Skål

Wieviel Networking braucht der Touristiker?

Neulich besuchte mich der Skål-Club, das älteste Netzwerk der Branche. Das führt mich zur Frage: Wer braucht im Zeitalter von Xing und Facebook eigentlich noch Netzwerke - und sind regionale Clubs wie bei Skål in unserer doch so fürchterlich internationalen Branche noch zeitgemäß?

von Klaus Hildebrandt, 15.06.2010, 18:25 Uhr

Seit 18 Jahren bin ich in der Branche, ich bin Mitglied in der Touristik-Gruppe bei Xing, habe eine Menge Touristiker-Freunde auf Facebook, bin in der Travel-Talk-Community (mit über 12.500 Mitgliedern übrigens die größte in der deutschen Branche), bin im Travel Industry Club, im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten, bin Mitgründer der Hamburger Touristik Lounge - und ich habe sogar noch ein Privatleben! Mit Skål hatte ich ehrlich gesagt noch nie direkt zu tun, obwohl die 2000 Mitglieder in Deutschland zählen. Und natürlich befragte ich für meinen Artikel auf fvw.de die für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Kollegin im deutschen Vorstand auch nach dem gängigen Vorurteil, Skål sei zwar eine nette Sache, aber leider ein doch etwas überalterter Club von alten Buddies, die in ihren Treffen die vergangenen Zeiten hochleben lassen.

Ob es so ist, kann ich nicht beurteilen, da ich noch nie auf einem Club-Meeting war. Aber offensichtlich gibt es in der Branche ein starkes Bedürfnis für Networking, wie zum Beispiel auch die Treffen des Travel Industry Clubs zeigen. Und eigentlich kann man die fvw auch als eine Art Community bezeichnen. Ich bin immer wieder ganz angetan, wie viele unserer Leserinnen und Leser sich eng mit uns verbunden fühlen (neulich auf dem fvw Workshop Mallorca berichte mir stolz eine Expedientin, sie habe uns seit 1967 abonniert!). Auch auf anderen Events, wie gerade dem fvw Online Marketing Day in Frankfurt oder auf dem fvw Kongress im September in Köln kommen die Leute nicht nur deshalb zusammen, um die kompetenten Redner und außergewöhnlich charmanten fvw-Moderatoren zu erleben, sondern um sich zu treffen.

Das gilt sogar in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten. "In der Krise sucht der Mensch wohl den Menschen", raunte mir ein Touristiker im vergangenen September spätabends auf der Bahn-Party zu, offenbar überrascht, dass trotz des Kostendrucks der Controller derart viele Kollegen nach Köln gekommen waren. Neben dem berühmten Netzwerken gibt es aber auch noch einen anderen Grund, dem sich besonders die Skål-Mitglieder verschrieben haben: Den eigenen Horizont durch Begegnung mit anderen Menschen und Themen erweitern. In dem Sinne möchte ich mit Ihnen diskutieren: Wieviel Networking brauchen Sie wirklich? Sind wir Touristiker gegenüber anderen Branchen da wirklich extrem extrovertiert? Löst Online die persönlichen Treffen ab - und ist Skål noch zeitgemäß?

