Reisebüros

Lokal kämpfen, gemeinsam siegen?

All business is local – können Reisebüros in einer Stadt gemeinsam für sich werben und gegen Rabatte vorgehen?

von Klaus Hildebrandt, 12.01.2012, 13:32 Uhr

Das muss man Irina und Bernd Hoffmann, die in Dresden drei Reisebüros betreiben, lassen: Sie jammern nicht, sondern handeln. Im Rahmen der Initiative "Ja, ich buche im Reisebüro!" starteten sie zusammen mit 50 anderen Agenturen Anfang des Jahres einen Werbespot im Lokalfernsehen. Jetzt trafen sich 35 Reisebüro-Chefs und lokale Veranstalter, um gemeinsam zu überlegen, wie sie besser zusammenarbeiten können.

So sollen jetzt gemeinsam Gruppenreisen aufgelegt werden, die die Beratungskompetenz zeigen. Auch die Gewährung von Rabatten soll "in Dresdner Reisebüros keine Zukunft mehr haben", teilt das Ehepaar Hoffmann nach dem Treffen mit. Ob das kartellrechtlich in Ordnung ist, lassen wir mal dahingestellt – zumal das Bundeskartellamt Ende 2011 auf Anfrage des DRV noch mal bekräftigt hat, dass es im Interesse der Verbraucher Rabatte aus der Reisebüro-Provision für rechtmäßig hält.

Ich finde die Solidarität, die die Dresdner Reisebüros üben, zunächst einmal gut. Anstatt sich immer nur über das Internet im allgemeinen und die Gutscheine und Werbung der Portale im besonderen aufzuregen, versuchen sie direkt in ihrer Stadt (und das ist nun mal für die Kunden, die mehrere Reisebüros abklappern, der relevante Markt) etwas zu bewegen. Dresden ist übrigens auch deshalb bemerkenswert, weil es in Sachsen laut der DRV-Vertriebsdatenbank die höchste Reisebüro-Dichte gibt: Dort kommen stolze 16,1 Reisebüros auf 100.000 Einwohner

In kleineren Orten mit nur wenigen Reisebüros funktioniert eine stillschweigende Null-Toleranz-Politik gegenüber Rabatten und Rückvergütungen durchaus, auch dass Reisebüros sich bei gemeinsamen Reisen oder Werbeaktionen unterstützen. Es gibt aber auch Gegenbeispiele, wo sich die Reisebüros spinnefeind sind, die Kettenbüros gegen die Mittelständler und alle gemeinsam gegen die mobilen Reiseverkäufer.

Deshalb würde mich interessieren, wie Sie die Dresdner Initiative sehen, wie weit die Gemeinsamkeit vor Ort reicht, wenn es um das Werben von Kunden geht und welche Erfahrungen Sie vielleicht mit Kooperationen in Ihrer Stadt oder Gemeinde gemacht haben.

Kommentare

von Heidrun Jahn, 12.01.12, 14:49
Dass wir hier in der Region um Dresden etwas gemeinsam "auf die Beine bringen " und uns eben auch nicht alle "spinnefeind " sind ,das haben wir paar Hanseln , die sich zu dem Info-Blog :http://onlinewegde-in-sachsen.blogspot.com zusammengeschlossen haben , doch eigentlich schon gezeigt. Wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen , da "klappts auch mit dem Nachbarn " ( so gibt es einen Werbespruch, den sicher auch jeder kennt). Ich finde es bemerkenswert ,was hier durch die Beiden da ins Rollen gebracht wird...andere Regionen sollten nachziehen . Nur gemeinsam sind wir stark und können was bewirken ! Schade nur , wir "Rand-Dresdner" sind nicht mit dabei ( wir empfangen kein Dresden -TV). Ich würde mir wünschen, wir könnten alles auf den gesamten Empfangs- Sendebereich des MDR ausweiten. Aber dafür fehlt uns leider das Kleingeld bis jetzt. Ich wär da jedenfalls auch mit dabei ,denn Rabatt gibts bei mir auch nicht...gab's noch nie und gegen solch eine Gewährung eines Rabatts von einer eh schon niedrigen Provision zu kämpfen , das unterstütze ich voll.

