Reisebüro

Noch ein Reisebüro-Verband?

Im Internet trommeln Reisebüros derzeit für die Gründung einer neuen Interessenvertretung. Aber brauchen wir wirklich einen weiteren Verband?

von Klaus Hildebrandt, 28.04.2011, 11:37 Uhr

Der streitbare und internet-affine Reisebüro-Inhaber Timo Iserlohe aus Dortmund trommelt auf einer eigenen Website für die Gründung eines Verbands unabhängiger stationärer Reisebüros. "Wie wir alle selbst tagtäglich erfahren, werden unsere Interessen gegenüber der Politik und auch gegenüber unseren Handelsherren und Geschäftspartnern in der Touristik fremd gesteuert und schlecht vertreten", so Iserlohe, der auf Facebook immerhin schon 41 Unterstützer rekrutieren konnte.

Das ist sogar schon ein Thema für die Publikumsmedien: Die Regionalzeitung "Rheinische Post" bericht über das Vorhaben, neben Iserlohe kommt auch Mitinitiatorin Marija Linnhoff zu Wort. Linnhoff ist, um es diplomatisch auszudrücken, in der Branche nicht ganz unumstritten, weil sie Gott und die Welt und insbesondere Thomas Cook für den offensichtlich nicht berauschenden Erfolg ihres Reisebüros verantwortlich macht (in ihren Memoiren, die sie auf Facebook in Notizform veröffentlich hat, klagt sie über ihre Existenzängste). In dem Zeitungsartikel wird der Deutsche Reiseverband (DRV) als eine Art Verschwörung von Konzernmanagern gegen die Mittelständler dargestellt, selbst der engagierte Reisebüro-Vertreter Otto Schweisgut, Inhaber eines Lufthansa City Centers, wird noch als "Lufthansa-Manager" tituliert.

Aber unabhängig davon frage ich mich: Braucht die Branche wirklich noch einen neuen Verband? Oder wäre es nicht besser, wenn die mittelständischen Reisebüros lieber die Säule A im DRV stärken? Und ist der Ansatz des DRV, Veranstalter, Leistungsträger und Reisebüros unter einem Dach zu versammeln, nicht doch zielführender als eine Fundamentalopposition? Schließlich sind im DRV auch viele mittelständische Veranstalter vertreten, nicht nur die Konzerne.

Und es gibt ja noch den ASR als Stimme des Reisebüro-Mittelstands. Wie erfolgreich die immer ist, sei dahingestellt. Aber gerade die jüngste interne Schlammschlacht im ASR-Ableger VNT, die zum Rücktritt des stellvertretenden VNT-Vorsitzenden führte, zeigt, dass die Branche sich manchmal lieber mit sich selbst beschäftigt als mit den Problemen, die alle angehen.

Oder sehe ich das von der neutralen journalistischen Warte alles falsch, ist die Perspektive vom Counter eine ganz andere? Und könnte ein neuer Verband für stationäre Reisebüros im Zeitalter der sozialen Medien und von Stuttgart 21 doch eine lautstarke Stimme werden, die berechtigte Interessen des Vertriebs wirkungsvoll vertritt?

Kommentare

von CaptainJarek, 28.04.11, 12:53
Das erste Mißverständnis steht hier direkt im zweiten Satz. "Aber brauchen wir wirklich einen weiteren Verband?" Wer soll denn bitte "wir" sein? Das zeugt von einem falschen Selbstverständnis. Mit Verlaub: Die fvw gehört ganz sicher nicht zu diesem "wir"! Sie darf jederzeit und gerne begleitend über alle Facetten einer ganzen Branche berichten, aber nein, sie gehört ganz sicher nicht zur Touristikbranche dazu. Zum eigentlichen Thema: Dem DRV ist leider nicht mehr zu helfen. Er hat einen möglichen Neustart nach der Wahl Ende letzten Jahres gründlich verschlafen und es wohl mit Wissen und Wollen versäumt seine Mitglieder aus der Reisebüroecke neu mitzunehmen. Der Unmut und das Bestreben einen eigene Interessenvertretung zu schaffen ist daher eine logische Folge. Ob Iserlohe und Linnhoff ( omg! ) die richtige Besetzung sind? Schaun ´mer mal sagt der Kaiser. Aber ehrlich gesagt, die Linnhoff ist dafür nicht zu gebrauchen.

