Rich Data

Wer wird wirklich Rich mit Data?

Aus einer Vision wird in Windeseile Realität. Big Data, die individuelle und hochperformante Aufbereitung von Massendaten, hält Einug in den Reisevertrieb. Aber wer profitiert davon?

von Dirk Rogl, 11.06.2013, 14:46 Uhr

Manche Dinge entwickeln sich rasend schnell. Als wir im Februar (fvw 3/13) in unserer Titelgeschichte die wuchtvolle Wirkung des 3D-Effekts erklärten, war dies noch blanke Theorie. Klar war nur, dass die Kombination aus der Angebotsbildung in Echtzeit (Dynamic Pricing), der Angebotssuche gigantischer Datenmengen (Data Mining) und der direkten Verbindung touristischer Anbieter untereinander (Direct Connect) den Reisevertrieb massiv beeinflussen wird. Vier Monate später deutet sich an, es könnte sehr schnell gehen.

Der Verband Internet Reisevertrieb (VIR) hat dem Thema „Big Data“ auf den heute endenden VIR-Innovationstagen einen Themenschwerpunkt gewidmet. Vorstand Michael Buller sprach von der „nächsten Evolutionsstufe des Internetvertriebs“. Der Online-Lobbyist liegt allenfalls in einer Nuance fehl. Das Beiwort „Internet“ können wir getrost streichen, denn die unstrukturierte und blitzschnelle Massendatenverarbeitung betrifft alle Segmente. Es werden wohl auch die zentralen Vertriebssysteme sein, die trotz zunehmender direkter Verlinkung zwischen Vertrieb und Leistungsträgern eine wichtige Rolle spielen.

Die Faszination von Big Data erklärt sich simpel: Trauen wir den Hardware-Anbietern, so gibt es künftig keine relevanten technischen Limits mehr bei der Verarbeitung von Massendaten. Alles ist möglich. Alles ist meßbar, nachvollziehbar, und individuell auslesbar. Entscheidend wird sein, die neuen Serversysteme richtig und effizient einzusetzen.

„Jeder der Durchschnitt ist, wird sterben“, sagte Andrew Owen-Jones. Einst war er Top-Manager bei Amadeus und Chef von Traveltainment. Der Mann kennt sich aus mit technischen Limits und mit der Bereitstellung des vollen touristischen Sortiments für alle Vertriebspartner. Daran wird auch sein neues Unternehmen BD4Travel nichts ändern, wohl aber an der Darstellung des Angebots. „Die Touristik beschäftigt sich zu sehr mit uniquen Produkten und zu wenig mit uniquer Technik“, fügte Suzanne Flood vom irischen Mitbewerber Boxever hinzu.

Auch Bid Data braucht „Full Content“. Ohne Vertriebssysteme, seien es zentrale GDS oder dezentrale Player-Netzwerke, wird es bis auf weiteres nicht gehen. Viel mehr Potenzial hat hingegen die Analyse der Nachfrage. Das perfekte Auswerten des Kundenwunsches und die Bereitstellung individueller Angebote scheinen der Schlüssel zum Erfolg. Statt über statisch wachsende Kundenprofile kann der Bedarf des Users hoch performant analysiert werden.

Customer Profiling nennt sich das. Unternehmen wir Dymatrix oder Bazaarvoice machen das schon heute, auch in der Touristik. Im Prinzip ist es nicht weit weg von dem, was spätestens seit dem Prism-Skandal in den USA einen bitteren Beigeschmack hat. Die gnadenlos umfassende Analyse von Social-Media-Profilen, Kommunikationskanälen, vor allem aber auch dem Userverhalten im Internet. Permanentes Tracking des Kunden ist der Schlüssel zum Erfolg, optimalerweise über Cookies auf dem eigenen PC, aber auch beispielsweise über das Auslesen von IP-Adressen und Tracking-Codes.

Wie das genau funktioniert, erklären wir in der nächsten fvw 13/13 am 21. Juni genauso wie die spannende Frage, weshalb auch ein Andy Owen-Jones keinerlei Interesse daran hat, sein Ex-Unternehmen Amadeus-Traveltainment zu bedrängen. Eines ist aber jetzt schon klar: Wer die Hoheit über hoch effiziente – und auch extrem teure - Big-Data-Technologie sowie touristisches Know-How hat, könnte der nächste große Winner im Reisegeschäft werden, auch im monetären Sinne. Un keine Frage: wer nur Durchschnitt ist, bekommt ein Problem.

Kommentare

von Jürgen Barthel, 11.06.13, 16:24
Also ich verfolge gerade eine Diskussion in LinkedIn zum Thema "Big Data", was wohl das gleiche sein soll. Dabei geht es um die individuelle Auswertung großer Datenmengen. Es gab schon vor einigen Jahren eine Studie, welche unser Dilemma aufzeigt. Theoretisch lassen sich alle Bausteine einer Reise miteinander verbinden. Dann habe ich Milliarden (!) von Angeboten. Ein anderer Ansatz ist semanthische Suche, ebenfalls seit einigen Jahren immer wieder herumgeisternd: "Ich möchte gern mit meiner Familie in den Sommerferien ans Mittelmeer"... Ähem. Details?! Die Bahn will seit vielen Jahren "intermodale Angebote" liefern und bspw. (laut Eigenwerbung) damit aufzeigen, dass die Bahn die bessere Alternative (zu Auto und Flug) ist... Dies sind Beispiele, woraus klar wird, dass fähige Datenbank-Operator notwendig sind um aus dieser Flut an Informationen die richtige zuzuordnen, diese intelligent zu verbinden (nicht arificial sondern menschlich) und daraus das für diesen Kunden optimale Paket zusammen zu stellen. Die Domäne des Reisebüros. Die Datenbank zumeist "Amadeus". Statt einer SQL-Abfrage eben AN20MAYSTRLAX oder Toma oder ... Und so lange mir Facebook & Co. eine "Russian Bride" anbieten, obwohl ich glücklich mit einer verheiratet bin (so steht das jedenfalls in meinem FB-Profil) und gerade das zweite Kind erwarte, ist es mit "Big Data" noch ein langer Weg. Er kommt. Aber aus langjähriger Erfahrung fürchte ich, wird es noch eine ganze Weile dauern, bis das "praxistauglich" wird.

von ibrahim attalla, 12.06.13, 11:06
" Die Touristik beschäftigt sich zu sehr mit uniquen Produkten und zu wenig mit uniquer Technik“, fügte Suzanne Flood vom irischen Mitbewerber Boxever hinzu." Diese Aussage von Boxever ist "vorever wrong". Erstmal der Kunde dann das Produkt und dann der Technik der diese Produkt an der Kunde bringen kann. Nach der "delivery Prinzip" the right product at the right time. Wenn man "Masse" und Main Stream im Visier hat dann big data ist ein wichtige Thema und die definition der benoetigten Algos unumganglich. Ein Leben im Trial and error. Aber wenn mann auf der Individuale Ebene operieren will trotz alle behauptungen ist ein treffzichere Algo in absehbarer Zeit nicht zu finden ist. Ein Consumer mit grips wird die Empfehlen der Maschine und die jetzigen Algos sehr oft negativ empfinden. Vergleichbar mit ein penetranten und besserwisser Expedient in real Business...........

von Andreas Schürrle, 17.06.13, 17:29
Die Aussage von Suzanne Flood von Boxever, die Touristik beschäftige sich zu sehr mit Produkt und zu wenig mit Technik, ist nicht falsch, sondern korrekt. Jedes Reisebüro (ob online oder offline), jeder Reiseveranstalter, selbst jeder Hotel Aggregator bietet die gleichen Produkte an. Die Differenzierung kann hierbei nur über Preis - oder, wie in einigen ganz wenigen Fällen, über Service geschehen. Dass aber ein Leistungsträger aus dieser Preisschraube nach unten austritt, weil er dank perfekter Technologie das perfekte Angebot genau dem einen richtigen Kunden anbieten kann, das kommt jetzt erst langsam auf. Hier werden sich einige "First Mover" auch deutlich und positiv von der breiten Masse abheben.

von Matthias, 28.01.14, 16:22
Netter Artikel aber die Rechtschreibprüfung hat wohl versagt.

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