Kommentare

von Walter Krombach, 15.06.10, 20:14
Bis weit in die 70er, teilweise auch in die 80er Jahre war die Mitgliedschaft im nächstgelegenen Skal-Club fast Pflicht für die oberen Führungskräfte der damaligen Tourismusbranche - wenn man "dazugehören" wollte und vorausgesetzt, man erfüllte die releativ strengen Clubregeln. Bei den monatlichen Luncheons, die sich gelegentlich bis in den Abend hinein verlängerten, sollte in diesem touristischen Freundschaftsclub eigentlich keine Geschäfte gemacht werden, aber tatsächlich wurden die dabei gesponnenen Kontakte (heute nennt man das eben "Networking") massiv genau dazu genutzt. So manche weitreichende geschäftliche oder unternehmerische Entscheidung wurde dort mindestens vorbereitet, denn die Clubmitglieder, oft Inhaber, waren in selbstbestimmten Führungspositionen. Mit der zunehmenden Industrialisierung der Branche und dem damit verbundenem Wandel im Management änderte sich das: McKinsey-trainierte Controlling-Technokraten drangen in die bis dahin oft emotional geführte Branche ein, zeigten keinerlei Verständnis für den aus ihrer Sicht unnützen Zeit- und Kostenaufwand, den sie eher als feuchtfröhliche Kaffeekränzchen (dis)qualifizierten, die keinen unmittelbar mess- oder zumindest planbaren Deckungsbeitrag erzeugten. Diese emotionslosen neuen Managertypen "von außen" strichen oft die bis dahin selbstverständlich vom Betrieb übernommenen Skal-Mitgliedsbeiträge, disqualifizierten die Teilnahme am Skal-Luncheon als pures Freizeitvergnügen, und so verloren manche langjährigen Skalmitglieder die Lust am Club und neue kamen kaum noch dazu. Viele "Alten" blieben und bleiben bis heute dem Club treu, was aber mangels Nachwuchs zu dem von Klaus beschriebenen, nicht überall, aber mancherorts und zumindest in Deutschland - insbesondere was die tatsächliche Präsenz anbelangt - berechtigten Eindruck führte und führt, es handele sich überwiegend um einen Rentner-Club, was de facto nicht stimmt! Vielfache Versuche, das zu ändern, hatten und haben nur mäßigen Erfolg, insbesondere der Versuch, sich als in der Branche und Politik als anerkannter Wirtschaftsclub zu positionieren - kein Wunder, wenn kaum ein Top-Manager der Branche heute noch Mitglied ist. Umso erstaunlicher ist der zunehmende Erfolg des Travel Industry Club zu bewerten, der von Anfang an als Wirtschaftsclub angetreten ist und diesen Anspruch mit seinen oft hochkarätig besetzten Networking- und Award-Veranstaltungen unterstreicht (auch wenn letztere unbedingt organisatorisch gestrafft werden müssen, wenn nicht eine große Diskrepanz zwischen Top-Keynote-Speakern - sogar Alt-Bundespräsident von Weizsäcker wurde schon aufgeboten - und überdehnten Verleihungszeremonien entstehen soll). Und die Mitglieder goutieren das offenbar, weil dazu nicht nur klassische Touristiker, sondern auch deren Kunden, z. B. von Unternehmen, geladen werden, so dass tatsächlich im Sinne des Worte "nützliche" Kontakte entstehen und gepflegt werden können. Ich meine, dass beide Club ihre Werte haben, aber sie müssen und sie sollten sich nicht konkurrenzieren. Ich meine (als langjähriges Skal-Mitglied): Skal ist und bleibt ein touristischen Freundschaftsclub; den Part des Wirtschaftsclub kann er nicht (mehr) übernehmen. Der TIC (dem gehöre ich ebenfalls an) hat sich als Wirtschaftsclub etabliert - das sollte Skal ihm auch überlassen. Im Detail könnte ja z. B. die fvw mal eine neutrale Gegenüberstellung versuchen. Das könnte durchaus Beiden neue Mitglieder zuführen, denn der Bedarf am persönlichen Meinungsaustausch ist heute wie gestern vorhanden - den konnte McKinsey & Co. vielleicht unterdrücken, aber nicht eliminieren. In diesem Sinne: Skal!

von marianne_krohn, 16.06.10, 09:06
Ich freue mich sehr, daß Skal mal wieder resonanz in der FVW findet und wenn Klaus Hildebrandt mal einen wirklich attraktiven Skal Club kennen lernen möchte, muss er nicht weit reisen. Hamburg ist einer der stärksten und aktivsten Skal Clubs in Deutschland und ich bin mir sicher, daß die dortigen präsidentin Annette Hammer ihn gern als Gast einal einladen wird. Was Walter Krombach heschrieben hat, mag für Deutschland stimmen. Was man aber nicht verkennen darf, ist die internationale Kraft die diese Vereininung hat. In vieleln anderen Ländern, sei es die Türkei, Spanien, oder auch Asien und Südamerika ist die Mitgliedschaft bei Skal quasi der "Ritterschlag" in der Touristik und ein Netzwerk für geschäftliche Aktivitäten. Der TIC mag in Deutschland die Position des Wirtschaftsclub eingenommen haben, die menschlichen und persönlichen Kontakte die aber Skal weltweit seinen Mitgliedern bietet, wird er nicht so schnell erreichen können. Mit Skalegialen Grüßen

