Reisekonjunktur

Wo spart der Kunde zuerst?

Die Wintersaison läuft nicht schlecht an. Aber in der Öffentlichkeit rüsten sich die Pauschalveranstalter schon mal für härtere Zeiten.

von Klaus Hildebrandt, 14.08.2008, 12:41 Uhr

Gestern und heute informierten die Chefs der beiden größten europäischen Touristikkonzerne, Peter Long (TUI Travel) und Manny Fontenla-Novoa (Thomas Cook) in Telefonkonferenzen die Journalisten über die aktuellen Zahlen. Das waren diesmal richtige Wohlfühlveranstaltungen. Unisono die Aussage: Die konjunkturellen Aussichten werden zwar trüber, vor allem in dem von der Immobilienkrise gebeutelten Vereinigten Königreich. Doch am Urlaub werde nicht gespart. "Gerade in härteren Zeiten brauchen die Leute einen Urlaub, um ihre Batterien wieder aufzuladen", meint Peter Long. Aber können die Kunden sich den Spaß in der Sonne angesichts der steigenden Preise noch leisten? Ja, meinen Long und Fontenla-Novoa im Gleichklang. Gespart werde nicht am Haupturlaub, sondern eher an Kurzreisen mit den inzwischen gar nicht mehr so billigen Billigfliegern. So äußerte sich auch gerade Rewe-Touristiker Rembert Euling im fvw-Interview – schließlich ist bei allen Großveranstaltern die Haupturlaubsreise das Kerngeschäft. Low Cost Carrier und die Veranstalter von Städte- und Kurzreisen argumentieren dagegen genau umgekehrt: Falls die durch hohe Energie- und Lebensmittelpreise belasteten Verbraucher kürzer treten müssen, dann wohl eher bei der großen Reise im Sommer. Das verlängerte Wochenende und der Trip mit dem Verein bilden dann die unverzichtbaren Lichtblicke im Alltag. Was meinen Sie: Wie entwickelt sich die Reisekonjunktur 2009? Und falls wirklich gespart wird, wo dann zuerst?

Kommentare

von Sylvie, 14.08.08, 14:26
Bei uns in NRW läuft das Wintergeschäft gut. Wir haben in unserem Büro viele Stammkunden. Die nutzen die Frühbucherrabatte und sichern sich die Weihnachtstermine. Allerdings sind alle Veranstalter dieses Jahr einige Wochen früher buchbar. Mal schauen, ob nach Ende der Frühbucherfristen die Reiselust anhält.

von Heidrun, 14.08.08, 18:23
Die Wintersaison läuft bei uns weder besser noch schlechter...eigentlich kann man sagen : so wie in den vergangenen Jahren. Und über Weihnachten+Silvester fliegen (oder fahren) bei uns eh nie viele weg... die Preise sind eh schon immer nicht gerade "moderat"...um nicht zu sagen . eigentlich zum Teil in manchen Regionen "fast der Hammer"! Viele werden wohl wieder zu Hause bleiben , denn so locker sitzt meiner Meinung nach das Geld nicht mehr...Und in einer Region mit einer Arbeitslosenquote von ca 20 % schon gar nicht!

von Hans, 15.08.08, 13:19
Von der Anzahl der Kunden hat sich nichts geändert. Es kommen aber öfter Fragen wie "Gibt es in dem Hotel auch billigere Zimmer?" Oder die Familien gehen vom Cluburlaub auf ein normales Viersternehotel. Bei Kegelreisen nach Malle oder Bulgarien ist alles beim alten. Städtereisen werden aber bestimmt abnehmen. Es ist ein Unterschied, ob ich 19 Euro oder 59 Euro für einen Flug nach Paris zahlen muss.

von Wolfgang Hoffmann, 18.08.08, 11:38
das Schlimme ist, dass Geizgeilheit inzwischen so normal geworden ist, wie die Nutzung von Verbalinjurien im täglichen Sprachgebrauch. Selbst die höheren Einkommensschichten sitzen jetzt vor einem und betteln nach "Billig". Wofür man sich früher geschämt hat, bedeutet jetzt persönliches Ausleben von brutalsmöglicher Sparsamkeit. Und wenn da nix kommt, dann sagt man "Scheiße!" Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass an jedem Cent rumgenöhlt wird - bei gleichbleibender Qualität, versteht sich! Und diesen im freien Fall abwärts trudelnden Anspruch unserer Kundschaft an Urlaub und Verreisen haben weder Herr Euling, noch Herr O'Leary etwas entgegen zu setzen. Im Gegenteil, sie sind schließlich die Urheber dieser Entwicklung. Es wird so sein, dass sich die beiden Angebotslinien, Kurzurlaub ./. Jahresurlaub einen noch schärferen Preis-Leistungskampf abliefern werden. Unvorhersehbare, kurzfristige Verschiebungen werden unseren beruf noch unberechenbarer machen. Jede Kaffeesatzleserei ist doch nur Stochern im Dunklen. Ein Runder Tisch ist angesagt, an dem Veranstalter, Leistungsträger und wir Reisebüros endlich einmal gleichberechtigt zusammensitzen und den Willen umsetzen, dass endluich wieder WIR der Vertrieb sind und die Produzenten sich aus dem raushalten, was wir Reisebüros besser können, als sie.

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