von Wolfgang Hoffmann, 28.04.11, 13:00
natürlich gehört die Fachpresse zur Touristikbranche. Niemand sonst, als ein Fachjournalist hat einen derart umfassenden Überblick über seine Branche. Dabei darf niemanden die nahezu Entrücktheit dazu verführen, über die da "auf der Wolke" zu urteilen, dass die zu weit entfernt seien. Deshalb darf die FVW ruhig fragen, ob "WIR" einen neuen Reisebüro-Verband benötigen. Allerdings ist diese Frage doch wiederum so dermaßen naiv, wie sie nur Journalisten stellen können, um mehr rauszufinden ;-) Und auch suggeriert das "WIR", dass die ganze Branche eine neue Interessenvertretung benötigt. Und schon bin ich bei meiner Antwort: Nö, die Branche nicht, aber die Reisebüros!

von Ulrich Roth, 28.04.11, 13:14
Ich frage mich auch warum man einen neuen Verband braucht? Dass der DRV genügend berechtigte Kritik einstreichen muss, kann ich nachvollziehen. Es gab und gibt nach wie vor genügend Gründe dass wir dort nicht Mitglied sind. Allerdings gibt es da noch den ASR. Warum dann nicht dort die Kräfte und Interessen bündeln?

von Dietmar Scherer, 28.04.11, 13:55
Nun ich glaube schon das ein neuer Verband sogar frischen Wind bringen kann. Was haben wir Reisebüros den schon alles schlucken müssen?: Direktvertrieb & Direktbuchungshinweise auf unseren Verkaufsunterlagen - Anstatt den stat. Vertrieb mit ins Onlineboot zu holen. Nullprovision - Jetzt das komische Wort: Service Charge , so ein Schmarn , Sinkende Provisionen, Rabattgeberei der Banken und Onlinepoertale usw. Was ist da passiert? NIX

von Michael, 28.04.11, 15:02
Die neue Initiative steht offensichtlich dafür, einen radikalen Schnitt zu machen, weg von den etablierten Institutionen. Fragt sich nur, warum die Initiatoren dann auf eine althergebrachte Konstruktion wie eine Verbandorganisation setzen? Wie viel Bock haben protestbereite Reisebüros auf einen Verband?

von Horst, 28.04.11, 15:29
Wenn ich das wieder lesen muss... "Sinkende Provisionen, Rabatte, Onlineportale". Welcher Verband sollte denn in welcher Form dagegen etwas tun? Das Internet "aufhalten" (ist irgendwo ein Stecker?). Rabatte sind so alt wie der Mensch miteinander handelt, wird es immer wieder geben. Und waren in der Vergangenheit unter Umständen die Provisionen zu hoch kalkuliert (oder damals dem Wettbewerb angemessen, der sich nun durch verschiedene Faktoren verschärft hat). Dafür, oder besser formuliert: Dagegen einen neuen Verband eröffnen, wenn die Branche sich selbst nicht organisieren kann, jeder mal mehr oder weniger planlos in verschiedene Richtungen läuft und am Ende keine echten Ergebnisse verbucht werden können. Also wenn es einen neuen Verband gibt, schon mal Trillerpfeifen und Plakate bereithalten, eine Demo gegen was auch immer wird es dann sicher geben...;-)

von alexander kretzsschmar, 28.04.11, 16:25
braucht kein mensch, mit menschenverstand! was es braucht ist ein umdenken im stationären vertrieb. aber solange stationäre alles und jeden als "feindbild" haben, ist hopfen und malz verloren.

von Thomas, 28.04.11, 16:29
Ja, Rabatte hat es schon immer gegeben im Handel !!! Ich shee mich als Handelsvertreter, der 0 Einfluss auf die Preisgestaltung hat. Gegen Wettbewerb hab ich nichts einzuwenden aber von einem auch nur einem einigermaßen fairen Wettbewerb sind etliche Marktteilnemer doch meilenweit entfernt. Vom DRV fühle ich mich als Reisebüro gar nicht gut vertreten. Ein neuer Verband wäre auch nur dann etwas, wenn es vernüftig gemacht wird.

