Rabatte

Gelesen und verstanden

Offenbar haben wir eine neue Lesergruppe gewonnen: Banken und Sparkassen. Für sich allein genommen ist das noch kein Grund zum Jubeln.

von Dirk Rogl, 02.10.2008, 10:11 Uhr

Versprochen, liebe Leser, wir sind und bleiben das Magazin für Touristik und Business Travel. Aber es freut uns schon, dass uns offenbar immer mehr Banken und Sparkassen lesen. Das gilt insbesondere für die Ausgabe 17/08, in der wir schon auf der Titelseite provokativ nach den Sündern bei der Rabattvergabe fragten. Ein Genuß war die Lektüre für die Kreditinstitute gewiss nicht. Denn sie standen kollektiv am Pranger. Jochen Brachs, Vorstandschef der Sparkasse Hochschwarzwald, findet das unfair. Auch sein Institut bietet Mastercard-Gold-Inhabern Rückvergütungen. Niemand geringeres als DRV-Vorstand Angelika Hummel hatte das kritisiert. Aber Jochen Brachs rief in der Redaktion nicht an, um zu meckern. Das Thema sei bei ihm angekommen, versichert er. Er werde sich in den zentralen Gremien der Sparkassen dafür engagieren, dass derartige Angebote gestoppt werden. "Wir wollen unsere Kunden, die Reisebüros, nicht schädigen", sagt Brachs. Allerdings sei sein Haus nur ein kleiner Spieler im Verbund der Sparkassen. Reaktionen wie die von Brachs sammelt aktuell auch DRV-Vorkämpferin Angelika Hummel ein. Knapp 100 Protestbriefe haben sie und andere Reisebüro-Inhaber im Sommer an diverse Geldhäuser geschickt. Klare Forderung jeweils: Keine Reiserabatte mehr am Bankschalter. Hummels Bilanz ist durchwachsen: einige Bänker, wie Jochen Brachs, geloben Besserung. Andere hingegen beharren auf ihrem Geschäftsmodell oder schweigen. Aber immerhin: fast älle hatten den fvw-Titel gelesen, berichtet die Mittelständlerin. Zugegeben: Für Agenten, die sich stetig mit den Reiseschnäppchen ihrer Hausbank messen lassen müssen, ist Letzteres für sich allein genommen ein eher schwacher Trost. Hoffen wir also auf weitere Reaktionen.

Kommentare

von Walter, 02.10.08, 11:45
Ich fürchte, Herr Brachs wird, wie er selbst schon einräumt, in seiner Sparkassenorganisation auf Granit beißen. Anlässlich der EXPO(falls sich niemand mehr daran erinnert: die fand im Jahr 2000 in Hannover statt!)wurde dieses Rabattgebahren sogar zum Politikum, als die Sparkasse Hannover die streng tarifierten EXPO-Tickets rabattierte. Alle Proteste plätscherten an der Arroganz der Sparkassengranden ab. Und leider hat wohl auch kein Reisebüroinhaber bisher seine Drohung wahrgemacht, sein Konto zu kündigen, falls sein Kreditinstitut in dieser Branche wildert. Aber der fvw sei dank, dass sie dieses leidige Thema mal so prominent aufgefgriffen hat. Vielleicht höhlt steter Tropfen doch noch den Stein.

von Wolfgang Hoffmann, 02.10.08, 15:44
Seit 2000 hat sich für die Welt der Kreditinstitute allerdings gewaltig was geändert, oder? Und genau diese Entwicklung gilt es auszunutzen! Quer durch alle Interessengruppen unserer Branche und über alles Konkurrenzdenken hinweg sollten in allen Städten sich die Reisebüros zusammentun und ihren Kreditinstituten ihrer Stadt klar machen, dass sie der gemeinde Liquidität dadurch abziehen, dass sie das Reisebürogeschäft in eine andere Stadt, an einen außenstehenden, zentralen Dienstleister umleiten. Sowas ist Liquiditätstransfer, da wird der eigenen Stadt, dort, wo man sein Geld verdient, wo die eigenen Bankkunden leben und arbeiten, die Möglichkeit zur Wertschöpfung entzogen! Das sollte man denen gerade aus aktuellem Anlass einmal ganz klar machen. Und der IHK am Ort und der Stadtverwaltung. Und dann sollte man das noch seinen Abgeordneten des Landkreises stecken - so sie es denn kapieren! Übrigens: Wir in Krefeld machen das gerade.

