Ryanair

Dienst an der Branche

Ryanair streicht 30 Prozent der Flüge ab Hahn. Ein Verlust?

von Michael Krane, 27.10.2010, 12:41 Uhr

Die Iren haben über Jahre hinweg den Markt aufgemischt und für Verwirrung gesorgt. Bei Konkurrenten, Airport-Betreibern und Passagieren gleichermaßen. Erst wegen des Geschäftsmodells (Wer will eigentlich ab Hahn, Lübeck oder zuletzt Weeze fliegen?), dann wegen anhaltender Verdächtigungen, die Airline erhalte von Airports mehr Marketing-Gelder, als es dem Wettbewerb gut tut, und nicht zuletzt wegen allzu robuster Umgangsformen, wenn es um Forderungen von Passagieren ging.

Und dann natürlich Michael O’Leary, Sinnbild der Frage: Wie irre muss eine Airline eigentlich sein, die einen solchen Chef aushält? Offensichtlich gar nicht mal so irre. Denn Ryanair hat über Jahre hinweg prima Gewinne gemacht und muss jetzt wie andere Airlines auch erkennen, dass es kein Abo auf Wachstumsraten gibt.

Dass acht Euro das Ryanair-Modell in Deutschland an seine Grenzen stoßen lässt, ist gar nicht mal so weit hergeholt. Vor zwei Jahren verkraftete das Low-Cost-Modell sogar hohe Preissteigerungen beim Kerosin. Aber da gab es auch noch Wachstum und weitaus weniger Airports, Kommunen und andere öffentliche Kassen, die dringend frisches Geld benötigen. Jetzt macht sich O’Leary sogar zum Sprachrohr der deutschen Airlines gegen die Luftverkehrssteuer. Aber bereitet er auch den Rückzug auf Raten vor?

Kommentare

von Dirk Rogl, 27.10.10, 13:25
Es soll ja einige Veranstalter und Reisebüros geben, die die Ryanair-Flieger gern besser auslasten würden, wenn man sie denn ließe. Wer das nicht zulässt, verbaut sich selbst den Erfolg.

von Thomas Koschig, 27.10.10, 14:26
Schade, nur 30 % und auch nur Hahn. Das zeigt, dass die neue Luftverkehrsabgabe noch viel zu niedrig ist um wirklich weh zu tun. Komischer Zufall auch, dass im gleichen Atemzug Germanwings 9.95 EUR all inklusive Tarife auf den Markt bringt.

von Andreas Schulte, 27.10.10, 14:49
Sind die 8-Euro nicht vielleicht auch nur ein Vorwand ? Wer heute schon weiß, dass er für den kommenden Sommer 30 % seiner Strecken streichen will oder muss, hat auf diesen Strecken schon heute ganz sicher nicht unerhebliche Erlösprobleme.

von hingucker, 27.10.10, 16:13
Ich bin dafür,die Flugsteuer an Ryanair Flughäfen auf 20 € zu erhöhen,um die Quer- subventionierung der Billigflüge aus Stadtsäckeln zu reduzieren . Es ist ein Skandal, dass eine so hoch verschuldete Stadt wie Lübeck jedes Jahr Millionen aufbringen muss, um zumeist Nichtlübeckern billiges Fliegen zu ermöglichen.

von Wolfram Schneppe, 27.10.10, 17:00
Das Geschäftsgebaren einer Ryanair bedarf doch hier wirklich überhaupt keines Kommentares, oder?

von Thomas Koschig, 28.10.10, 11:54
Anstatt sich weiter Gedanken um Ryanair zu machen, sollte man lieber darüber diskutieren dass heute LH Rechnungen über TEST-Buchungen verschickt hat. Das wäre für die Branche wichtiger.

