Provisionen

Warum das Abendland doch nicht untergeht

Das Schicksal von Marija Linnhoff ist traurig. Was die Wirtschaftswoche daraus gemacht hat ebenfalls.

von Dirk Rogl, 31.08.2009, 10:07 Uhr

Das Thema ist komplex, das Ende tragisch. Marija Linnhoff, Erfinderin der Koffer-Abwrackprämie und im Sommer Gast in der Kerner-Talkshow im ZDF, kämpft (wie so manch Reisebüro-Inhaber in diesen Tagen) um ihre Existenz. Und ausgerechnet die Wirtschaftswoche erklärt, weshalb. "Der Tourismusbranche droht der Image-Gau", schreibt das Blatt. Zumindest bemüht es sich nach Leibeskräften, diesen herbeizureden. Keine Frage: Im Fall Linnhoff ist einiges nicht mit rechten Dingen zugegangen. Vor vier Jahren erwarb sie in Iserlohn ein nach Prüfung der Bücher gut gehendes Holidayland-Büro. Doch statt erwarteter 650.000 Euro Jahresumsatz sank das Buchungsvolumen in 2006 auf 260.000 Euro. Reiseprofis können sich die Folgen ausmalen: Die Provision sank rapide und teilweise unter die Grundprovision. Holidayland-Mutter Thomas Cook steht im Verdacht, die alleinerziehende Mutter bei der Prüfung der Bilanzen falsch beraten zu haben. Vieles spricht für die heute in der Wirtschaftswoche geschriebene Interpretation, dass hier jemand die "Umsatzschaukel" angeschmissen und Buchungen von einem Büro in das andere umgelenkt hat, um so höhere Provisionsstufen zu erreichen. Das ist nicht unbedingt kriminell, aber eben doch in den Agenturverträgen der meisten Veranstalter untersagt. Wie branchenintern bekannt ist, gibt es trotzdem jede Menge Unterbuchungsagenturen im Land. Und das aus gutem Grund. Es herrscht ein gewisser Konsens in der Branche, dass die Neuverteilung von Umsätzen auf Büroebene ein recht effizientes Mittel ist, um die Erträge einzelner Büros zu stabilisieren. Tragisch für Marija Linnhoff ist, dass dieser Aspekt beim Verkauf des Büros offenbar nicht gesprüft worden ist. Ihr Geschäft ist nach eigenen Angaben nun mit 65.000 Euro verschuldet, und die Wirtschaftswoche drückt auf die Tränendrüse: "Der Tourismusbranche droht der Image-Gau", schreiben die Kollegen am Anfang ihres Zweiseiters. Weshalb, wird erst am Ende erklärt. Verbraucher hätten Nachteile. "Denn wenn Reisebüros noch Umsätze eines bestimmten Veranstalters benötigen, verkaufen sie halt schnell noch eine Reise...", heißt es dort. Die kollektive Sippenhaft des Vertriebs wird dann noch einmal von "Touristikprofessor Karl Born" unterstrichen. Einst ließ er als TUI-Geschäftsführer das Bindungsprogramm Horizonte optimieren, heute fordert er - laut Wiwo - "das ganze System öffentlich zu machen", etwa über "ein klares Schild am Laden, in welcher Mannschaft man spielt." Es ist möglich, dass auch Karl Born falsch interpretiert wurde. Dass Provisionssysteme und Bindungsprogramme kein geheimes Hexenwerk sondern Standard-Thema etwa in der fvw sind, sollte er wohl wissen. Versierte Reiseverkäufer wissen auch, dass der Umsatztausch mit anderen Büros aus Ertragssicht im Zweifelsfall der bessere Weg ist als seinen Kunden gezielt die Reise eines nicht passenden Veranstalters anzupreisen. Genau deshalb wird die Umsatzschaukel wohl auch von den Veranstaltern manchmal toleriert. Marija Linnhoff könne das ganze System ins Wanken bringen, schreibt die Wirtschaftswoche. Die Branche bringt das Blatt garantiert in Aufruhr. Denn nun gilt es den Kunden zu erklären, weshalb etwaige Umsatzverschiebungen die neutrale Beratung im Zweifelsfall eher fördern denn stören. Und es gilt zu erklären, dass Bindungsprogramme auch in anderen Branchen zum Tageshandwerk gehören. Und dann geht es auch noch um die steuerrechtlich saubere Abgrenzung von Info-Reisen. Denn auch diese haben die Kollegen der Wiwo dankenswerter gleich in ihr verzerrtes Bild vom Reisevertrieb eingearbeitet. Alles in allem eine eher unerfreuliche Geschichte für die Branche, oder? UPDATE (10:23 Uhr): Karl Born in der Wirtschaftswoche offenbar falsch wiedergegeben. Er habe das Thema Umsatzschaukel und den Fall Linnhoff bewusst nicht kommentiert, sagt er auf Anfrage.

Kommentare

von Bernd Schray betravel, 31.08.09, 11:26
Ein Link auf den Artikel wäre hilfreich.

von Dirk Rogl, 31.08.09, 11:32
Lieber Herr Schray, diesen Artikel gibt es bislang nur in der aktuellen Printausgabe Nr. 36 der Wirtschaftswoche.

von Karl Born, 31.08.09, 12:15
Es ist schon ärgerlich, wenn man gegenüber der WiWo ein klares Statement abgibt, dass man zum Thema Umsatzschaukelei generell und zum konkreten Fall speziell, keinen Kommentar abgeben will und es wird dann eine andere Frage aus anderem Umfeld in den Text eingearbeitet, dass der Leser einen Zusammenhang herstellen könnte. Meine Aussage neutral gesehen, dass Reisebüros sich in Zukunft optisch noch stärker zu einem Reiseveranstalter bekennen müssen, dürfte auch unproblematisch sein. Insofern habe ich in keiner Weise die "kollegiale Sippenhaft des Vertriebes" unterstrichen. wie käme ich auch dazu. Ein Glück, dass Dirk im Anhang nochmals nachgelegt hat. sonst hätte ich mich nicht nur über Wiwo sondern auch über fvw.de ärgern müssen.

von Wolfgang Hoffmann, 31.08.09, 13:17
Hallo Herr Born, ich denke, dass man Ihnen nichts kann, wenn Sie den WiWo Artikel hier mal einstellen. Immerhin geht es um Ihr Renommee.

von Christian Schlesiger, 31.08.09, 16:29
Wir haben Herrn Born in dem WirtschaftsWoche-Artikel korrekt zitiert. Herr Born nimmt Stellung zum Gedanken des Leitveranstalters und nicht zu den Umsatzverschiebungen. So war es mit Herrn Born abgesprochen und so haben wir ihn in den Text eingebaut. Der WiWo gegenüber hat Herr Born seine Zitate noch einmal bestätigt - so wie er es ja oben in seinem Kommentar zum FVW-Blog auch geschrieben hat.

von Hubert, 01.09.09, 10:17
@herr Schlesiger: Fair oder zumindest nett wäre es, wenn Sie, der Sie offensichtlich an der Quelle sind, den Artikel hier einstellen würden, anstatt darauf bedacht zu sein, dass nun jeder Blogger die WiWo kauft - soviele sind das ja (leider) nicht, dass sich daraus ein Umsatzboom für Sie ergeben würde.

von peter pan, 02.09.09, 10:44
ich hab schon lange nicht mehr so herzhaft gelacht. was bedeutet denn "nicht unbedingt kriminell"? also ist das ganze nur bedingt kriminell oder wie? ich weiss nicht wo der verfasser dieses artikels herkommt aber in der brd ist es so, wenn jemanden falsche zahlen vorgelegt werden damit dieser dann gewisse verträge untererschreibt ist das GANZ KLAR betrug von der finstersten sorte! hier wurde anscheinend jemand hinter das licht geführt und es besteht zu diesem thema wohl ganz klar aufklärungsbedarf. und dann wird statt aufzuklären HIER auf die "tränendrüse" gedrückt: von wegen der kunde profitiert davon und nur zum vorteil des kunden werden umsätze verschoben. hahaha liebe grüsse an den verfasser, so einen schman hab ich schon lange nicht mehr gelesen.

von Dirk Rogl, 02.09.09, 11:04
@Peter Pan, schön, dass Sie amüsiert sind. War offen gestanden nicht Sinn der Sache. Das Thema ist leider zu ernst. Mehr Hintergründe über die Statthaftigkeit von Unterbuchungen und die qahrlich elementare Frage, wo in dieser Story der eigentliche Skandal liegt, gibt es übrigens in der nächsten fvw 18/09, aus dessen Redaktion mit Sitz in Hamburg der Verfasser kommt. Lieben Gruß zurück.

von peter pan, 02.09.09, 12:15
@dirk rogl natürlich ist das thema ernst, dann aber auch bitte ernst behandeln und nicht so runterspielen. ihre erklärungen in dem artikel sind absolut unzureichend und deswegen unakzeptabel bzw. spiegeln nicht die realität wieder. allerdings zweifel ich nicht an ihrem aufnehmungsvermögen bzw. an ihrem problemverständnis sondern vielmehr an ihrer objektivität als journalist:). dann bin ich mal gespannt auf den kommenden artikel in der fvw. liebe grüße

von Max, 02.09.09, 13:32
Es fällt mir zunehmend schwerer die Realitätsferne einiger Akteure hier nachzuvollziehen. Da hat sich über Jahre hinweg ein fragwürdiges Buchungssystem etabliert, dass Reisebüros vertragswidriges Verhalten abnötigt und alle finden es völlig normal. Anstatt sich kritsch mit den Geschäftsgebaren der Veranstalter auseinander zu setzen, hält man lieber den Mund, nutzt stillschweigend das Instrument der Unterbuchung und hofft, dass die Veranstalter, die all dies wissen und den Vertrieb seit Jahren klein halten, einem nicht auf die Finger klopfen und die Verträge kündigen - getrost dem Motto "Angst essen Seele auf"! Ich finde es bedauerlich und überaus schade, dass eine anerkannte Kapazität wie Herr Born zu den drängenden Problemen der Branche schweigt und sich mit Äußerungen wie "kein Kommentar" aus der Schußlinie nimmt. Ich hatte die naive Hoffnung, dass Herr Born als eine Art "Grandsenieur" der Branche endlich einmal Farbe bekennt und Tacheles redet. Wenn die Großen um ihr Renommee fürchten, müssen halt die Kleinen den Kopf hinhalten! Schön, dass es Menschen wie Fr.Linnhoff gibt, die den Mut aufbringen, das scheinheilige System in Frage zu stellen, wofür ich ihr meinen aufrichtigen Respekt zolle. Dann passiert was passieren musste, das Imperium schlägt zurück und kündigt der couragierten Kleinunternehmerin nach zweifelhafter Beratung mit Euro 65.000.- Schulden den Agenturvertrag. In der Branche dückt man sich in dessen und hofft, das der Kelch an einem vorübergeht. Ich bezweifel überdies, das die Tricksereien zum Wohle der Kunden geschehen und der Unabhängigkeit der Reisebranche zuträglich sind. Wie lange will man noch den Kopf in den Sand stecken? Wann macht die Brache endlich Tabula rasa?

von Dirk Rogl, 02.09.09, 14:44
Ab jetzt frei zugänglich auf Wiwo.de - der Text über Marija Linnhoff. Direktlink: http://bit.ly/5N9N9

von Wolfgang Hoffmann, 02.09.09, 15:06
Oh, danke! Jetzt verstehe ich endlich mal, worum es überhaupt geht. Es geht darum, dass Herr Fankhausen einen offensichtzlichen Lästigkeitsfaktor verleihen darf, dass Herr Born vermutlich darin unbestritten die Nr. 1 sein dürfte, dass wir Reisebüros nicht nur beschissen werden, sondern Leibeigene eines derart verlogenen Systems von Repressalien sind, dass man sich eigentlich nur wundern kann, wieso wir diesen täglichen Idiotentanz, immer wieder neu, für einen Hungerlohn abzaubern, als wären wir nicht ganz gescheit! Und wenn Herr Born fordert, diesen ganzen Irrsinn einmal den Verbrauchern mitzuteilen, um die es uns Reisemittler eigentlich in erster Linie gehen sollte, dann rennen alle ganz aufgeregt durcheinadner und schreien hysterisch um Hilfe. Also, wie üblich. Wie immer. Der ganz normale Wahnsinn unseres Buisiness'.Weiter so. Augen zu, und durch! Same As It Ever Was!

von Ralf-Gunnar Ludwig, 02.09.09, 15:56
Zunächst einmal, halte ich die Kritik in Bezug auf den Eingangsblog als unangebracht. Wie heisst es in der Einleitung "hier wird mit einem Augenzwinkern gebloggt" - - - - - - Dann stellt sich die Frage, welches Thema hier (im Blog) eigentlich diskutiert werden soll, geht es um Inhalte oder um die Meinung der Branche zu dem Artikel an sich und der Frage, ob dieser der Branche schadet, ob der "Image-Gau" tatsächlich vor der Tür steht. - - - - - Aus zeitlichen Gründen beschränke ich mich zunächst auf eine Bewertung des Beitrags in der WiWO: Ein Artikel mit reisserischen Überschriften auf BILD-Zeitungs-Niveau ,dem es an substanziellen Inhalten und verwertbaren Informationen für die Verbraucher fehlt.

von Ralf-Gunnar Ludwig, 02.09.09, 16:10
Nachtrag: Fast schon eine Frechheit ist es, dass in dem Artikel dann noch RIU Punkte & Co als Grund für eine mangelnde Objektivität angeführt werden. Welche Rückschlüsse lässt eine solche Aussage eines Journalisten, in Bezug auf die allerseits üblichen Presserabatte und kostenlose Reisen zu!?!

von Bernd Schray betravel, 02.09.09, 17:03
"Der Tourismusbranche droht der Image-Gau". Eine Schlagzeile der WiWo, die den Kern nicht trifft. Warum? Weil Reisebüros steuern? Weil Veranstalter lenken? Weil Reisebüromitarbeiter verkaufen? Weil Marketing Marketing ist? "Dunkle Punkte. Reisebüromitarbeiter kassieren verdeckte Prämien." Liebe WiWo, das ist eindeutig einseitig und stellt sich anders dar als suggeriert. Expedienten müssen die Produkte, die Zielgebiete und die Angebote kennen, um a) besser beraten, b) besser verkaufen zu können. Dazu sollten sie wissen, wovon sie sprechen. Auf sogenannten Infos und Expedientenreisen lernt man diese Produkte kennen. Dass RIU nicht die Hotels der Konkurrenz subventioniert, sondern die eigenen Hotels ist wohl logisch und nachvollziehbar. Dass die Hotelmarken die besten Expedienten fördern ist wohl auch verständlich. Das Bestenprinzip findet überall Anwendung, selbst in Wirtschaftsredaktionen. Auch hier werden Incentives und Einladungen zu Events als Anreiz für Lobbyarbeit eingesetzt, ohne dass man sofort von Manipulaton einer ganzen Branche reden kann. Das ist ein Schwerpunkt des Artikels, ein anderer ist die individuelle Klage der Frau Linnhoff gegen den Verkäufer ihres Reisebüros. Hier wurde wohl gemauschelt, getrickst und geschoben. Das ist - wenn nachgewiesen - auf der individuellen Ebene verwerflich und sollte genau untersucht und gerichtlich geklärt werden, aber davon zu schliessen, dass jetzt Kunden daraus "gravierende Nachteile" erwachsen, kann ich so nicht nachvollziehen. Der Nachteil ist Frau Linnhoff erwachsen. Aber wo, bitte, wurde ein Kunde damit geschädigt? Das Argument ist in dieser Breite nicht richtig: "Denn wenn Reisebüros noch Umsatz eines bestimmten Veranstalters benötigen, verkaufen sie halt schnell noch eine Reise, die für den Geldbeutel eines Agenturbetreibers, aber nicht für den Kunden das Beste ist." Ein Hotel kann bei mehreren Veranstaltern, TUI, TC und Rewe, im Programm sein. Welchen Nachteil hat der Kunde, wenn ich entweder TUI, TC oder über Rewe einbuche? Keinen, bzw. kaum einen, ausser marginalen Preisunterschieden und im Service und Add-ons machen sich Unterschiede bemerkbar. Dass Reisevermittler steuern, ist so klar wie es andere Händler (egal welche Branche) auch tun. Und letztlich, so willenlos wie es im Artikel dargestellt wird, sind die Kunden auch nicht. Die wissen ganz genau, was sie wollen und lassen sich nicht jedes Hotel und jedes Angebot aufbinden. Im Übrigen … die Zahl der Reisebüros sinkt aus vielerlei Gründen. Die notwendige Anpassung an veränderte Vertriebswege und Marktgegebenheiten ist in vollem Gange, das Beispiel Linnhoff ist weder allgemein repräsentativ dafür noch ein Lehrbeispiel, wie ein besseres Vertriebsmodell aussehen könnte. Das müssen andere in die Hände nehmen und wird auch nicht auf dem Gerichtsweg geklärt.

von Sylvie, 02.09.09, 18:02
@Bernd Schray: Sie haben in allem Recht! @Max: Frau Linnhoff mag ja eine "couragierte Unternehmerin" sein. Aber mit ihrem öffentlichen Rundumschlag gegen Umsatzverlagerungen schadet sie uns allen Reisebüros. Was können wir denn dafür, dass sie Stress mit TC hat.

von odin, 02.09.09, 19:35
Wenn ich den Artikel (WiWo)richtig gelesen habe kämpft Frau Linnhoff seit 4 Jahren gegen den zweitgrößten Reisekonzern in Deutschland und seit 4 Jahren schweigt sie. Mir ist sie außer mit der Kofferabwrackprämie noch nicht aufgefallen. 1.Respekt das sie bisher geschwiegen hat. 2. Ich bin froh, dass das Thema Umsatzverschiebungen, Unterbuchungen etc. mal angesprochen und (hoffentlich)konstruktiv diskutiert wird. 3. Die Veranstalter sollten sich fragen, ob das Provisionsmodell nicht endlich "modernisiert" werden sollte. 4. An alle die Frau Linnhoff im Augenblick noch verteufeln, diese sollten sich fragen, ob sie auch den Mut gehabt hätten einem Herrn Dr. Fankhauser entgegen zu treten. 5. Zum Abschluß ein Denkanstoss: Warum kritisiert eigentlich niemand Herrn Dr. F. er scheint sehr "unprofessionell" (siehe Zitat von Herrn Dr. F in der Wiwo) an die Angelegenheit herangegangen zu sein, oder??? Frau Linnhoff weiterhin viel Glück, und toi, toi, toi

