele Dinge des alltäglichen Lebens, die keiner heute mehr missen möchte, sind genau so entstanden. Deshalb finde ich die Idee gut. Sicherlich wird man zunächst die ein oder andere Schwäche feststellen, die zur Optimierung des Systems führt. Die genannte Akku-Schwäche an der Tür könnte durchaus dazu führen, dass es in der Tür oder auf dem Gang zum Zimmer ein Ladegerät gibt. In Anbetracht dessen, dass die Mobilfunk-Hersteller sich bereits darauf geeinigt haben, bald USB als Standard-Lade-Stecker einzuführen, sollte das bald kein Problem mehr sein.

von Reiseforum, 07.06.10, 11:57
Die Idee ist sicher gut. Wenn man sogar Tickets für den öffentlichen Nahverkehr per sms bestellen kann, dürfte auch ein Zimmerschlüssel für ein Mobiltelefon etwas sein, was sich durchsetzen könnte - nicht sofort aber mit der Zeit.

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