Provisionen

Warten auf die Pferdefüße

Die neuen Thomas-Cook-Provisionen sind auffällig unspektakulär. Wer bietet mehr (Aufreger)?

von Dirk Rogl, 23.07.2008, 18:20 Uhr

Bei der Verkündung ihrer neuen Provisionsmodelle laufen die Vertriebschef der großen Veranstalter gemeinhin zu verbaler Höchstform auf. Von Verlässlichkeit und neuen Potenzialen ist dann die Rede. Die Pferdefüße erschließen sich zumeist erst auf der Heimfahrt, bei der Lektüre des Kleingedruckten. Nach erster Durchsicht des 20-seitigen Thomas-Cook-Folders (vier Seiten weniger als 2007) bin ich ernüchtert. Für die meisten Agenturen ändert sich offenbar auffällig wenig. Vertriebsdirektor Günter Geske verkündet neue Umsatzpotenziale, weil auch die Buchungen der Partner Troll Tours, Aovo und China Tours in den Gesamtumsatz von Thomas Cook einfließen, und natürlich auch die dynamischen Eigenmarken Go-Bucher und X-Nec. Aber Vorsicht: Troll Tours & Co bringen den Agenten zwar in eine höhere TC-Staffel, haben aber für sich eine separate Provisionsregelung. Klingt kompliziert, ist es auch. Und: Noch-Partner Center Parcs geht im kommenden Touristikjahr eigene Wege im Vertrieb. Derartige Komplexitäten stehen naturgemäß im Kleingedruckten der bunten Provisionsfolder – genau dort also, wo die Branchenführer in den vergangenen Jahren auch die Erhöhung ihres Mindestumsatzes für das kommende Jahr (TUI) und die Wirkungsweise neuer degressiver Provisionsstaffeln (Thomas Cook) erklärten. Die Agenten wird es freuen, dass Thomas Cook auf derartige Dinge in diesem Jahr offenbar verzichtet. Wir sind gespannt, was die Mitbewerber bieten. TUI stellt seine Provisionen übrigens am kommenden Mittwoch vor, zufälligerweise exakt sieben Stunden vor dem Redaktionsschluss der nächsten fvw. Versprochen, liebe Leser, in den uns verbleibenden Stunden lesen wir ganz viel Kleingedrucktes - als reine Routine-Maßnahme, versteht sich. Ps: Haben wir doch etwas übersehen im neuen Thomas-Cook-Folder? Wir freuen uns immer über Feedback.

Kommentare

von Rainer Wedel, 24.07.08, 17:42
Hallo, einerseits erfreulich, dass nun auch bei NEC Kreditkarten eingesetzt werden können; andererseits wird das Disagio mit dem Reisebüro "geteilt".Schon wieder eine Abwälzung von Kosten, die z.B. beim Internet nicht anfallen! Was rechtfertigt eigentlich die starken Differenzen der Provisionen bei den unterschiedlichsten Gruppen-Zugehörigkeiten. Ein Beispiel: als HOLIDAY-LAND Reisebüro würde ich mich glatt diskriminiert fühlen. Rainer Wedel, REISEBÜRO S Ü D, 64319 Pfungstadt

von Dirk, 25.07.08, 16:22
Sonst keine Pferdefüße gefunden? Dann reden wir eben über meinen kleingedruckten Blog. Was ist eigentlich "degressiv" an den Provisionsstaffeln von Thomas Cook, fragte eben ein wahrlich treuer Leser per Telefon. Vielleicht, dass jede Agentur zu Beginn des neuen Touristikjahres wieder degressiv nach unten in der Staffel rutscht. Unterjährig allerdings geht es dann wieder nach oben mit der Provision, also progressiv. Asche auf mein Haupt: zumindest an 363 Tagen im Jahr haben wir hier tatsächlich eine progressive Provisionsstaffel.

von Ralf-Gunnar Ludwig, 29.07.08, 09:11
Antwort zu der Frage "Was bedeutet degressiv": " . . und der Malus ist auch schon drin!" Als Geske in 2006 vollmundig die Abschaffung des Malus verkündete, wurde gleichzeitig die Einstiegsprovision von 6% für alle eingeführt, von der man sich dann mühsam hochkämpfen muss, wobei die erreichten Provisionssätze nicht retroaktiv auf den Gesamtumsatz gezahlt werden, sondern nur auf die jeweilige Staffel. Als Krönung wurde dann noch die Unterteilung in zwei Sortimentsgruppen, mit jeweils eigener Staffel eingeführt. Mit diesem „genialen Schachzug“, war es den Neckermännern gelungen, der geforderten Abschaffung des Malus nachzukommen und dennoch den Reisebüros einen zweistelligen Millionen Betrag an eingesparten Provisionen aus der Nase zu ziehen. Einem Reisebüro mit 160 TSD Umsatz , mit einer Aufteilung von 120/40 (A/B), welches bei gleichem Umsatz 2005/06 noch 10% Provision erhalten hätte, bekam somit ab 2006/07 für den gleichen Umsatz nur noch rund 8% Provision. Und das nennt man dann nicht etwas aggressiv, sondern „degressiv“.

von Crissie, 29.07.08, 16:48
Nachdem heute auch die Post aus HAJ eingetroffen ist, sollte es einen neuen Beruf in der Touristik geben: Provisionsberater. No comment. Crissie

von www.igfr.de, 06.08.08, 18:11
> einen neuen Beruf in der Touristik > geben: Provisionsberater den brauchen dann aber nur die grossen agt. für die kleinen ist die rechnung ganz einfach: 220 TSD umsatz und auch nur 1% minus = 5% provision. 5% prov. bei > 200TSD umsatz, das ist nicht auskömmlich, sondern unanständig! und den malus gibts dann noch "on top". ich hol mir jetzt ne VISA karte von der raifeisen bank, sitzen gleich nebenan, buch meine kunde darüber, bekomme 7% ab dem ersten eur, kann den TUI umsatz gnadenlos in den keller fahren und brauch keine angst vorm malus haben ;-) cheers ASTROnaughty

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten