Reiseverhalten

Wenn der Urlaub zur Sünde wird

Jeder siebte deutsche Urlauber geht fremd, sagt Trivago. Online-Befragungen sind offenbar nicht immer representativ, sage ich.

von Dirk Rogl, 25.11.2008, 11:12 Uhr

So genau wollten wir es eigentlich gar nicht wissen, doch jetzt haben wir es schwarz auf weiß. Jeder dritte Deutsche hat in seinem jüngsten Urlaub eine kleine Sünde begangen, hat das Hotelportal Trivago ermittelt. Das

ist nicht gerade ein Ruhmesblatt für die Moral der deutschen Urlauber: Ein Prozent seien Zechpreller, zwei Prozent unhöflich gegenüber Einheimischen, heißt es da. Das ist vermutlich noch im Toleranzkorridor. Aber es kommt schlimmer. Dass fünf Prozent der Deutschen Hotelsouvenirs geklaut und stolze 14 Prozent fremd gegangen sind, weckt Zweifel. Da tröstet es auch nicht, dass andere Nationen angeblich noch mehr zur Sünde neigen. Fast jeder vierte Franzose greift laut Trivago zu illegalen Drogen. Jeder neunte Italiener klaut Hotelsouvenirs. Deutschland ist fast immer Mittelmaß in der Trivago´schen Sündendatei. In der fvw-Redaktion habe ich die Ergebnisse per Blitzumfrage validiert. Fazit: in allen Disziplinen liegt das Sünderlevel meiner Kollegen deutlich unter Marktdurchschnitt. Sagen Sie jetzt nicht, ein knappes Dutzend anwesender Redakteure sei keine representative Basis für eine solche Erhebung. Sie haben ja Recht. Doch vieles spricht dafür, dass diese Tatsache auch für eine Online-Umfrage unter 4773 Internet-Usern gilt. Welche Aussagekraft haben aus Ihrer Sicht offene Votings im Internet?

Kommentare

von s.klar, 25.11.08, 13:29
bei diesen umfragen geht es doch lediglich um pr und virales marketing. je skurriler das voting umso mehr treffer bei google und somit seo unterstützung zum 0,00Euro tarif.wie man sieht nicht ohne erfolg. die fvw berichtet hier im blog über die umfrage vom hotelportal trivago, und bekommt somit aufmerksamkeit.

von Wolfgang Hoffmann, 25.11.08, 15:07
Hallo Herr Rogl, Mehrfachtäter verfälschen derartige Statistiken eklatant. Das ist das Geheimnis. Ich würde innerhalb der Redaktion mal die Fragestellung etwas variieren.

von Michael Buller, 26.11.08, 16:12
trau keine Statistik die du nicht selbst fälschst.

von Ulrike Pithan, 05.12.08, 10:56
Bei trivago hat uns das Ergebnise ebenfalls überrascht. Ich habe die Umfrage bewusst länger als sonst online gelassen, aber die hohen Zahlen der "Fremdgeher" blieben stabil. Ein unerwartetes Umfrageergebnis ist jedoch kein Grund, die Erhebungsmethoden in Frage zu stellen. Um die Umfrage mehrfach zu beantworten, müsste man als Nutzer zunächst den Cookie löschen. Ein Nutzer kann immer nur einmal abstimmen. Und da die Ergebnisse in den verschiedenen Ländern recht nah beieinander liegen, wäre es schon sehr unwahrscheinlich (oder eine sehr mühselige Prozedur), wenn die "Mehrfachtäter" ausgerechnet die gleichen Antworten in den verschiedenen Ländern wiederholt anklicken. Über die Repräsentanz von Umfragen lässt sich natürlich generell streiten. Ebenso kann man sich immer fragen, ob die Teilnehmer wohl ehrlich geantwortet haben. Das gilt allerdings für jede Umfrage, ob von einem renommierten Umfrageinstitut oder einem Unternehmen. Die trivago Umfrage ist genauso repräsentativ wie jede andere Umfrage auch.

von Dirk Rogl, 05.12.08, 12:26
Liebe Frau Pithan, Sie haben schon Recht: niemand löscht einen Cookie, um zweimal als Sünder gezählt zu werden. Aber: Niemand geht zur Beichte ohne gesündigt zu haben - den Herrn Pfarrer mal ausgenommen. Wer klickt also wohl auf eine Umfrage zum Thema Sünde? Ziemlich langweilig, dann sein Kreuzchen bei "ich war brav" zu machen, oder? Von Beruf wegen erlaube ich mir halt doch ein paar Zweifel, ob offene Online-Votings ohne representativ ausgewählte Grundgesamtheit eine verlässliche Größe sind. Deshalb erscheinen die Ergebnisse derartiger Votings übrigens auch eher selten in der fvw.

von Wolfgang Hoffmann, 08.12.08, 10:13
Moment mal, bevor hier Axiome postuliert werden, die dann einfach so mitgenommen werden in andere Diskussionen: 1. ich bin jemand, der Cookies löscht, wenn ich damit in meinem Interesse Umfragen manipulieren kann, die ansonsten ein mir nicht angenehmes, öffentliches Ergebnis zeigen würden. 2. es gibt mit älteren betriebssystemen und auch mit neueren Betriebssystemen, die nicht MS sind durchaus die Möglichkeit, die Cookies druch ein geeignetes Skript auszusperren. 3. die Gemeinschaft von vielen miteinander vernetzten Interessen können eine derartige Umfrage durchaus manipulieren, um gewünschte Ergebnisse zu dokumentieren. Gerne bin ich bereit, in persönlichen Kontakten Einzelheiten preiszugeben und ich bitte um Verständnis, dass ich derartige Möglichkeiten nicht näher ausführe. Aber ansonsten findet die Manipulation bei allen Umfragen bereits im Kopf statt, seitens der Befrager und seitens derer, die dann antworten, da sollten wir uns alle nichts vormachen.

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