von Wolfgang Hoffmann, 16.06.10, 14:48
"In der Krise sucht der Mensch wohl den Menschen" - wohl wahr, wohl wahr. Sollte sich das jetzt auch noch in den C-to-B bzw. B-to-C Beziehungen verfestigen, dann könnte man hoffen. Was mich allerdings bewegt, die elitären Cluster verwalten nahezu noch ausschließlich alte Beziehungen. Impulse entstehen da nicht mehr. Dafür ist die Frische der virtuellen Communities nicht zu unterschätzen. Da tut sich was, da bildet sich Zusammenhalt unter neuen Ideen. In den Kooperationen bilden sich gerade rasant neue Strukturen, teilweise ohne, dass die Zentralen überhaupt etwas davon mitbekommen, in Einzelfällen sogar unter by featuring der Kooperationszentrale. Das Internet ist ein geniales Informations- und Austauschmedium. Aber, wie ich die ganzen Berufsschmarotzer kenne, wird es bald jemand verstehen, dafür auch wieder Geld abzugreifen, dass sich Travelprofis untereinander austauschen. Zumindest findet sich immer jemand, der primär seine persönlichen Vorteile aus im Grunde guten Ansätzen raussaugt.

von Mario Bönicke -Leipzig-, 17.06.10, 09:06
Ob sich hier nur „elitäre Cluster selbst verwalten“ oder sich „Zusammenhalt unter neuen Ideen“ entwickelt, ist stark von den jeweiligen Clubs und seinen Mitgliedern abhängig - das ist bei Skål nicht anderes, als bei jedem anderen Club oder Verein. In unserem Club (Leipzig) führt das Wort „Luncheon“ schon lange keiner mehr im Mund. Dafür gibt es jeden Monat ein anderes, interessantes Thema der Touristik, viele offene und aktive Mitglieder und dazu einen guten Mix von Alter und Berufsgruppen, Querkontakte zu IHK und DEHOGA inklusive. Ich möchte die monatlichen Treffs unseres Clubs jedenfalls nicht mehr missen. Denn gerade im Zeitalter von Xing & Co. sind persönlichen Kontakte, ein direktes Gespräch und regelmäßigen Inputs direkt vor Ort wichtiger denn je. Tourismus ist auch und vor allem eine persönliche Dienstleistung, da kann man nicht nur twittern.

von Wolfgang Hofmann, 17.06.10, 19:18
Zuerst würde ich gerne mal meinen Namensvetter mit dem doppelten "f" kennenlernen. Alle Vorblogger haben die SKAL Situation richtig beschrieben. ABER: SKAL ist der einzige Touristikclub den ich kenne, in dem Du persönliches Mitglied in einem weltweiten Club bist. Das ist ein enormer Wert in sich, besonders für Selbständige Klein- und Mittelunternehmer. Auf jeder meiner Reisen nehme ich Kontakt mit dem örtlichen SKAL Club auf, erfahre in der Regel eine sehr positive Resonanz von persönlichen Begegnungen bis hin zur Anbahnung von Geschäften in- und outbound. So habe ich in Krefeld kroatische Tennisfans bei einem Daviscupspiel betreut und bearbeite gerade eine Anfrage aus der Türkei für Zimmer zur Medica. Wie immer, wenn ich sitze und warte, was auf mich zukommt, passiert nichts, wenn ich aktiv Kontakte pflege, kommt auch etwas dabei rum. Ein zweifellos vorhandenes Problem ist der Zugang zu dem touristischen Führungsnachwuchs. Auch dafür haben wir ein Projekt gestartet: SKAL_Education in Tourism (EIT). SKAL wird die größte Platform touristischer Ausbildungsinstitute. Nur von den vorhandenen Mitgliedern zeigen wir auf der homepage www.skal.org schon über 300 Ausbildungskontakte weltweit. Unterstützt wird diese Platform von SKAL Mitgliedsfirmen, die Studenten/innen Praktikaplätze und first-job-after-studies anbieten werden. Damit bieten wir dem Nachwuchs einen direkten, persönlich messbaren Nutzen. Der DRV startet auf deutscher Ebene eine ähnliche Platform, daran erkennen wir die Wichtigkeit der Unterstützung der Ausbildung. Und die social-platforms ersetzen nicht die persönlichen Kontakte, sondern sie ergänzen diese. So gibt es sehr lebhafte SKAL Foren auf Facebook, Xing und Linkedin. Damit umgehen wir die historisch etwas hierarchisch aufbebaute Kommunikation und sprechen von Mitglied zu Mitglied. Alle Kritik ist berechtigt, nur habe ich nach 42 Jahren Konzerntätigkeit und 8 Jahren Selbständigkeit gemerkt, es liegt an mir, was ich aus einer Struktur mache. Und SKAL ist eine hervorragende Kommuniktions- und Kontaktbasis. P.S. Ich habe oft festgestellt, dass die Touristiker, die sich auf vielen Veranstaltungen tummeln, viel Spaß haben, aber auch viele Informationen und Kontakte sammeln, die sie dann für ihr Produkt oder die Beratung ihrer Kunden als Differenzierungsmerkmal erfolgreich einsetzen können. Auch im Zeitalter der Technik, besonders im Zeitalter der gleichmachenden Technik.