von ibrahim attalla, 12.01.12, 16:22
finde ich super. Ich hoffe und wünsche, dass irgendwann werden die lokale und grosse Veranstalter mithelfen werden. Ohne mein alltours sage ich nix, aber im Reisebüro kannst du mich überzeugen..... www.attalla.eu

von Alexander Schulten, 12.01.12, 16:36
Ich zolle der Dresdener Bewegung größten Respekt! Die gesamte Aktion sollte ein Vorbild für den kompletten stationären Vertrieb sein. Sicherlich stimmt es, dass es schwer ist, überall eine derart homogene Gruppe zu gründen, die an einem Strang zieht und das Projekt unterstützt. Aber was bleibt einem stationären Reisebüro heute an wirklichen Alternativen? Nur auf die Onliner zu schimpfen, stündlich das Radio vom Schrank zu fegen und abends bei jeder Werbung mit "Calli und seinen Jungs" gegen den Fernseher zu treten, bringt keinen einzigen Kunden. Damit wir als stationärer Vertrieb überhaupt noch beim Kunden stattfinden, müssen wir alle an einem Strang ziehen. Der kleine Einzelkämpfer wird es auf die Dauer schwer haben. Und wir sollten uns von dem Gedanken frei machen, dass die größten Konkurrenten die Reisebüros rechts und links sind. Die viel größere Konkurrenz sind die anderen Vertriebskanäle! Nur kann man keinen Kunden ins Reisebüro prügeln, mittlerweile reicht es dem Kunden auch nicht mehr, im Büro die Reise zum gleichen Preis wie im Internet zu erhalten. Stattdessen will er einen Mehrwert (den er in guten Büros ja auch auf jeden Fall hat!). Doch diesen Mehrwert dem Kunden glaubhaft zu vermitteln, das ist in Zeiten von selbst erfundenen Gütesiegeln und Direktbuchungsaufforderungen vieler Veranstalter durchaus zu einer Herausforderung geworden. Die Kollegen aus Dresden beweisen gerade, dass sie nicht nur reden, sondern auch Taten folgen lassen und das Problem aktiv angehen. Deshalb finde ich die Aktion super und absolut nachahmenswert.

von Claudia Mades, 12.01.12, 18:06
Das ist eine großartige Aktion, von der ich hoffe daß sie "Schule macht". Beeindruckt bin ich auch, wie fair & respektvoll die Kollegen miteinander umgehen und wie "praktisch" sie den Herausforderungen entegen treten. Nicht jammern - machen! ist da die Devise. Danke an die Kollegen!

von Christoph Biallas, 12.01.12, 22:46
Zuerst einmal: Gute Idee! Aber man muss aufpassen, denn eine Zusammenarbeit macht immer nur dann Sinn, wenn man sich ergänzt und sich nicht gegenseitig auf die Füße tritt. Vielleicht wäre es in diesem Sinne sogar möglich, dass jedes der Reisebüros eine spezielle Aufgabe übernimmt und man sich so den Buchungsprozess untereinander aufteilt. Für den Kunden darf so etwas aber natürlich nicht sichtbar sein - denn der Kunde will mehr und mehr eine "One-Stop-Solution".

von Dietmar Rauter, 13.01.12, 14:33
Ein wirklich gutes Thema! Wie bei den Veranstaltern gilt auch für Reisebüros : Der Markt wächst nicht mehr und da geht es auch innerhalb des Vertriebes um einen Verdrängungsprozess . Natürlich haben wir auch gemeinsame Anliegen : Etwa gegenüber online-Buchungen (Stammkunden bleiben und kommen zurück!) ,der skandalösen Rabattgewährung durch Banken (die dabei überhaupt keinerlei Beratungsangebot machen!) oder dem Anliegen der Lieferanten, die Flugpreise nach aussen zu reduzieren, indem die Vergütung für den Vertrieb 'flexibilisiert' -Stichwort Nullprovision-. Die Veränderungen auf dem Markt treffen die Reisebüros mit der flexibesten Kundschaft : Die Erkenntnis, dass in vielen Fällen das Zusammenstellen von Einzelbausteinen günstiger sein kann, als eine Katalogreise , zumal letzteres auch mehr persönlichen Zuschnitt möglich macht , fordert von den Reisebüros mehr Arbeit und noch mehr Kompetenz , wenn sie im Wettbewerb gegenüber dem web bestehen wollen. Diese Erkenntnis relativiert die Chancen bei der regionalen Zusammenarbeit, weil jede Vertriebsstelle ihre besonderen Stärken -z.B. Veranstalternähe- (und Schwächen) hat. Von daher unterscheiden sich die regionalen gemeinsamen Interessen nicht von den überregionalen. Die Pro - Reisebüro-Initiative des DRV sollte wieder aktiviert werden. Ausserdem hat das DRV - Präsidium ja auch eine verstärkte Kampfansage gegen Bankrabatte zugesagt. Daher kann ich mir lokale Initiativen bei der heterogenen Struktur der Vertriebsstellen -Franchise, Veranstal-terableger, Kooperations- und Spezialbüros aus Kieler Sicht nicht so gut vorstellen. Kontakt zwischen Kollegen -etwa der gleichen Reisebürokooperation- gab es, zu gemeinsamen Werbeaktionen hat es bisher aber nicht geführt.

von research paper, 02.02.12, 21:01
I think tourist's agencies work really good when they are so local!

von fgnh, 05.02.12, 22:04
ytj ftyj fygujkgyu i

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