von max, 03.09.09, 09:57
Unabhängig von der individuellen Bewertung des WiWo-Artikels begrüße ich die beginnende Auseinandersetzung mit den drängenden Problemen der Branche. @sylvie: Was Sie dafür können? Sie sind Teil des Systems und haben jahrelang geschwiegen. Sie haben ein System akzeptiert, das seine eigenen Regeln nicht achtet und Sie zu "illegale" Unterbuchungen zwingt. Sie müssen tricksen um zu überleben und finden das schon völlig normal. @odin: Richtig, ein Topmanager wie Herr Dr.Fankhauser liefert sich einen Privatkrieg mit einer kleinen Reisebüroinhaberin und alle einschl. Aufsichtsrat finden auch das wieder völlig normal. Hat der Chef keine anderen Aufgaben? Letztlich war es jedoch seine Beharrlichkeit im "Zweikampf", die das Problem an die Oberfläche gespült hat - Eigentoooor!!!! Die Branche hat nun endlich die Chance etwas zu ändern! Das Thema darf nicht wieder in der Versenkung verschwinden. Jeder einzelne - auch Sie Sylvie - trägt die Verantwortung dafür, dass die drängenden Fragen endlich auf den Tisch kommen und die Profiteure nicht wieder zum Business as usual zurückkehren. "Yes, we can!"

von Bernd Schray betravel, 03.09.09, 11:44
Hallo max. Ich zitiere Sie: "Sie sind Teil des Systems und haben jahrelang geschwiegen." Worum geht es denn hier? Um Verbrechen an der Menschlichkeit??? Bitte den Ball etwas flacher und die Argumente sachlicher halten. - "Die Branche hat nun endlich die Chance etwas zu ändern!" Ich frage mich, wo Sie konkret die Chance zur Veränderung der Branche anhand des Konflikts Linnhoff vs Holidayland / TC sehen? Wenn es mehr als ein allgemeiner Appell sein soll, müssen Sie schon Butter bei die Fische liefern!

von max, 03.09.09, 13:37
Es geht um ein System, dass kleine Reisebüros massiv benachteiligt, weil viele Veranstalter immer noch gestaffelte Provisionen mit einem Anfangssatz von 5% zahlen. Es geht um ein System, dass Reisebüros im wirtschaftlichen Überlebenskampf zum täglichen Vertragsbruch nötigt. Es geht um ein System, dass falsch berät und Ehrlichkeit und Integrität mit Vertragskündigung honoriert. Es geht um nicht mehr als die Würde der Beteiligten, die nur durch vertragswidriges, verbotenes Verhalten täglich ihre Existenz retten müssen. Versuchen Sie doch einfach einmal Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter dieses System zu erklären! Möchten Sie dieses Verhalten zur Maxime Ihrer Erziehung machen? Lug und Trug als tägliche Morgenübung! Ich sehe die Möglichkeit, das die Umsatzgrenzen abgeschafft oder zumindest angepasst werden, damit endlich eine solide Finanzplanung ermöglicht wird. Ich sehe die Möglichkeit das Kunden wirklich unabhängig beraten werden. Ich sehe die Möglichkeit, dass Hilferufe wie: Ich brauche noch Euro 3.000.- Umsatz beim Veranstalter XY" der Vergangenheit anhören. Ich sehe die Möglichkeit einer Atmoshere der gegenseitigen Wertschätzung, in der man sich partnerschaftlich verhält und nicht ständig gegenseitig besch...! Dazu braucht man "nur" die Solidarität der anderen, und das untrügliche Wissen, dass es schon morgen mich treffen kann.

von Wolfgang Hoffmann, 03.09.09, 14:38
@Max mag etwas aufgebracht formulieren, aber nach der Argumentik, die er aufführt steht ihm das zu. Ich halte mich an Born - so er das so gesagt und auch gemeint hat - dass einige Dinge in der Öffentlichkeit diskutiert gehören, dass einige Vorurteile mal endgültig anhand der öffentlich gemachten Wirklichkeit ausgeräumt werden, dass der Verbraucher mal hinter die Kulissen einer, auch an der eigenen Angst und Verlogenheit, siechenden Branche krankt. Nur ein paar Stzichworte: Nein, wir sind keine Außenstelle der VAs, die sowieso immer ein Gehalt bekommen, egal, wo Kunde bucht. Nein, wir bekommen nicht rund 50% des Buchungswerts und können deswegen mal eben 10% Rabatt gewähren. Nein, es ist uns nicht egal, dass Kreditinstitute unsere Branche mit Rabattpiraterie umbringen, unsere Umsätze und die Daten unserer Kunden dabei noch verwalten und dafür sorgen, dass das Stadtsäckel der Stadt, wo sie Geschäfte machen immens schwächen. Nein, es ist uns nicht gleichgültig, dass eine ganze Branche hysterisch die preise nach unten trudeln lässt und damit imagemäßig den Wert des Produkts "Urlaub" nahe minus Null abrutschen lässt. Nein, es ist uns nicht gleichgültig, dass ein System gegenüber der Öffentlichkeit unbekannt bleibt, in dem Beratungswerte an Prozesszeiten gemessen werden, unterbezahlten Hilfskräften angeordnet wird, auf-Deuvel-komm-raus bestimmte VAs den Kunden aufs Auge zu drücken. Seit wir in den Reisebüros die Beratungshoheit für das Produkt Reisen verloren haben, jeder usbekische Dackel auf seinem WWW-Portal Reisen verkaufen kann, wir Ausdrucke vorgelegt bekommen, was wir gefälligst zu buchen haben, ist dei Zeit vorbei, dass wir "nach Hinten gehen", wie Apothker und irgendwas zusammenmixen können, was dann lateinisch benannt wird und em der Ruch des Geheimnisvollen umgibt. Urlaub & Reisen ist eine ganz normale Konserve im für alle frei zugänglichen Regal geworden, für jeden vergleichbar und für alle selbst mischbar. Deshalb ist es aus und vorbei, dass wir uns gebärden, wie Druiden. Allerhöchstens wird man misstrauisch, wenn wir immer noch so tun, als hätten wir was zu verbergen. Wir, der stationäre vertrieb, wir haben nur noch eine Zukunft, wenn wir uns ins gespräch bringen, den Fragen stellen und auch ungefragt Transparenz anbieten. Da heuchelt man Verwunderung darüber, dass die WiWo irgendwas schreibt - verdammt, die wissen es nicht besser! Ich musste Politikern erst einmal erklären, was wir Reisebüros überhaupt machen, wovon wir leben. Da habe ich begriffen, dass wir bereits überflüssig geworden sind: Man interessiert sich noch einen feuchten Kehricht für uns! Lasst doch mal den Born in die Öffentlichkeit und Tachles reden, wie antiquiert strukturiert unsere ganze Branche ist, und überlasst es doch nicht immer der Boulevardjournaille, Gerüchte über uns zu verbreiten! Von den üblichen "Interessenvertretern" haben wir diesbezüglich doch nicht die Bohne zu erwarten.

von Wolfgang Hoffmann, 03.09.09, 14:47
Nur als Ergänzung, was uns nicht egal ist: Nein, es ist uns nicht egal, dass die Veranstalter nachverhandelt haben, dass der Hotelier am Roten meer seinen Angestellten sagt, dass sie bleiben dürften, aber ab jetzt kein Gehalt mehr bekämen, sich halt mehr bei den Gästen um Bakschisch bemühen müssten. Ich warte auf den ersten Fernsehbericht der Boulevardjournaille, in dem der Eindruck vermittelt wird, dass wir Reisebüros unsere Kunden in Ali Babas Räuberhöhle verkaufen!

von michael Buller, 03.09.09, 15:09
Als erstes mal....Lieber Peter Pan...schreib doch solche Sache einfach mit Deinem echten Namen...erst dann zählts! Aber nun zum Thema.....glaubt man denn wirklich das die gezielte Steuerung von Umsätzen für den Kunden wirklich so ein Problem ist? Das erlebt er (wir) jeden Tag...im Supermarkt .beim Autohändler...im Elektorfachgeschäft, im Discunter usw. usw. und da gibt es genau das was dort Angeboten wird und das ist gesteuert. Warum diese Forderung von einer Branche ständig vereinleibt wird kann ich nicht nachvollziehen...das tun andere Branchen nämlich nicht.

von Wolfgang Hoffmann, 03.09.09, 15:09
http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/wie-reisebueros-verdeckte-praemien-kassieren-406857/

