Reisebüro

Von den Briten lernen

In Großbritannien wird auf einmal das Reisebüro wieder geschätzt. Kann man den Zahlen trauen?

von Klaus Hildebrandt, 25.10.2012, 13:09 Uhr

Okay, die Briten hatten einen noch mieseren Sommer als wir, die Wirtschaft auf der Insel schwächelt und Schalke hat bei Arsenal gewonnen. Auch in der Touristik hat der Nimbus gelitten: Peter Fankhauser muss bei Thomas Cook UK aufräumen und TUI überlegt, das deutsche Geschäft aus der Londoner TUI Travel herauszulösen. Aber zwei Dinge beherrschen die britischen Konzerne: Den Eigenvertrieb auf die eigenen Veranstalter zu trimmen und viele Kunden ins Internet zu locken, wie TUI-Travel-Vize Johann Lundgren beim fvw Kongress als Marschroute für den gesamten Konzern ausgab (hier geht es zum Video-Interview).

Wer durch die britischen Großstädte geht, sieht so gut wie nie ein Reisebüro, es gibt nur knapp halb soviel Agenturen wie in Deutschland. Und just aus diesem Land erreicht uns nun eine Umfrage des britischen DRV-Pendants Abta, wonach "Reisebüros wieder mehr genutzt und mehr geschätzt" werden. Der Anteil der Briten, die im Reisebüro ihre Auslandsreise buchen, sei binnen zwei Jahren von 17 auf 25 Prozent gestiegen. Auch bei Jüngeren (15 bis 44) werde der persönliche Service angesichts der Informationsüberflutung im Netz wieder mehr genutzt, zumindest sagten dies vier von zehn Befragten.

Die britische Umfrage reiht sich ein in andere Untersuchungen, die die These vom "Reisebüro-Sterben" eindringlich widerlegen. Zwar wuchsen laut dem fvw Dossier "Deutscher Reisevertrieb 2011" die Online-Portale stark, aber auch der stationäre Vertrieb legte ordentlich zu. Und bei den Portalen ziehen vor allem die Marktführer Unister und Holidaycheck die Statistik nach oben. Selbst aus dem Internet-Mutterland USA gibt es Berichte, wonach das Online-Wachstum an Grenzen stößt. Oder ist das alles nur Pfeifen im Walde, und will Abta (und dazu werden Umfragen gerne genutzt) im Reisebüro-entwöhnten England PR in eigener Sache machen?

Kommentare

von Skeptiker, 26.10.12, 09:58
Seltsame Statistik von der Abta, oder? Über den Umsatzanteil oder dessen Entwicklung sagen diese Zahlen doch nichts. Man muss fast annehmen, dass der Rest der ursprünglichen Erhebung für die nicht verwertbar war und die halt das nehmen mussten, was für sie spricht, und den Rest in die Schublade getan haben. Meine wohlfundierte :-) Meinung bleibt aber, dass es immer Reisebüros geben wird, aber der Anteil am Kuchen natürlich schwankt. Schön, wenn es jetzt mal ein Stück Richtung Büros geht.

von Horst, 26.10.12, 12:02
In Sachen "Multichannel" sind die Briten wohl etwas weiter. Bei TC in UK wird bei Buchung die mail-Adresse abgefragt und der Kunde gehört dem Veranstalter. Nicht wie in Deutschland mit dieser sorry, schwachsinnigen Regel, dass die Adresse dem Reisebüro gehört. So kann kein Wachstum entstehen, da Posemuckel-Reisebüro überhaupt nicht die Power (budgetär/kommunikativ) hat zur Reaktivierung von Kunden. Ansonsten erzählen die UK'ler gerne viel - viel wird aufgeblasen, als DIE Innovation oder Entwicklung dargestellt - was dabei raus kommt ist aber oft ein sehr lauwarmes Lüftchen. Sieht man doch aktuell bei TC, wer da nun nicht mehr mitspielen soll und darf (einer verkauft jetzt DSL-Anschlüsse in Karlsruhe, der andere will was "anderes" machen...)

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