von Michael J. Kumor, 17.06.10, 19:33
Die Touristik lebt vom Networking. Das war vor 30 Jahren so, und das ist heute noch so. Damals gab's sog. Airliner Stammtische, auf denen man sich austauschte, heute sind es Internet Foren. Aber folgende Dinge bieten nur die Skal Clubs: Ein internationales Netzwerk, den Anspruch, dass sich dort nur Führungskräfte treffen, und eine durchaus persönlichere Beziehung der Mitglieder untereinander. Die letzteren Punkte gelten sicher auch für die TIC, aber die Internationalität fehlt. Natürlich gehören die Internet Foren heute zum Berufsleben -ich nutze sie selbst- aber den persönlichen Kontakt können und werden sie nicht ersetzen. Und gerade bei XING z. B. werden in den Gruppen immer mehr Treffen initiert, damit man sich auch einmal persönlich kennen lernt.

von Petra Dehm, 17.06.10, 21:38
Seit ca. 1,5 Jahren bin ich Mitglied im SKAL Club Hamburg und ich habe mir sehr wohl überlegt, welchem der beiden Clubs ich beitreten möchte - SKAL oder TIC. An SKAL hat mich vor allem die breite lokale Basis hier in Hamburg überzeugt sowie die Internationalität - auch wenn ich diese Kontakte erst noch stärker nutzen muss. Klar gibt es - im Gegensatz zum TIC - eine höhere Anzahl an älteren, aber erfahrenen, Mitgliedern, aber das heißt nicht, dass nicht jeder die Möglichkeit hat, sich in SKAL einzubringen und mitzugestalten. Das war mir sympathisch und deshalb wirke ich mit. Nicht alles was etabliert ist, ist überholt. Auch SKAL ist im Wandel. Ich schätze den fachlichen Austausch sowie die persönliche Ebene.

von Dr. Ralph Kausch, 18.06.10, 08:53
Offenbar sind XING, Facebook und Co. nicht immer nur ein Segen. Vielleicht entspricht es dem Stand der Technik, aber nicht immer der menschlichen natur, nicht mehr oder nicht mehr so oft persönlich zu kommunizieren. Die Technik sollte schon genutzt werden, aber sie kann nicht alles ersetzen. Ich stimme allen zu, die sagem dass persönliche Kontakte gerade heute wieder wichtig sind oder werden, denn sie sind verläßliche Inseln in der Informationsflut. Für mich sind die unsere SKAL-Meetings jedenfalls sehr oft Anregung und Austausch, ich hätte sonst sicher nicht so viele interessante Orte und Menschen kennengelernt, für den eigenen Horizont ist das gut. Zudem sollte man die Branche nicht nur stromlineinförmigen Schmalspurerbsenzählern überlassen, wie sie teilweise von Unis und Hochschulen an bloc produziert werden. Eine Branche, in der persönliche Dienste und Kommunikation eien so wichtige Rolle spielen, sollte auch intern entsprechend miteinander umgehen. Dr, Ralph Kausch SKAL International Leipzig

von Alexandra Adam-Carstens, 19.06.10, 10:07
Unsere Branche lebt vom persönlichen Austausch und manches Problem läßt sich durch diese Kontakte auf dem "kleinen Dienstweg" erledigen. Das können Internet Foren nur begrenzt leisten. Schon in früheren Jahren habe ich als Avis Repräsentantin dem Skal Club Frankfurt angehört und bin jetzt gerne als selbständige Unternehmerin dem Skal Club Hamburg beigetreten. Ich habe den Club immer als bereichernde Institution gesehen, in dem sich gute und für mich wichtige Kontakte knüpfen ließen und ich die Kompetenz und Erfahrung vieler Mitglieder schätze. Meine Erfahrungen mit Xing und Facebook dagegen sind für meine beruflichen Belange wenig nützlich, sie dienen vorrangig dem socializing. Für das oft sinnlose Gequatsche in den Foren fehlt mir Zeit und Energie.

