Politik

Jetzt werde ich Tourismusminister!

Der schwarz-rote Koalitionsvertrag liegt vor, von den Lobbyisten der Reisebranche gibt es die erwarteten Reaktionen – da geht noch was, auch personell.

von Klaus Hildebrandt, 27.11.2013, 17:04 Uhr

Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist das große Thema, die Auswirkungen auf die Reisebranche waren am Donnerstag das meistgelesene Thema auf fvw.de. So wie jede andere Branche pickt sich der Tourismus die guten und die schlechten Seiten heraus. So kritisiert der Luftverkehrsverband BDL, dass die Abschaffung der Ticketsteuer in letzter Minute doch wieder gekippt wurde, der Flughafenverband ADV lobt aber auch, dass endlich mal ein gesamtdeutsches Luftverkehrskonzept entstehen soll. Und die ermäßigte Hotel-Mehrwertsteuer bleibt (der Hotel- und Gaststättenverband genießt das ganz heimlich).

In den Leser-Kommentaren auf fvw.de heißt es, der Tourismus sitze weiter "am Katzentisch" und der ASR fordert erneut ein Tourismusministerium. Das brauchen wir zwar meiner Meinung nach nicht: Ein guter Wirtschaftsstaatssekretär kann vielleicht mehr bewegen als ein Minister am Katzentisch des Kabinetts. Aber wenn es denn so sein soll – über Personalien haben Merkel, Gabriel und Seehofer vor der Presse noch nicht geredet – dann übernähme ich sofort den Posten.

Warum? Da muss man nur den Koalitionsvertrag lesen. Der Abschnitt zum Tourismus ist sehr überschaubar, und alles was da steht, klingt wunderbar! Der Tourismus sei ein "wichtiger Wirtschaftsfaktor" und brauche "ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, Qualität und Freudlichkeit im Service". Das könnte kein Reiseveranstalter schöner sagen. Doch TUI & Co sind gar nicht gemeint, sondern die ländlichen Regionen. Da Tourismus aber Ländersache ist, gibt es also gar nicht viel zu tun, und freundliche Menschen sind eh in Deutschland genug vorhanden.

Natürlich sollte sich ein Tourismusminister auch in Hardcore-Themen wie die Verkehrspolitik einmischen. Aber wer legt sich schon gerne mit CSU-Schwergewicht Peter Ramsauer an? Und wenn eine schwarz-grüne Koalition in Hessen das Nachtflugverbot in Frankfurt weiter ausdehnt und damit dem Luftverkehr schweren Schaden zufügt? Das ist dann Ländersache! Für Verbraucherschutz, den Mindestlohn, die Automaut für Ausländer, die Entwicklung der Informationstechnologie und anderes Gedöns sind eh andere Minister zuständig.

Für den Tourismusminster bleiben andere wichtige Aufgaben. Union und SPD wollen laut Koalitionsvertrag eine "Initiative Kulturtourismus" starten. Das macht Spaß. Ich erinnere mich an ein Interview mit dem Tourismusminister eines Karibik-Staates. Der erzählte mir, dass er gleich weiter zu den Filmfestspielen nach Cannes fliege. Da sah man ihn später in der Klatschpresse auf Promi-Parties. Das würde ich zur Not auch noch machen.

Aber ich fürchte, Merkel, Seehofer oder Gabriel werden sich nicht auf die Einrichtung eines Tourismusministeriums einlassen. Oder sie finden bei genauem Hinsehen den Job so attraktiv, dass sie ihn gleich selbst mit übernehmen!

Kommentare

von Qaqortoq, 27.11.13, 19:47
Gemach, Gemach, Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die SPD-Mitglieder diesen Koalitionsvertrag mehrheitlich ablehnen werden. Was danach rauskommt, steht in den Sternen. Neuwahl mit absoluter Unions-Mehrheit (und der Opposition im eigenen Lager durch die CSU!). Oder wieder Schwarz-Gelb mit einer schwindsüchtigen FDP, die dann wohl wieder Chancen hätte? Spannend, spannend!

von Heiner, 27.11.13, 21:40
Aha, wir brauchen also keinen Tourismusminister? Wieso eigentlich nicht? Tourismus ist für mich nicht nur TUI oder Thomas-Cook. Tourismus sind für mich Lufthansa und Ryanair mit ihren Anzahlungsmodellen, das ist Berlin Brandenburg, der DRV und der ASR, das sind die Reisebüros mit ihrer Nullprovision, aber auch Sabre, Traffics, der Bayrische Hof in München oder die kleine Pension im Spreewald. Wieso dafür keinen Minister? Auf den Minister aus Bayern, der die letzten 4 Jahre dieses Amt ansatzweise so nebenbei mitgemacht hat und mal für BBI zuständig war, mal wieder nicht, sollten wir nicht setzen. Warum also keinen Bundesministerium für Tourismus, Reise und Verkehr, Herr Hildebrandt? Das Bau- und Wohnungswesen kann Herr Ramsauer weiter machen, wenn er nochmal dran kommt. Da hat er genug zu tun. Meine Meinung.

von Wolfgang Hoffmann, 28.11.13, 10:01
Oha! Die Errichtung eines Tourismusministeriums wäre doch die Garantie dafür, dass in dieser Branche, die sowieso in vielen Belangen ein Panoptikum der Hilflosigkeit darstellt nichts mehr, aber auch gar nichts mehr funktioniert.

von Marija Linnhoff, 28.11.13, 10:16
OMG...............bevor Klaus Hildebrandt zum Tourismusminister avancieren würde; dann würde ich doch lieber Klaus Brähmig vorschlagen ;)

von Dietmar, 28.11.13, 11:14
Klaus Hildebrandt als Tourismusminister wäre der erste Minister, der was vom seinem Fachgebiet versteht. Die meisten Minister haben sonst doch nur "Parteisoldat" gelernt.

von Klaus Hildebrandt, 28.11.13, 14:49
@Dietmar: Danke der Ehre! @Marija Linnhoff: Egal ob Mailand oder Madrid - Hauptsache, der neue Minister heißt Klaus! @Heiner: Die Sichtweise finde ich interessant. In der Tat wird immer noch sehr in Hardware gedacht: Natürlich ist Verkehrspoltiik auch Bau und Infrastruktur, aber es geht in der Tat auch um Tourismusentwicklung, wo IT- und Service-Themen sehr wichtig sind. Wie in dem Kommentar vorgeschlagen, könnte ein Neuzuschnitt wirklich Sinn machen.

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