von Wolfgang Hoffmann, 28.10.10, 16:16
typische Geschäftsmodelle, die über den Mechanismus "Wachstum" eine Zeit lang Kommunal- und Landespolitiker den Verstand verlieren lassen, Strukturen von latenten und ebenso labilen Abhängigkeiten aufbauen, die sie irgendwann, gar nichts mehr anzugehen scheinen, die eine ganze Branche mit Wahnsinn kontaminiert haben und die dann nur noch verbrannte Erde zurücklassen, wenn sie einen quersitzen haben, der sie drückt. Mir sind sogar Kollegen bekannt, die das alles gut finden.

von Frank Dost, 28.10.10, 16:36
Ryanair nebst Herrn o`Leary, die 715te! Vielleicht ist die Luftverkehrsabgabe die Grundlage für einen mittelfristigen (kurzfristigen) Rückzug von Ryanair aus Deutschland. Wenn stört es? - Den Vertrieb wohl weniger, wenn man die Haltung von Herrn o`'Leary zum Vertrieb betrachtet. Stören wird es im ersten Moment die "Geiz-ist-geil!"-Verbrauchergruppe. Aber auch diese Gruppe wird bei dem bestehenden Überangebot an Flugkapazitäten immer noch ihr Schnäppchen bekommen können. Meiner Meinung nach wird der Airline, wie auch Herrn o`Leary, zuviel Aufmerksamkeit gewidmet. - Leider auch durch die fvw!

von CR, 01.11.10, 13:59
Wegen €8 werden Flüge eingestellt? Wie viel kostet die Mitnahme eines Gepäckstücks, und wie viele Flüge hat Ryanair damals eingestellt, als sie selbst die Flüge dadurch verteuert hat?

von Frank Dost, 02.11.10, 16:59
Ach ja, da war doch noch was zum Thema "Ryan Air": fvw-Meldung vom 01.11. 2010: "Ryanair Fast halbe Milliarde im Halbjahr verdient Dem Geschäftsmodell von Ryanair kann so leicht nichts anhaben. Trotz diverser Streiks und vieler ausgefallener Flüge steigt der Halbjahres-Gewinn auf 452 Mill. Euro. Im Schnitt 44 Euro kostet das Ticket bei Ryanair. Im Schnitt 44 Euro kostet das Ticket bei Ryanair. Im Schnitt 44 Euro kostet das Ticket bei Ryanair. Foto: PR Für den Zeitraum April bis September meldet Europas größter Billigflieger wieder einmal beeindruckende Zahlen. Um satte 17 Prozent verbesserte sich der Nachsteuer-Gewinn auf 451,9 Mill. Euro. Im Schnitt wurden bei Ryanair pro Ticket 44 Euro und damit 12 Prozent mehr als ein Jahr zuvor eingenommen. Dies sei allerdings nichts außergewöhnliches, da sich ja auch die durchschnittliche Flugdistanz um zwölf Prozent verlängert habe. Gut sollen zudem die neuen Stationen in Faro, Malaga und Malta laufen. Noch diesen Monat sollen weitere in Sevilla und Valencia eröffnet. Die Halbjahres-Ergebnisse von Ryanair hätten sogar noch besser ausfallen können. Doch die wiederhoteln Streiks der Fluglotsen in Belgien, Frankreich und Spanien sowie die zeitweise Schließung des Luftraums im April und Mai verhinderten dies. Mehr als 11.400 Flüge mussten deswegen abgesagt und die Tickets den Reisenden erstattet werden. Trotzdem bleibt Ryanair ein Überflieger. Allein die Barreserven belaufen sich nunmehr auf mehr als drei Milliarden Euro." o`Leary meint doch wohl nicht im Ernst, dass den Deutschen die Reiselust wegen der Erhebung der Luftverkehrsabgabe vergehen wird. - Das ist knalllhart kalkuliert. So kann sich der gute Herr, ohne Gesichtsverlust, defizitärer Strecken entledigen. Und den "Schuldigen" hat er auch schon gefunden: "Die Luftverkehrsabgabe!" Frank Dost

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