von Max Motz, 28.04.11, 16:33
Ein Blick in die Glaskugel könnte Gewissheit über den Nutzen eines neuen Verbandes liefern, aber bis dahin ist jedes Engagement, das die verkrüsteten Strukturen des DRV aufzubrechen versucht ein hoffnungsvolles Unternehmen . Was muss eigentlich passieren, bis die letzten Haderer endlich verstanden haben, dass sie in einer Scheinwelt leben und Beiträge für einen Verband entrichten, der ausschließlich die Interesse der Veranstalter vertritt. Man könnte annehmen, sie helfen dem Scharfrichter beim Schleifen der Axt, damit das bereits angesetzte Köpfen nicht so blutig und so schmerzhaft wird. Bravo! Die zunehmend persönlicher werdenden Angriffe auf Personen wie Iserlohe und Linnhoff sind ein Indikator für das Unvermögen und die Borniertheit der Alpha-Tier der Branche. Anstatt nach Lösungen zu suchen und neue Wege für alle Beteiligten auszuzeigen, wird in alter Manier weiter rumgepoltert. Wo wäre die Branche, wenn es nicht einzelen Personen geben, wie bereits sind Verantwortung zu übernehmen und zu kämpfen. Hier wäre wohl eher ein Dank angebracht! Mich erinnert die Lethargie in der Branche an eine Weissagung der Cree-Indianer: "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann". Wacht endlich auf!

von Hermann-J., 28.04.11, 16:55
Nur weil ein Verband neu wäre, ist das nicht die Lösung. Die Interessenlagen innerhalb der Reisebüros sind zu verschieden, als das ein Verband sie alle repräsentieren könnte. Eine Reihe von Büros ist im Säulenmodell des DRV so gut aufgehoben, wie es die "Schmetterlinge" im ASR sind. Viele freie Büros werden weder hüben noch drüben gut aufgehoben sein. Es ist die Frage, ob ein neuer Verband die Dinge wieder zurückdrehen und aus dem Reisebüro wieder einen Makler machen kann. Und warum geht der Kunde in ein Büro, weil der sich dort gut aufgehoben fühlt, gut beraten wird, manchmal auch ratlos ist. Auch ein neuer Verband wird nicht dafür sogen können, dass flächendeckend eine Beratungsgebühr erhoben oder Rabatte gewährt werden. Ganz nebenbei müssen die Veranstalter auch mitspielen. Der ASR kann da ja Erfahrungen beisteuern, wie das ist, wenn z.B. die Lufthansa nicht mit einem Verband redet.

von Andreas Schuerrle, 28.04.11, 17:06
Ich fasse mal zusammen, was hier in den Kommentaren steht: Die kleinen Reisebüros betrachten sich nicht (mehr) als Teil der gesamten Reisebranche und wollen daher einen eigenen Verband gründen. Gleichzeitig sind sie untereinander völlig zerstritten (siehe obersten Kommentar), trauen sich untereinander und gegenseitig nicht viel zu. Wird ein lustiger neuer Verband.

von Wolfgang Hoffmann, 28.04.11, 17:55
Andreas Schuerrle, wenn alle Consulter so "zusammenfassen", dann verstehe ich jetzt alles ;-) Aber, dass das ein "lustiger Verband" werden wird, das ist garantiert!

von alexander kretzsschmar, 28.04.11, 18:01
ein verband für KLEINE reisebüros???? was ist klein, was ist gross, was ist gerade noch gross genug um nicht klein zu sein, und wie klein macht sinn?

von Andreas Schuerrle, 28.04.11, 18:13
Na ja. Sagen wir es mal so. Oskar Lafontaine war der Meinung, die SPD sei für seinen Geschmack nicht links genug. Also ist er ausgetreten und hat eine neue Partei gegründet. Diese scheut sich jeglicher Verantwortung und stänkert einfach nur rum. Ist es das, was sich diejenigen Reisebüros, die sich vom DRV nicht mehr vertreten fühlen, vorstellen? Ich dachte, dafür gäb es diese Faber'sche Facebook-Gruppe. @A. Kretzsschmar: Manchmal kann auch das Denken einfach nur "klein" sein...

von Marija Linnhoff, 29.04.11, 10:21
Eigetlich wollte ich mich nicht äußern, aber mich erinnert die Kritik an dem RP Artikel an das gute alte Sprichwort vom Glashaus. Ich kann mich nicht daran erinnern im Rahmen der Recherche der FVW vom Verfasser oder einem seiner Mitarbeiter kontaktiert worden zu sein. Ganz im Gegenteil! Zur Vervollständigung bzw. Information, möchte ich anführen, dass wir selbstverständlich die handelnden Akteure z. B. des DRV noch lange vor Veröffentlichung des RP Artikels von dem anstehenden Termin am 11.09.11 unterrichtet und eingeladen haben, ja sogar gebeten haben zu referieren. Ohne dem Verfasser zu nahe zu treten, sei die Frage dennoch erlaubt; wie will man in der Berichterstattung Objektivität gewährleisten, wenn man nicht bereit ist sich beide Seiten anzuhören?

von Martin Pundt, 29.04.11, 13:16
Wie so oft, gibt es auch in dieser Diskussion wohl nicht nur eine Wahrheit... Die Frage, ob der DRV die Interessen der Reisebüros gut vertritt, muss gestellt werden dürfen - von den im DRV vertretenen Büros UND auch von denen, die aus welchen Gründen auch immer nicht im DRV sind. Das ist legitim. Die Antwort auf diese Frage ist m.E. sehr vielschichtig: Einerseits machen Dr. Jochen Martin - und jetzt Anne Steinbrück - in Brüssel hervorragende Arbeit, von der auch und gerade die Reisebüros erheblich profitieren - obwohl sie es kaum wissen. Anderseits kann man vielen Reisebüros kaum vorwerfen, dass sie die vom DRV erfolgreich mitgestalteten EU-politischen Rahmenbedingungen nicht würdigen, wenn ihnen gleichzeitig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen das Wasser bis zum Hals stehen lassen: Wer am Monatsende nicht weiß, wie er die Gehälter bezahlen soll, für den ist es unerheblich, welches Unheil nun schon wieder aus Brüssel droht. Wer nun aber Kritik an Jürgen Büchy und dem DRV-Vorstand übt (und an den vielen Ehrenamtlichen in den neuen Ausschüssen, die ja gerade erst ihre Arbeit aufnehmen - gebt ihnen doch erst mal etwas Zeit!), sollte bitte bedenken, dass die Satzung des DRV keinesfalls vorsieht, die Interessen einer Mitgliedsgruppe GEGEN die einer anderen durchzusetzen. Das darf man vom DRV nicht erwarten - das wird er weder leisten können noch wollen. Wenn nun also die Reisebüros ihre Interessen bündeln wollen und sich stärker gegen tatsächliche und vermeintliche Mißstände positionieren wollen, dann tun die Organisatoren dieses Widerstands gut daran, dies nicht im Alleingang zu tun, sondern die im DRV und im asr organisierten Reisebüro mit ins Boot zu holen und gemeinsam zu erarbeiten, wie der stationäre Vertrieb wieder gestärkt werden kann. Nur dann wird es möglich, dass Reisebüros nicht nur Mehrwert für Leistungsträger UND Kunden schaffen, sondern auch wieder in die Lage versetzt werden, überhaupt erfolgreich wirtschaften zu können (das dann faktisch umzusetzen, muss dann jedes RB natürlich dann immer noch selbst leisten, das kann kein Verband tun). Ich verstehe Frau Linnhoffs Kommentar so, dass sie genau diesen Dialog vom DRV eingefordert hat. Ob dieser nun am 11.9. oder vorher stattfindet, ob in Iserlohe oder Berlin: DRV und asr tun m.E. gut daran, sich diesem Dialog konstruktiv zu stellen - ihren Mitgliedern gegenüber ebenso wie der bisher schweigenden Mehrheit der Nicht-Mitglieder gegenüber.

von klaus Kaiser, 29.04.11, 20:52
Es gibt ja noch den ASR als Stimme des Reisebüro-Mittelstands. Er ist als Verband unabhängig und konzentriert sich auf die Belange des touristischen Mittelstandes. In der politischen Landschaft ist er als Vertreter der mittelständischen Reiseunternehmen akkreditiert, und er bietet viel Raum für aktive Teilnahme und Mitgestaltung.