von Wolfgang Hoffmann, 03.09.09, 16:08
ja-isses-denn, lieber Meister Buller, jetzt verharmlosen Sie doch nicht den kommenden Image-Gau. Wir, die gesamte Reisebranche hat das Image verpennt! Wir habgen uns viel zu sehr darauf verlassen, dass Urlaub ansich schon so ein gutes Image hat, dass es automatisch auf unser Tun und lassen abfärbt. Mir ist noch nirgendwo so eine verschnarchte Branche untergekommen. Statt spinn zu doctorn, dass sich dei Balken biegen, verlassen wir uns auf einen roten Smiley. Lachhaft. Auch jetzt, wo man bei WiWo unter 2 derartig arme Artikel etwas schreiben darf, kommentieren kann, live, unmittelbar abgedruckt, tun sich alle schwer, die richtigen Worte zu finden. Zugenähte Lippen sind noch die Fleisch gewordene Schwatzhaftigkeit dagegen! Ne, ne, wir, unsere Branche ist absolut unfähig zu kämpfen. Wir würden nicht einmal gegen einen total lobotomierten an argumentieren können. Wir sitzen immer noch, wie die Potentaten in unseren Reisebüros, hinter den Countern und denken, wir würden Reisen, Urlaub verwalten. Nix haben wir mehr exklusiv. Alles ist auf dem markt frei verfügbar. Wir machen in verwaisten Büros Inventur mit bunten Veranstalterkatalogen, und sehen da Draußen Leute vorbeirennen, denen man förmlich ansieht, dass sie gerade Urlaub gebucht haben... aber nicht bei uns! Und dann will uns auch noch so eine Wirtschaftsjournaille in die Karre fahren, die gerade mal nicht das Shareholdertum in en Himmel schreiben kann - ja, hallo! Hier: http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/wie-reisebueros-verdeckte-praemien-kassieren-406857/ und hier: http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/teure-schiebereien-beim-verkauf-von-pauschalreisen-406967/comments/ wo sind Ihre Kommentare dazu bei WiWo?

von michael Buller, 03.09.09, 16:45
lieber Herr Hoffmann, das eine Presse das gerne so schreibt...und sich als Retter der Reisenden erklärt..ist doch klar...denn das liest man doch gerne! Ob der Consumer nicht mittlerweile schon schlauer ist....das ist eine andere Geschichte und ob das zum Supergau wird....na da schaun wir mal. Und gegen vorbei laufenden Kunden kann man was machen! Gruß Buller

von Wolfgang Hoffmann, 03.09.09, 17:29
Überaus geschätzter Herr Buller, Sie mögen ja souverän über einem langen Weg in dieser heiligen Branche thronen und in einer gewissen Milde auf das Gewusel bei uns hier Unten blicken, aber wenn man tagtäglich mitbekommt, wie sich eine Branche beständig selbst entwertet, und dann noch selbsternannte Hoods am Waldrand auftauchen und den Verbraucherschützer spielen, uns, den Vertrieb dann auch noch vorführen wollen, dann knallen mir die Sicherungen durch! Nix-für-ungut. Gleichwohl bin ich der Meinung, dass wir nicht passiv auf Falschmeinungen glotzen sollten, wir sollten jegliche Gunst der Stunde aktiv nutzen, ganz bewusst auf die medien zugehen und denen von uns aus male ein Paar Sätze aus dem Nähkästchen verklickern. Wenn die es bereits so gedreht haben, dass es falsch aufgefasst wird, dann kommen wir mit jeglichem Dementi viel zu spät. Wer sicn verteidigt, klagt sich an. Und irgendwann quatschen die uns noch Babies in den Bauch!

von Max, 04.09.09, 08:11
@Herr Buller, die gezielte Steuerung von Umsätzen ist ein Problem. Möchten Sie als Patient Medikamente verschrieben bekommen, die von Pharmaunternehmen "gezielt" gesteuert werden, oder möchten Sie Medikamente, die "gezielt" wirken? Augenscheinlich ist man im Gesundheitswesen besser vernetzt, da die "Steuerung" von Krankenhauspatienten in den Medien als Skandal thematisiert wird, während in der Reisebranche wieder nur das Schweigen der Lämmer zu vernehmen ist! @Hoffmann hat Recht, wenn sind die Interessenvertreter? Wo ist die Solidarität mit der Frau, die die Stein endlich ins Rollen gebracht hat. Wieso spricht keiner mit den Medienvertretern und macht deutlich, dass das kein Einzelfall ist. Dann liegt auch die Definitionshoheit beim Vertrieb und nicht mehr bei den Veranstaltern oder der Presse. Wenn es jetzt nicht gelingt das Thema in die Öffentlichkeit zu bekommen, dann wird man auch in 5 Jahren noch über die gleichen Probleme jammern.

von Frank Dost, 04.09.09, 10:54
Frau Linnhoff drückt auf die Tränendrüse, aus meiner Sicht, vollkommen unberechtigt. Fakt ist doch, bei den mir aus der WiWo und der Diskussion in der fvw bekannten Daten, dass man(n)/frau kein Reisebüro mit einem Umsatz von 650 TEuro wirtschaftlich betreiben kann! - Und wenn Frau Linnhoff, blauäugig an den Kauf herangetreten ist, dann muss Sie mit Problemen rechnen. Ein Kauf eines Reisebüros dieser Umsatzgröße, verbunden mit dem Fakt, dass der urprüngliche Besitzer ein weiteres Büro in einem Nachbarort betreibt, kann nur zu einem GAU = teilweisen Umsatzverlust führen. Und das hat Frau Linnhoff wohl nicht durchdacht. Merke: Medienpräsenz ist sicherlich die eine Seite, in der man(n)/frau sich sonnen kann, die Realität ist aber harte Kernerarbeit und das scheint Frau Linnhoff übersehen zu haben. Nun den "schwarzen Peter" bei Holidayland zu suchen, halte ich schlichtweg, für verlogen und kann der Aussage von Dr. Peter Fankhauser nur beipflichten = "Der Lästigkeitsfaktor der Dame ist hoch!"