von Jürgen, 19.06.10, 15:14
Ich nutze die Netzwerke ausschliesslich überregional und vernetze mich nicht mit 'jedermann'. Dennoch musste ich aus Xing raus, weil ich 'geflutet' wurde und jeder 'persönlichen' Kontakt erwartete. Einmal getroffen: Ich kenne Dich. Du klingst interessant, ich kenne Dich zwar nicht, aber bestätige den Kontakt doch schon mal. Ach ja, und immer mal wieder die Unterstellung, ich bräuchte mehr Manneskraft... Bin grad' Papa geworden. Noch mehr und meine Frau streikt... Persönliche Netzwerke wie Skal haben das 'Problem' zu überaltern, weil die 'Jungen' den Wert persönlicher Kontakte unterschätzen. Und vielleicht auch, weil "Erfolg" und echte "Manager" selten unter 30 sind...? Und weil die Rentner Zeit haben... Aber ist das so 'schlecht'? Ist das denn ein Problem? Der Bundespräsi muss mindestens 40 sein... Wie ärgerlich. Und ist es denn wirklich so sinnvoll, wenn erfolgreiche Unternehmen von kurzsichtigen, unerfahrenen "Beratern" auf "Shareholder Value" getrimmt werden, die den Sinn von "Netzwerken" niemals gelernt haben und daher gar nicht begreifen? Und wieso wundert es mich nicht, dass bei Reisebürostammtischen meist die Leute regelmäßig dabei sind, die seit Jahren ihre Netzwerke pflegen und damit in ihrem Metier erfolgreich sind (und bleiben)? Wieviel Networking braucht der Touristiker? Mehr. Am Stammtisch! Skol äh .. Skål

von k.-h. Tüg, 19.06.10, 16:45
Vorweg ist es erfreulich wenn die VFW für den Bergriff SKAL einigen Zeilen opfert. Gab es doch in zurückliegender Zeit sicherlich Anlässe sich der SKAL-Idee in Deutschland aber auch weltweit zu befassen. Herr Hildebrand sieht die Entwicklung von XING, Facebook usw. als vergleichbares Netzwerk und damit auch als "Ersatz". Dabei wurde nicht beachtet das Printmedien auch diesem Wettbewerb ausgesetzt werden und ggf. daraus Folgerungen ausgesetzt folgen können. Sicherlich ist Clubmitgliedschaft heute ein Thema das in vielen Clubs wie z.B Tennis usw. zu strukturellen Veränderungen führt. Die Bindung an einen Verein und die Einengung der persönlich Freizeit wie aber zunehmende Belastung im Beruf sind sicherlich ein Argument die aus einem Mitglied einem Gast werden lassen. In diesen Clubs beobachtet man derartige Entwicklungen weil das Leben in diesen Vereinigungen nicht anonym ist. Die elektronischen Netzwerke können auf individuelle Veranderungen nicht reagieren. Die Mitglieder treten teilweise anonym , unter fantasievoller Namensfindung auf. Eine Bindung die mit SKAL nicht vergleichbar ist. SKALLEBEN besteht aus freiwilligen regelmäßigen Kontakten bei denen sich Fachleute der breitgefächerten Touristikbranchen austauschen und Geselligkeit pflegen. Unter diesem Gesichtpunkt hat sich die SKAL-Idee seit über 70 Jahre weltweit weiterentwickelt.

