Ryanair

Scrapst Du noch oder connectest Du schon?

Der Rechtsstreit zwischen Ryanair und Cheaptickets ist kaum mehr nachvollziehbar - in jeder Hinsicht. Versuchen wir es trotzdem.

von Dirk Rogl, 16.03.2010, 13:43 Uhr

Erst das Eilverfahren, dann die Revision, jetzt das Hauptverfahren in Hamburg und stets das gleiche Bild: Cheaptickets und Ryanair brüllen jeweils lautstark den Sieg heraus. Genau das hat das Landgericht Hamburg Ryanair jetzt untersagt, und zwar eindeutig per einstweiliger Verfügung. Der Billigflieger darf nicht mehr behaupten, dass Cheaptickets die Tarife der Airline via Screenscraping, dem automatischen Auslesen der Ryanair-Website, auswerten darf. Genau das darf Cheaptickets nun – und mit dem Beklagten wohl so ziemlich jedes andere Online-Reisebüro im Land.

Es ist ziemlich erstaunlich, dass Ryanair und Cheaptickets in diesem seit 2008 laufenden Rechtsstreit so viel Energie aufbringen. Cheaptickets gebührt der herzliche Dank der Konkurrenz im Web für den langen Atem gegen Ryanair, deren Motivation zunehmend unklarer wird. Gewiss macht es aus Sinn einer Airline Sinn, möglichst viel Umsatz auf dem eigenen Portal zu bündeln. Schließlich ist Ryanair.com nicht allein ein Vertriebskanal für die eigenen Flugtickets, sondern auch für margenstarke Zusatzleistungen. Und keine andere Site hat die strikten Beförderungsbedingungen der Airline so gut im Griff wie die Iren selbst. Der direkte Dialog mit der Airline wird bewusst auf Sparflamme gehalten.

Davon abgesehen ist bekanntlich auch bei Ryanair die Phase des rasanten Wachstums vorbei. Die Iren tolerieren es seit langer Zeit, dass die im Corporate Travel etablierten Systeme auf Ryanair.com zurückgreifen. Einige Insider behaupten sogar, Ryanair baue diesen Kanal bewusst aus (was ich vorsorglich schon mal als externe Behauptung mit Informantenschutz belege. Man will ja nicht vor Gericht landen).

Im Geschäftsreisevertrieb spielt es auch keine Rolle, dass die Agenten die Flüge der Iren häufig sehr wohl mit einem Serviceaufschlag belegen und keinesfalls zum Originalpreis verkaufen. Guter Service hat halt seinen Preis.

So kommt es also, dass Ryanair in vielen Buchungs- und Metasuchsystemen gut gelistet ist und treuen Partnern sogar direkte Schnittstellen zur eigenen Tarifdatenbank anbietet.

Touristisch orientierten Mittlern wie Cheapflights oder auch virtuellen Veranstaltern wie Vtours, die Ryanair-Tickets mit Zuschlägen belegen oder diese in Reisepakete einbauen, trifft hingegen der Bannstrahl. Das ist durchaus legitim – oder eben auch nicht, wie jetzt die Hamburger Richter entschieden haben.

Ich freue mich schon mal auf die drohende Revision des Hauptverfahrens und die anschließenden Jubelmeldungen beider Parteien. Eines ist jetzt schon klar: Ganz ohne Fremdvertrieb kommt selbst eine Ryanair längst nicht mehr aus. Im Geschäftsreisevertrieb ist das gelebte Erfahrung. Und insgeheim mag es CEO Michael O´Leary vielleicht gar nicht so stören, dass ein paar tapfere virtuelle Veranstalter nach wie vor auf Ryanair setzen.

Kommentare

von David Friderici, 16.03.10, 14:28
Kurioserweise schien der Pressewind zu jedem Zeitpunkt heftiger zu wehen, als der eigentlich zu erwartende technische Gegenwind. Da mag insgeheim sicherlich auch Strategie und Intention der Grund gewesen sein.

von noname, 22.03.10, 22:46
wer ist ryanair?

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