von Wolfgang Hoffmann, 04.09.09, 13:46
aha! Man kann also kein Reisebüro mit 650.000 EUR Umsatz im Jahr betreiben. Vor allem nicht, wenn es im Nachbarort auch noch ein Reisebüro gibt. Und unter diesen Umständen ist eine Umsatzsteigerung wohl auch nicht möglich. Naja, man lernt hier eine Menge. Immerhin! Vor allem, wie man das eigentliche Thema wegdrücken kann.

von ich weiss was, 04.09.09, 15:14
*nerv* der artikel ist gut und richtig. jedoch hätte man mal die drei themenschwerpunkte etwas von einander entzerren müssen. -frau Linnhoff ist klasse. unternehmerisch war die zeit vor 4-5 jahren noch grossartig. 10 % provisionen bei allen veranstaltern, nette kleine bonis bei steigerungen und keine krise bei der reisebranche in sicht. dann auf einmal fällt den kollegen von ganz oben ein, da gibt es doch eine börse in london, die bringt kohle. aber die spielregeln dort lauten: bring deinen laden erstmal nach vorne, mach deine bilanzen schön und dann dafst du deine steuern sparen. also wo geld einsparen und trotzdem weiter kohle machen? internet war ja schon gelaufen. das geld, was dort verbraten wurde konnte nicht eingespielt werden. also am stationärem vertrieb sparen. also provisionen runter und mehr leistung von den reisebüropartnern verlangen. hätte frau linnhoff in die zukunft schauen können, hätte sie bestimmt nicht diesen weg in die branche gesucht. besser gesagt, wer wäre denn so blöd gewesen? mit 6% kann man nicht rechnen. dazu braucht ja jeder zweite schon nen taschenrechner (ironie verstanden?) -umsatzverschiebung ist bestimmt nicht nur in der reisebranche ein thema. aber wer gibt denn schon zu, dass er was macht, was er eigentlich nicht soll? grosse sind so gross geworden. ein bisschen ellenbogen zeigen und ab durch die mitte. frechheit siegt. wer geld verschenken möchte, bitte bei mir melden. aber umsatzverschiebungen bei einem verkauf zu verschleiern ist betrug. wenn die aktenlage klar diese verschiebung zeigt, muss man davon ausgehen, dass jemand von oben bescheid wusste. wie thomascook sich verhält lässt tief blicken. -bonis an mitarbeiter, vertreter etc zu zahlen ist ein alter hut. meine oma hat mir damals auch 1 dmark zugeschoben, wenn ich gute noten in der schule hatte. also warum kritik? wenn reisebüromitarbeiter eine reise günstiger bekommen, wen interessiert es? ich als kunde möchte gut beraten werden. wenn der mitarbeiter da war, kann er mich gut beraten. zudem weiss ich ganz bestimmt, dass auch hier der mitarbeiter seine steuern zu bezahlen hat. was ist das problem? grosse reisebüros generieren einen hohen umsatz, bekommen also mehr als kleine. kleine reisebüros werden durch geringen umsatz bestraft. also gehe ich lieber ein ein kleines reisebüro, denn: die müssen mich als kunden gewinnen, mich gut beraten und mich beim nächsten mal auch wiedererkennen. den grossen büros darf ich ja wohl egal sein. das prinzip der tante-emma-läden. kennt ihr die noch? der skandal ist doch nur, dass jedes reisebüro in deutschland um seine existenz bangen muss. die grossen, weil sie umsätze verschieben, die kleinen, weil die luft dünn geworden ist. der MaxMotz sagt es euch. hier steckt eine chance drin. ich behaupte sogar eine revolution. qualität sollte bezahlt werden, nicht die masse. chancengleichheit für alle. warum gibt es so viele "schlechte büros"? fast jede woche macht eins zu und brennt mit dicken kundengeldern durch. dank einer preisschlacht, die von oben ausgelösst wurde. wenn die veranstalter kassieren wollen, dann bitte direkt vom kunden. wenn die veranstalter ausdünnen wollen, dann bitte die schwarzen schafe der reisebranche. wofür gibt es den reiseverkehrskaufmann, wenn jeder ein reisebüro aufmachen kann? das ist der skandal. aber auch das alles lassen reiseveranstalter zu.

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