von Günter Till, 21.06.10, 22:10
Zunächst einmal Danke für die in der Branche vieldiskutierte Frage zum Thema Networking im Zusammenhang mit Ihrem Artikel über Skal International, die zu einem Kommentar geradezu herausfordert. Ich frage mich, warum eigentlich diese einzige und einzigartige internationale Organisation, die alle Bereiche der Reise- und Tourismusindustrie zusammenbringt, bisher gar nicht von der schreibenden Touristik - Zunft als älteste Networking Basis auch entsprechend öffentlich wahrgenommen wurde - längst vor der Erfindung des Internets und dessen Foren. Lag es an der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder an der Tatsache, dass durch die internationale Skal - Satzung die „Amicale“ - also Networking nur auf freundschaftlicher Basis durch Treffen unter Freunden als Plattform für Kommunikation und Gedankenaustausch gemeinsamer Interessen und Ziele - im Vordergrund stand und bis vor 5 Jahren ausdrücklich geschäftliche Verbindungen untersagt waren? Eher wohl der zweite Grund – so konnte man nur „unter der Hand“ geschäftliche Networking - Verbindungen pflegen. Und das war auch mit ein Hauptgrund, dass sich im Laufe der Jahre immer weniger Touristiker aus dem Mittelstand für diese Networking - Ebene interessierten. Außerdem waren die Skål-Clubs z.T. auch „closed shops“, d.h., es wurden nur neue Mitglieder aufgenommen, wenn Plätze durch Austritt oder Tod frei wurden. Später hatten die großen Bosse der international tätigen Branchenriesen vorgeblich gar „keine Zeit“ mehr, sich einmal im Monat für 2 Stunden Zeit für persönliche Gespräche zu nehmen, wenn sich diese nicht - durch die Globalisierung des Tourismus und damit wachsender Konkurrenz bedingt- zu einem zählbaren Erfolg in klingende Münze umsetzen ließen. Die Skål- Networking - Idee wuchs trotzdem und etablierte sich in 87 Ländern und 500 Clubs mit etwa 23.000 Mitgliedern. Auf ganz natürliche Weise wurden – wie wir auch – aus jungen Clubs dann auch hier und da „überalterte Clubs von alten Buddies, die in ihren Treffen die vergangenen Zeiten hochleben“ ließen. Mit Recht meine ich, denn diese Führungskräfte haben den internationalen Tourismus erst aufgebaut und dann in Schwung gebracht trotz Satzungsverbotes, miteinander „Geschäfte zu machen“. Da darf man sich dann auch gerne darauf besinnen und mit Recht stolz auf die Errungenschaften hinweisen. Bevor der „burn out“ kam, hat Skal sich dann - durch jüngere Mitglieder initiiert - international rechtzeitig besonnen und kräftig die Werbetrommel für junge Mitglieder gerührt, in dem man die „Young Skal“ Loge als Networking - Ebene der Nachwuchskräfte aufgemacht hat. Mit Erfolg, wie man heute rückblickend feststellen kann. Schade also, dass Sie mit dem Skål - Networking noch nie direkt zu tun hatten, obwohl gerade in Hamburg einer der größten und aktivsten Clubs in Deutschland seit fast 60 Jahren existiert (übrigens der erste Club in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg, in dem die Skal - Clubs durch die NS-Regierung verboten waren). Und (nicht nur) dort gibt es sehr wohl (immer noch) auch junge Führungspersönlichkeiten aus allen Branchen des Tourismus. Ich empfehle dahingehend einmal den Kontakt mit der (jungen und erfolgreichen) Präsidentin Annette Hammer aufzunehmen, Direktorin des m.E. schönsten Hamburger Hotels einer international tätigen Hotelkette. Sie wird Sie ganz sicher zum nächsten Club-Meeting einladen, damit Sie auch einmal das „Feeling“ für Skal in Hamburg und Deutschland kennenlernen und beurteilen können. Oder nehmen Sie doch einfach als eingeladener Gast am nächsten internationalen Skal- Kongress ( diesmal in Australien) teil, um als Krönung auch die internationale Skal - Networking - Atmosphäre einzusaugen und sich davon begeistern zu lassen. So ist es jedenfalls mir nach dem ersten Kongress ergangen. Erst danach kann man beurteilen, ob es sich lohnt, Mitglied in einem nicht international tätigen Networking (wie z.B. dem Travel Industry Club) zu sein und zu bleiben. TIC bezeichnet sich zwar als touristischer Wirtschaftsclub, verfolgt aber offensichtlich nur wirtschaftliche Eigeninteressen mit der Vergabe von Pokalen jeder Schattierung, um auf sich aufmerksam zu machen. Skal dagegen kümmert sich um die wichtigeren menschlichen und touristischen Ziele (z.B. against Sex-Tourism oder Förderung des eco-tourism) sowie den Nachwuchs mit Ausbildungsstellen in den international tätigen Firmen, wie es Wolfgang Hofmann geschrieben hat. Hinzu kommt, dass Skål International und damit mittelbar jedes Mitglied Mitglied der World Tourism Organisation der Vereinten Nationen ist. Grundlage der weltweiten Skål-Bewegung ist weiterhin der Gedanke der Völkerverständigung, der 1932 den Impuls zur Gründung gab. Mitglieder finden in Skål ein Networking - Forum, sich für dieses weiterhin höchst wichtige Ziel zu engagieren. Die Teilnahme an den monatlich in allen Clubs weltweit als Networking - Plattform gelebten Meetings mit exclusiven Fachvorträgen und - diskussionen mit dem Ziel des persönlichen und fachlichen Austausches zu über 20.000 professionell mit dem Tourismus verbundenen Personen sowohl in den Clubs als auch auf nationaler und internationaler Ebene steht jedem Mitglied vorbehaltlos als Skal - Freund kostenlos offen. Damit der Zugang zum Expertenpool als größten Pool von tourismuswirtschaftlicher Kompetenz. Darüber hinaus zusätzlich als Networking - Plattform die nur Mitgliedern zugängliche Datenbanken unter www.skal.de und www.skal.org. Damit sind alle Möglichkeiten des Networking örtlich, national und international abgedeckt. Skal ist damit auch ein Korrektiv für die zunehmende Anonymität des Internet. In Notlagen werden zudem die Mitglieder durch den hauseigenen Florimond Volckaert-Fonds finanziell unterstützt. Das ist Networking auch auf sozialer Ebene. Mehr Networking braucht der Profi - Touristiker m.E. nicht. Also sind regionale Clubs wie bei Skål in unserer doch so „fürchterlich internationalen Branche“ immer noch zeitgemäß und nicht nur eine „nette Sache mit etwas überalterten Clubs von alten Buddies, die in ihren Treffen (nur) die vergangenen Zeiten hochleben lassen.“! Im Gegenteil: Der in diesem Jahr von Skal - Deutschland gefasste Beschluss, sich nun auch in der Branche und Politik als „ Vereinigung deutscher Wirtschaftsclubs für Tourismus“ zu positionieren, ist (zumindest nach Änderung der internationalen Satzung) längst überfällig und begründet. Der (noch) neutrale Touristiker mag frei entscheiden, welche Networking-Plattform wirklich als touristischer Wirtschaftsclub firmieren kann. Nicht nur in der Krise sucht der Mensch den Menschen. Auch im ganz normalen Berufsalltag lebt der (nicht extrem, sondern wohl temperiert extrovertierte) Touristiker (was sonst) von der Begegnung mit anderen Menschen mit der gleichen Leidenschaft. Da verblassen alle durch das Internet konstruierten Begegnungsforen. Denn nur „face to face“ findet wirkliches und wahres Networking statt. Und dafür steht Skal seit fast 80 Jahren – und immer noch jung genug hinsichtlich des Ziels, wahres und damit zeitgemäßes Networking zu betreiben. Als bald auch zu den „alten Buddies“ gehörendes Skal – Gründungsmitglied wünsche ich natürlich, dass mehr als bisher Profi - Touristiker in unsere Clubs hineinschnuppern und danach – das garantiere ich – begeistert als Mitglied der internationalen Skal - Bewegung beitreten und den (sehr geringen) Mitgliedsbeitrag auch unabhängig vom Arbeitgeber gerne zahlen. Dafür sind 87 Länder mit 500 Clubs wohl ausreichend genug im Angebot, davon in Deutschland 32. Ansonsten steht es jedem Begeisterten Profi im Tourismus als Skal - Mitglied frei, im 88. Land oder in Deutschland einen weiteren Club zum Networking zu gründen…. Ich unterstütze aber gerne auch den Vorschlag von dem hoch angesehenen Walter Krombach, in der fvw eine neutrale Gegenüberstellung des Networking TIC mit Skal International Deutschland durchzuführen. Nicht nur, weil ich davon überzeugt bin, dass damit Skal International weitere Mitglieder erhalten wird, sondern die Gewichtung und Ziele von Skal International als Wirtschaftsclub für Tourismus deutlicher werden als bisher. Es fängt schon mit der Satzung an: Die sucht man im Internet beim TIC als deutschen Club vergeblich, es kommt nur - bezeichnend in englischer Sprache- „ The page cannot be found „. In diesem Sinne : Skal International als Networking - Plattform - mehr braucht der Touristiker nicht! Günter Till, 21.6.2010