von Hermann-J., 30.04.11, 09:57
Den asr "als Stimme des Mittelstands" zu bezeichnen trifft es ja nun nicht so ganz. Nimmt man die "Schmetterlinge" als Block heraus, bleibt ja nicht mehr viel übrig.

von Ulrich Roth, 30.04.11, 10:45
Nimmt man die "Schmetterlinge" als Block Um mal hier mit einem Irrtum aufzuräumen. Schmetterlinge sind kein Block im ASR. Man ist nicht automatisch als Schmetterling Mitglied im ASR. Das war in der Vergangenheit so, jetzt aber nicht mehr. Vielleicht mal aufmerksamer die Fachpresse lesen, bevor solche Behauptungen verbreitet werden.

von Robert, 30.04.11, 21:12
Zum Thema gute Vertretung und ehrliche Berichterstattung noch ein Nachtrag: Als TUI und Neckermann seine letzten Provisionskonditionen bekanntgab wurde auch hier in der Fachpresse von einen großen Schritt in die richtige Richtung gesprochen. In Wirklichkeit war es für viele der Reisebüros die schon 20 Jahre und mehr dabei sind und TUI und Neckermann zu dem gemacht haben was sie jetzt sind - ein Schlag ins Gesicht ! Genauso verhält es sich mit der Vertretung der Reisebüros in einem Verband dessen zahlungskräftigsten Mitglieder die grossen Reiseveranstalter sind. Von alleine wird sich das nicht ändern, wohl dem das sich jemand gefunden hat der dieses Thema anpacken will !

von Siegfried Egyptien, 02.05.11, 08:27
"Nur etwas, was (noch) nicht ist, kann etwas ändern, was offensichtlich (jetzt) nicht zu ändern ist!" (Zitat v. Oscar Niemeyer). In diesem Sinne hat der angedachte neue Reisebüro-Verband keine andere Zukunft als eine erfolgreiche vor sich. Er darf sich nur nicht damit begnügen, ein reiner "ANTI" zu sein oder sich als zusätzliche "Provisionssammelkooperationseinrichtung" zu sehen. Ein Blick zurück: Die TUI ist aus einer damals neuartigen Kooperation von Reisebüros entstanden. Ein Blick in die Gegenwart: Politiker und Bürger vieler Länder (innerhalb und auch ausserhalb der EU!) wollen mehr Tourismus haben als die grünistische Ideologie hergibt. Ein Blick in die Zukunft: Ein Tourismusverbund für Freiheit, Umwelt und Menschenrechte wird die Richtlinien der internationalen Politik bestimmen. Wenn dann noch das eine oder andere internationale touristische Großunternehmen dominiert wird, ist das auch kein Fehler. Die Forderung nach auskömmlicher Provision (15% halte ich für angemessen) kann nur eine Anfangsforderung sein, um die "Revolution" anzuheizen. Und wenn diese Provisionsferderung erfüllt ist, braucht es weitere Aufgaben, um die Bewegung in Schwung zu halten. Die Ereignisse diesen Jahres z.B. in der arabischen Welt sollten jedem zeigen, daß Stillstand das Ende des Status Quo herbeifüht. Wer sich bewegt, bewegt auch andere!

von alexander kretzsschmar, 02.05.11, 10:16
@Siegfried Egyptien wenn man sich die gründer und dazugehörigen reisebüros anschaut in verbindung mit den kommentaren in facebook (gruppe ulitmative touristiker) dann wird es eine reine anti gruppe oder provisionssammelkooperationseinrichtung werden. wenn die besagten reisebüros sich mit ihren forderungen nicht in den bestehenden verbänden durchsetzen können, werden sie es auch nicht als einzelne gruppe. zum thema auskömmliche provisionen, hierfür sind mit sicherheit alle reisemittler, das ist kein problem von stationären reisebüros. die forderung nach auskömmlichen provisionen nur für stationäre reisebüros finde ich allerdings ... (dazu fällt mir gerade kein passendes negatives wort für ein)

