Regierung

Das Mallorca-Desaster

Ex-Tourismusminister und der Werbechef wegen Korruptionsaffäre verhaftet – Mallorca macht im Moment mal wieder Schlagzeilen. Zeit, dass sich was dreht.

von Klaus Hildebrandt, 09.02.2010, 11:37 Uhr

Der aktuelle Tourimusminister Miquel Ferrer wurde entlassen, seinem Vorgänger Miguel Nadal und dem Generaldirektor für touristische Werbung, Joan Sastre, wird Korruption vorgeworfen. Nadal ist Mitglied der Union Mallorquina (UM), die lange von Maria Antònia Munar geführt wurde. Touristiker auf der Insel berichten seit langem hinter vorgehaltener Hand über Korruption. "Das ist wie Sizilien, nur ohne Morde", sagte neulich sogar ein Manager zu mir. Dazu kommt, dass Mallorca rückläufige Gästezahlen verbucht. Aus Deutschland kamen 2009 fast elf Prozent weniger Urlauber.

In Spaniens privatem Sektor wächst generell der Unmut über die für Touristik zuständigen Politiker. Auch auf den Kanaren und in anderen Regionen wie Marbella wurden schon zuvor Korruptionsfälle aufgedeckt. Auf der jüngsten Konferenz des spanischen Branchenverbands Exceltur im Januar in Madrid übten Top-Hoteliers wie Sebastián Escarrer (Sol Meliá) oder Simon Pedro Barceló (Barceló Hotels) deutlich wie nie zuvor Kritik. Kein Wunder: Spanische Hoteliers beherrschen ihr Handwerk, von Mallorca aus expandierten sie in die Karibik und die ganze Welt. Demgegenüber stehen, wie zuletzt auf Mallorca, heillos überforderte Provinzpolitiker.

Schon bevor die jüngsten Korruptionsskandale ruchbar wurden, waren die mallorquinischen Tourismusstrategen nicht gerade durch überraschende Konzepte oder geniales Marketing aufgefallen. Früher war das auch nicht nötig, die Urlauber kamen von allein. Doch diese Zeiten sind vorbei, andere Länder im östlichen Mittelmeer geben Gas im Marketing.

Doch alles Lamentieren nützt nichts. Mallorca und die Balearen sind nun mal das Brot- und Buttergeschäft der Veranstalter und auch der Reisebüros, am Wohlergehen des Inseltourismus haben wir Deutschen ein vitales Interesse. Und an der landschaftlichen Schönheit und den gastronomischen Reizen besteht ohnehin kein Zweifel. Wie sehen Sie das Mallorca-Geschäft – und was müsste die neue Tourismusministerin der Balearen, Joana Barceló (die übrigens nicht mit der Hoteldynastie verwandt ist), tun?

Kommentare

von Stefan Werner, 10.02.10, 09:21
Ich glaube, Mallorca muss aufpassen, dass die nicht wieder so ein Image wie vor einigen Jahren nach der Einführung der Ökosteuer für Touristen bekommen. Die ETA-Anschläge und die Schweinegrippe letztes Jahr haben sich bei uns auf die Buchungen eigentlich nicht spürbar ausgewirkt. Abe r es dürfen auch nicht nur Negativ-Nachrichten kommen. Alles was auf Mallorca passiert, lesen unsere Kunden immer gleich auch in der BILD-Zeitung.

von Andreas Kunze, 06.04.10, 12:28
Sorry, aber das einzige Mallorca-Desaster sind solche Überschriften. Die Korruption ist ohne Zweifel übel für die Insel, da Geld in den falschen Taschen landet. Aber 99 Prozent der Touristen interessiert das nicht. Und sie bekommen davon auch nichts mit, Es sei denn, es wird von Medien als besonders dramatisch herausgehoben. Dann ensteht der Eindruck, Mallorca sei geradezu ein Verbrecherparadies. Das Gegenteil ist der Fall: Mallorca ist verglichen mit anderne Touristenzielen eine sehr sichere Insel.

von Klaus, 06.04.10, 17:08
Hallo Herr Kunze, auch wenn die Debatte schon etwas älter ist, und der Tourist nichts davon mitbekommt, die Vorgänge sind schon in einer gewaltigen Dimension. Erst heute berichtet die Zeitung "Die Welt", dass der langjährige Ex-Premierminister der Balearen, Jaume Matas, wegen der angeblichen Veruntreuung von 41 Mill. Euro (!) nun vor Gericht gestellt wird. Und was das Mallorca-Image angehen: Die fvw veranstaltet dort mit Reisebüros, Veranstaltern und Touristikern von Mallorca Ende April einen Workshop – wenn davon dann positive Signale ausgehen, um so besser.

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