von Jens-Joachim Brösel, 22.06.10, 13:47
Liebe Leserin und Leser, man kann ja nicht unbedingt davon ausgehen, dass diese Seite nur von SKAL Mitgliedern gelsesen wird. Im Jahr 1972 trat ich in den SKAL Club Kiel ein. Brauchte damals noch zwei Bürgen und war richtig froh aufgenommen worden zu sein. Heute, nach einer über 40 jährigen Karriere in der Touristik und Mitglied in fünf verschiedenen deutschen SKAL Clubs, bin ich in meine Heimatstadt Hamburg wieder zurück gekehrt. Im Grunde haben alle "Vorschreiber" die Dinge auf den Punkt gebracht, TIC und SKAL kann man nicht fair vergleichen, hätte SKAL seine Satzung auf einen zeitgemäßen Stand gebracht, hätte TIC garnicht erst den heutigen Status erreichen können. Was aber absolut stimmt und auch schon erwähnt wurde, ist die Internationalität des SKAL Clubs weltweit. In meiner geschäftlichen Zeit in Mexico-City, war ein SKAL Treffen ebenso werthaltig wie vom LION - oder ROTARY CLUB. Die deutschen SKAL CLUBS haben sich die Geschäftsfelder der ehemaligen Touristikstärke nicht erhalten können, anders im Ausland. Im Ausland wäre Herr Bremer mit seinem TIC ( auch hier bin ich Mitglied) nicht so erfolgreich geworden, wie er es heute ist und das ist gut so. XING,TWITTER & Co ist die heutige Welt, aber es bleibt der menschliche direkte Kontak, wie im SKAL Club gepflegt. Die Lücke zwischen alt und jung -Member wird in vielen Clubs geschlossen. Noch mögen die "retired member" die Mehrheit sein, aber immer mehr Youngster erkennen den Vorteil eines persönlichen Gesprächs, beim Golfen und chill out am Kunststrand, spreche ich ja auch mit meinem Partner oder Nachbarn und schicke keine Mails. Also: S/undheit(Gesundheit)K/ärlek(Liebe)A/lder(langes Leben)L/ykka(Glück) Jens-Joachim Brösel

von Klaus, 22.06.10, 21:44
Liebe Mitdiskutanten, erst einmal vielen Dank für die vielen konstruktiven Kommentare. Ich finde es sehr gut, wenn Skal sich öffnet (die closed-shop-Atmopshäre wurde hier ja auch mehrmals angesprochen), sich als Wirtschaftsclub neu definiert und aktiv auf neue Mitglieder zugeht. @Günter Till: Ich habe schon eine Einladung vom Hamburger Club für eine Veranstaltung bekommen, liegt nur leider parallel zum fvw Kongress im September. Aber ich schaffe es noch dieses Jahr, mir ein eigenes Bild zu machen, bin gespannt!

von Karl-Heinz, 23.06.10, 09:57
Der Skal Club ist für die Touristik genauso überholt, wie Otto Rehagel für Griechenland.

von Günter Till, 23.06.10, 16:21
@karl-heinz: Weder gibt es "den" Skal Club" für die Touristik", noch Otto Rehhagel "für Griechenland". Der Satz soll zwar intelligent klingen (ein "Treffer" sein) , ist es aber nicht. Er verfehlt weit das "Tor". Stehe als FH-Dozent für Nachhilfe in beiden Fällen gerne ehrenamtlich zur Verfügung (Tel. 0170-9981767). Günter Till

von Claudia Ehry, 28.06.10, 17:52
Lieber Klaus, mit Freude verfolge ich, welch hohe Wellen mein Besuch bei Ihnen in Hamburg und Ihr Blog darüber in unseren deutschen Skal-Clubs schlägt. Bislang zähle ich 15 - zum Teil inhaltsschwere - Kommentare. Noch ein paar Interessenten, und wir schaffen es auf Platz 1 des aktuellen Rankings der meistgelesenen fvw-Blogs. Wenn das kein Beweis für die Lebendigkeit unserer Vereinigung ist. Weiter so, liebe Skallegen! Claudia Ehry, Pressereferentin Skal International Deutschland

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