von Siegfried Egyptien, 03.05.11, 08:19
@alexander kretzsschmar Das aus einer reinen "Anti-Gruppe" mehr werden kann, haben die Proteste in verschiedenen arabischen Ländern gezeigt. Zuerst waren es "nur" die Brotpreise, dann kam der Ruf nach mehr Freiheit und danach für einige vorher Mächtige der Knast. Dort werden die Mächtigen der VA wohl nicht landen. Aber wenn die(se) Bewegung der Reisebüros groß genug wird, werden neben der "Provisionsfrage" noch andere wirtschaftliche, juristische und politische Forderungen auf den Tisch kommen. Dazu zählt auch "Anti-grünistisches": z.B. der staatlich gestützter Ablasshandel. Dieser aus dem Tourismus "entwendeten" Gelder müssen dem Tourismus zur Verfügung gestellt werden - zur Stärkung des internationalen Tourismus, von dem dann auch die Reisebüros profitieren werden. Und der politische Aktionskreis darf nicht nur auf DE oder EU begrenzt sein. Unser Geschäftsfeld ist global - so wie dass der Vereinten Nationen. Und daß die EU-Staaten, Deutschland vorneweg, dort fast immer "auf die Nase fallen", ist ein sicherer Beweis für Unvermögen.Wir Touristiker können das besser! Und wenn wir dadurch unabhäniger von den etablierten Veranstalter werden, oder diese gar über "neue politische Gebilde" dominieren, wird auch das Leben für die Reisebüros leichter. Das hat dann nichts mehr mit dem Unterschied "Stationär" oder "Web-RB" zu tun.

von alexander kretzsschmar, 03.05.11, 09:25
@Siegfried Egyptien ich klinke mich aus das geht mir absolut in die falsche richtung.

von Wolfgang Hoffmann, 03.05.11, 11:26
Die Unzufriedenheit der stationären Reisebüros mit bestehenden Zuständen in der Touristik ist oft genug spezifiziert worden. In zahllosen Statements haben sich Reisebüroinhaber detailliert geäußert. Das muss jetzt nicht alles wiederholt werden. Genauso gibt es Forderungen der stationären Reisebüros, die ebenfalls bis zum Gähnen wiederholt worden sind. Deshalb das Ganze als lediglich "Antibewegung" zu diffamieren ist armseelig. Dass die Initiative in erster Linie von den stationären Reisebüros ausgeht, das ist doch wohl selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass diese das Fundament der Touristik darstellen, ..dass diese ausbilden, ...die Brands der VAs, ihrer Handelsherren in aufwändig finanzierten Ladenlokalen überall, bis in den kleinsten Ort darstellen, ...wenn es mal brennt in der Welt (Vulkanaschewolke) die Anlaufstelle für den ratsuchenden Verbraucher darstellen und auch tatsächlich die meisten Erfolge in der Krisenbewältigung aufweisen können. Dabei werden die stationären Reisebüros auch noch schlechter von ihren Handelsherren beprovisioniert, als Onlineportale, die selbstverständlich höheren Umsatz aufweisen können, und deshalb vordergründig eine höhere Marktpotenz simulieren. Dass sich die stationären Reisebüros jetzt die Zeit und Energie nehmen und in vielfältigen Aktivitäten ihre Zukunft neu sortieren, das ist die Therapie für eine schwere Erkrankung der Tourismusindustrie, die auch längst die Veranstalter & Leistungsträger befallen hat - wenn nicht, von ihr ausgegangen ist. Symptome dieser Erkrankung, wie Rabatte und Parasitentum im Wettbewerb, die werden dadurch gezielt durch die stationären Reisebüros angegangen: Die Verbände und die Handelsherren sollten den Reisebüros dankbar folgen und jegliche Unterstützung geben.

von Reiner Iserlohe, 03.05.11, 12:12
So schön und kompakt wie Wolfgang hätte ich es nicht ausdrücken können. Danke.