von Rainer Nuyken, 02.10.08, 22:28
Ich habe das Thema inensiv mit unserer Volksbank diskutiert. Dort sieht man die Rueckverguetung als wirkungsvolles Marketinginstrument zur Gewinnung neuer Goldkarten-Kunden, das zugleich kostenlos sei, da die Rueckverguetung von einem Reisebuero an die VoBa-Zentralbanken DGZ und WZG herangetragen worden seien. Wenn dem so ist, muss unsere Branche zuerst einmal intern aufraeumen. Wenn man an die Veranstalter appeliert, solche Agenturen auszuschliesen, erfaehrt man zuerst, dass die Rueckverguetungen nach einem Urteil des OLG Dresden rechtmaesig seien. Ich meine aber, wenn es gelang, durch NTO-Vertraege Internetportale anders zu stellen, sollte das doch wohl auch mit rueckverguetenden Agenturen gelingen koennen. Zweiter Einlass der Veranstalter: die Buchungen aus dem VoBa- und Sparkassenumfeld lassen sich nicht zurueckverfolgen, da die letztendlich einbuchende Agentur nicht identifiziert werden koenne. Ich habe im Internet recherchiert und bin in einem Forum auf einen Kunden gestossen, dessen Buchung sich zweifelsfrei nachvollziehen liess. Die Buchung wurde von der Schmetterling Buchungszentrale gebucht. Herr Mueller von mir darauf hingewiesen hat meine E-Mail bis heute nicht beantwortet. In fvw 17/08 wurde geschrieben, dass solche Buchungen schon frueher auf Schmetterling zurueck verfolgt werden konnten. Herr Mueller sagte aber der fvw, dass er nicht nachvollziehen koenne, woher diese Buchungen kaemen und dass es in seinem eigenen Interesse laege, solche Buchungswege abzuschalten. Nun: ich habe ihm eine Buchung geliefert, die ihn den Buchungsweg nachvollziehen laesst. Gleichwohl scheint nichts zu passieren, meine E-Mail hat er zumindest nicht beantwortet. Herr Mueller sollte schnellstens den Buchungsweg ueber seine Buchngszentrale abstellen, bevor er sich fragen lassen muss, wie sein Verhalten zum Betreiber einer der groessten deutschen Reisebuerkooperationen passt. Schmetterling taegt derzeit aktiv dazu bei, dass der Vertriebsweg Reisebuero nachhaltig beschaedigt wird. Ich bin nicht bereit, mich ohnmaechtig in mein Schicksal zu ergeben und bin gespannt, was Herr Mueller bei Reisebuerotag in Budapest dazu zu sagen hat.

von Michael Selzer, 03.10.08, 14:32
Unverantwortliche Banker machen den Vernichtungsfeldzug gegen den stationaeren Vertrieb. Ich bekämpfe das bereits seit Frühjahr 2005. Bei der Sparkasse Freiburg Noerdlicher Breisgau verantwortet der Banker Kary das Rabattgebaren. Alle Contomaxx-Girokontoinhaber erhalten bei der hotline RCI zwischen 3 oder 5% Rabatt. Das Rabattrückvergütungsunwesen wurde damals schon durch den SPK-Chef Kary damit abgetan, dass das nur Internetbucher seien, welche sowieso nicht im Reisebüro buchen. Ein absolutes Märchen! Dieser Manager hat nicht zur Kenntnis genommen, dass er Zugriff auf die Bilanzen der Reisebüros hat und ein Blinder wird erkennen, dass 3 oder 5% nicht zur Verfügung stehen. Dieser Banker vernichtet wissentlich die Reisebürs und auch seine Kunden. Das ist ein absoluter Missbrach seiner Kenntnis des sensiblen Bereiches der Bilanzen der Reisebüros. Tatsache ist, dass die Kunden sich in den Reisebüros beraten lassen und durch diesen Beratungsklau dort Beratung schmarotzen und dem hotline-Büro den klaren Buchungswunsch zukommen lassen, was dann i.d.R. keinerlei Beratung erfordert. Mein Kampf 2005 erfogte bei der Bankenaufsicht gegen die bankfremden Dienstleistungen. Der asr, wie auch der DRV wurden aktiviert und schrieben Briefe ohne Erfolg. Dann begann der "Winterschlaf 3 Jahre lang" Jetzt nach ca. 3 Jahren wachen offensichtlich Verantwortliche beim DRV wieder auf, weil man gemerkt hat die Sache ist untragbar geworden. Legt diesen Bankern das Handwerk! Es werden tatsächlich durch dieses wildern der Banken auf fremdem Terain die Kunden der Banken die Reisebüros betriebswirtschaftlich für Blinde erkennbar vernichtet! Der Unterzeichner hatte unverzüglich nach Beginn der Rabatte durch die Sparkasse Freiburg nördlicher Breisgau seine bisherige vertrauensvolle Geschäftsverbindung in 2.Generation mit dieser Bank -50 Jahre alt- unverzüglich eingestellt. Es wird vom Unterzeichner keinerlei Geld an Geschäftspartner auf ein Konto dieser Bank überwiesen, wenn andere Konten verfügbar sind. Das gilt auch für andere bekannte Banken, welche durch diese Rabattrückvergütungen bekannt sind. Kolleg/in/en reagiert auch! Es gibt Sie noch die netten, persönlichen Banken!

