Preistransparenz

Wie Frau Kuneva die Airlines erzieht

Kennen Sie Meglena Kuneva? Ryanair-Boss Michael O´Leary kennt sie bestimmt, BA-CEO Willie Walsh wohl ebenfalls, und die Freunde der Glühbirne sowieso.

von Dirk Rogl, 15.05.2009, 15:03 Uhr

Wir wissen nicht genau, was am Mittwoch im Headquarter von British Airways sowie von Air France-KLM passiert ist. Wäre an diesem Tag nichts passiert, so stünden die beiden Giganten heute auf einer imaginären schwarzen Liste der EU-Kommission, die so zwar nicht existiert, aber über die heftig geredet wird. EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kunewa hat dem Preiswirrwarr im Airline-Vertrieb den Kampf angesagt. Gestern veröffentlichte die Bulgarin eine Liste mit insgesamt 16 Airlines, die auf ihren Websites voll und ganz der gesetzlichen Preistransparanz entsprechen und ihre Tarife inklusive aller Steuern und Gebühren ausweisen. Weitaus länger als diese Liste ist eine Datei mit Airlines, die dieses der forschen EU-Kommissarin zugesagt haben. Lufthansa etwa steht auf dieser "grauen Liste" (trotz entsprechenden TÜV-Siegels zum gleichen Thema) und auch Air France-KLM und British Airways. Beide Airlines hätten in letzter Minute eine Einigung zugesagt, erklärte die Kommissarin genüsslich. Hätten die beiden Carrier nicht eingelenkt, so stünden sie nun ziemlich offen am Pranger. Es geht um jene Carrier, die die strengen Vorgaben aus Brüssel nicht erfüllen und auf eben keiner der offiziellen EU-Listen erscheinen. Um die Namen dieser Kandidaten macht Kuneva kein Geheimnis: Turkish Airlines, Olympic Airlines und Emirates gehören dazu, berichtete sie. Und auch mit Germanwings befinde man sich in "andauernden Diskussionen". Fehlt noch Ryanair. Die nicht eben für transparente Tarife bekannten Iren reihen sich handzahm in die graue Liste ein, in trauter Eintracht mit LH, BA und AF. Keine Preiskapriolen mehr also bei Ryanair? Man mag es kaum glauben, aber es könnte stimmen. Auf Ryanair.com gibt es aktuell tatächlich Tickets für drei Euro inklusive aller Steuern und Gebühren. Frau Kuneva sei Dank. Dafür sei ihr die von ihr ebenfalls initiierte stufenweise Abschaffung der Glühbirne ausdrücklich verziehen. Schön wäre es freilich, wenn sich die Kommissarin gleich über die neusten Gebührenkreationen der Iren Gedanken machen könnte: Check-in-Gebühren, Aufschläge für Übergewichtige und die im Raum stehende Fee zur Nutzung der Bordtoiletten etwa. Doch die stehen offenbar tatsächlich im Einklang mit dem EU-Verbraucherrecht. Oder doch nicht? Frau Kuneva, bitte übernehmen Sie.

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