von Michael Buller, 04.05.11, 00:13
Nur mal vorweg Wolfgang.....OTA werden definitiv nicht besser verprovisioniert (eher schlechter!)....aber das nur am Rande ;-) Die Diskussion um die mögliche Gründung eines neue Verbandes zeigt, das eine Unzufriedenheit in einen Teil der Branche ist und das ist sicherlich von den etablierten Verbänden ernst zu nehmen! Ich gebe allerdings auch Martin Pundt recht.....die Arbeit die die Verbände leiste ist meist nicht wirklich von außen zu sehen....insbesondere die politische Arbeit (und sei es nur zu verhindern was andere Länder z.B. i.S. neuer Pauschalreiserichtline fordern). Evtl. ist hier nötig über seine Informationspolitik neu zu überdenken. Allerdings sind auch alle herzlich ....insbesondere beim DRV eingeladen Verbandsarbeit zu leisten (das machen sogar wir als VIR) in div.Ausschüssen. Ob es nun ein weiteren Verbandes oder eine evtl. eigene Säule bzw. andere Vetretung im DRV oder ASR wird...(oder was auch immer)....auf jeden Fall scheint ein Teil dieser Branche (und der ist nicht all zu klein) ein Problem zu haben....und das ist ernst zu nehmen und ist irgendwie zu lösen und in keinster Weise ins lächerliche zu ziehen (und das hat sicherlich auch nichts mit der Ultimativen Touristiker Gruppe zu tun!)

von Wolfgang Hoffmann, 04.05.11, 16:30
Michael, seit die Onlineportale in der RTK-Online-Group sind, und seit Thomas Bösl gemeinsam mit Dir in Hannover bei der TUI gewesen ist, um bessere NTO Konditionen zu erreichen, glaube ich, dass die Onlineportale wirtschaftlich zumindest besser gestellt sind, als die stationären Büros, die sich von den VAs ja schon schief angucken lassen müssen, wenn sie mal einen Kunden aus dem Nachbarort bedienen. Und wenn ich belastbare Zahlen zu den Unterschieden zwischen den Konditionen habe, dann werde ich auch meine Maximalbefürchtung anpassen können. Was den DRV betrifft: http://www.fvw.de/ausschuss-fuer-krisenkoordination-gegruendet/393/88259/11180 In diesem "Ausschuss" sind ausgerechnet die nicht vertreten, die bei den touristischen "Wirren" des Jahres 2010 und bis 2011 andauernd die meiste Arbeit geleistet haben gegenüber den Kunden und die am erfolgreichsten diese Krisen im Sinne der Kundschaft gemeistert haben. Und trotzdem erwähnt der DRV in seinem PR Text mit keinem Wort die Reisebüros für diesen "Ausschuss", aber die Säule der Veranstalter wird hochgejubelt. Wie will der Reiseverband, der früher einmal Reisebüroverband geheißen hat, denn uns Reisebüros erklären, dass er uns doch alle liebt? Keine Teten, und jetzt noch nicht einmal minimalste Lippenbekenntnisse! Die Unzufriedenheit wird immer größer. Und sie ist nicht im geringsten durch eine Mitarbeit von Reisebüros im DRV zu kompensieren.

von Ekkehardt Kaifel, 09.05.11, 21:30
Anzumerken ist, dass die Schmetterlinge nicht im ASR sind. Sie waren es bis letztes Jahr. In der Mitgliederversammlung am 08.05.2011 wurde wieder mit viel Herzblut diskutiert und es stellte sich heraus, das der ASR viel näher an seinen Mitglidern ist, vor allem an den Reisebüros, als das der DRV. Es sei nur angemerkt, daß z.B.die Abschaffung des TUI-Malus auf die Initaiative de ASR zurückzuführen ist und nicht wie vermutet auf Veranlassung des DRV's, der lediglich 1Pressemeldung diesbezüglich veröffentlichte.

von Dirk Föste, 22.05.11, 12:50
Die Anzahl der Reisebüros wird in den kommenden Jahren um 25% sinken. Die Anzahl der konkurrierenden Vertriebskanäle wird steigen. Jeder Baustein-Anbieter wird Gesamtpakete schnüren, Suchmaschinen werden in den Reiseverkauf einsteigen. Daraus resultiert, dass die Macht des stationären Vertriebs sichtbar geringer wird. Somit wird eine eigene Interessenvertretung dieses unter Druck geratenen Vertriebskanals sehr wahrscheinlich - auch, wenn ich sie nicht befürworte, denn nur im Konsens mit anderen Kanälen und Veranstaltern lässt sich die Existenz langfristig absichern.

von Karl, 27.05.11, 19:05
???

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