von Wolfgang Hoffmann, 06.10.08, 11:15
in dem Zusammenhang auch noch mal als Reminder, dass 1. das Callcenter eines Filialbetrieb der TUI in DUS ebenfalls das Fullfillment für so ein Rabatte gewährendes Kreditinstitut tätigt. Ich denke mal, Herr v. Düring weiß seit Langem davon! 2. wenn wir als Vorreiter der Bekämpfung dieses unlauteren Wettbwerbs die anderen Branchen, die ebenfalls von den Kreditinstituten ausgegeiert werden, wachrütteln könnten, dann würde diese ganze Rabattpiraterie auffliegen, und der sowieso mittlerweile miese Ruf dieser Finanzbranche dürfte um ein gruseliges Kapitel erweitert werden. Ich verstehe die Kolleginnen und Kollegen nicht, die von diesem Treiben wissen, aber sich nicht dagegen wehren! Dass da mal ein OLG in Münster bemüht worden ist und der Klageführer das Urteil dann vermutlich mit einer gespielten Resigniertheit einfach hingenommen hat, das alarmiert mich insbesondere. Es ist die Zeit der klaren Worte angebrochen - also ist auch die Zeit des Kampfes angebrochen. 5-7% Buchungs-Rabbat, bei gestohlenen Beratungen durch uns, sind das garantierte Ende des stationären Vertriebs. Nicht ein Reisebüro wird diese Entwicklung überleben. Wer sich da nicht mit allen verfügbaren, rechtlichen und auch nahezu grenzwertigen Mitteln dagegen wehrt, der ist sein Reisebüro nicht wert!

von Michael Buller, 06.10.08, 18:49
Immerhin scheint Reisen ja ein sichereres Geschäft zu sein als das eigentliche Kerngeschäft (mit dem gerade ein wenig probleme hat). Ich hoffe die Banken erinnern sich daran bei Kreditvergaben an Touristische Unternehmen. Gruß Buller

von Sammy, 13.10.08, 20:39
Dass man Schmetterling/Müller in dieser Sache nicht als ernsthaften Unterstützer des Vertriebs und Gegner der provisionsvernichtenden Rückvergütungen ansehen kann zeigt deren Partnerprogramm, welches teils sogar von seinen Reisebüros aktiv beworben wird. Wen es interessiert: http://www.tournet24.de

von Ralf-Gunnar Ludwig, 20.08.09, 13:22
"Wir wollen unsere Kunden, die Reisebüros, nicht schädigen", sagt Brachs. Allerdings sei sein Haus nur ein kleiner Spieler im Verbund der Sparkassen. Viele kleine Lichter können auch die Erleuchtung bringen. Gerade bei den Sparkassen, gibt es genügend Beispiele dafür, dass es auch anders geht. Cheers Ralf-Gunnar Ludwig www.igfr.de PS. Hat sich Herr W. Müller zwischenzeitlich zu dem Thema geäussert? Nach wie vor scheinen Schmetterling Agenturen z.B. hinter den Rückvergütungsaktivitäten von Travelsetter.de und urlaubsplus.de zu stecken.

von Reiner Iserlohe, 20.06.11, 14:07
Irgendwie hat sich in den letzten Jahren nichts geändert. Es wird nach wie vor fleissig bei Schmetterling gebucht, wobei die Ausreden immer noch die gleichen sind. Hinzugekommen ist jetzt rtk Partner weg.de, die es mit dem Stromversorgern treiben. Ich kann mich des Eindrucks leider nicht mehr erwehren, das die ersten Feinde der stationären Reisebüros die eigene Kooperationen sind und die Reisebüros selbst das scheinbar völlig in Ordnung finden.

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten