Phocuswright

Die Reiseorakel sprechen

In Zeiten der Fußball-WM haben Zukunftsprognosen Hochkultur. Aber nicht nur afrikanische Seher, auch bekannte Reiseorakel wagen wieder einen Blick in die Glaskugel. Interessant, was sie dabei herausfinden.

von Arndt Aschenbeck, 01.07.2010, 12:53 Uhr

Es gibt wohl kaum einen afrikanischen Knochen-Deuter, Tierfell-Leser oder Innereien-Seher, der in den vergangenen Wochen nicht vor die Kameras gezerrt wurde, um den Ausgang des nächsten WM-Matches zu orakeln. Jüngster Höhepunkt ist Oktopus Paul. Der lebt nicht in Afrika, sondern im Sea Life in Oberhausen. Paul, die gemütliche und gefräßige Krake, sagte für eine Handvoll Muscheln schon die deutschen Erfolge gegen England und Ghana voraus, genauso wie die Niederlage gegen Serbien. Und jetzt „okrakelt“ sie einen Sieg gegen Argentinien im Elfmeterschießen.

Ein so treffendes Orakel würde wahrscheinlich auch den Reiseportalen gut zu Gesicht stehen, wenn es darum geht, herauszufinden, was die Kunden wirklich wollen. Klar, es gibt auch in der Touristik einige Unternehmen, die sich in regelmäßigem Orakeln über die Onlinewelt üben.

Immer wieder überraschen uns diese Orakel mit putzigen Untersuchungsergebnissen, die manchmal trivial, oft aber auch überraschend sind. Ähnlich wie nach dem Besuch bei einem afrikanischen Seher bleibt beim Lesen der Zusammenfassung einer solchen Studie öfter mal ein indifferentes Gefühl zurück: Die Message ist interessant und verlockend, aber so ganz mag man nicht zur enthusiastischen Sirene werden, um die Botschaft zu verkünden – weil man nicht die gesamte Studie kennt und nicht einschätzen kann, wie aussagekräftig sie ist.

Das alles vorweg geschickt, gibt es wieder neue Studien von zwei der größten Online-Forschungsunternehmen. Phocuswright verkündet im Consumer Travel Report, dass der Nummer 1-Grund, warum Amerikaner stationär buchen, die Suche nach persönlichem Service ist. Wer hätte das gedacht? Etwas konkreter wird es da schon bei Forrester Research. Ein Drittel aller Amerikaner und auch Europäer geben an, dass sie lieber einen überdurchschnittlichen Preis zahlen, um Zeit und Ärger zu sparen. Das ist doch eine frohe Kunde, zumindest für den stationären Vertrieb.

Die Reiseportale sollten an dieser Stelle den beiden „Orakeln“ genauer zuhören. Der amerikanische Online-Travel-Veteran Timothy O'Neil-Dunne – der übrigens nicht orakelt, sondern offen zugibt, dass er seine eigene Meinung kundtut – glaubt, dass sich die Travel-Sites mit ihren Kunden weiterentwickeln müssen, um erfolgreich zu bleiben. „Meiner Ansicht nach wird das Thema Inspiration bisher nicht genügend auf den linkshirnig geprägten Online-Reisebüro-Seiten gewürdigt“, schreibt Dunne auf Tnooz. Für ihn liegt die Zukunft in Seiten, die eine Mischung aus Inspiration, gezielter Suche und einer guten Navigation bieten.

Sein Schlussfolgerung: Kunden haben die Nase voll „von dem immer gleichen alten Zeug“. Sie wollen mehr Qualität, vor allem aber Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit und bewerten ein Angebot nicht unbedingt nur nach dem niedrigsten Preis.

Bei so vielen Orakel-Botschaften kann einem schon mal der Kopf schwirren. Was denken Sie, wo liegt der Heilige Gral für die Zukunft der Online-Reisebüros? Wie sollte die Seite der Zukunft aussehen? Was wollen die Kunden wirklich? Schreiben Sie mir doch mal, was Ihnen Ihre Kristallkugel heute morgen gezeigt hat. Oder was Sie gestern Nachmittag im Kaffeesatz gelesen haben ...

Kommentare

von Ralf-Gunnar Ludwig, 01.07.10, 14:56
Die Antwort, auf was die Kunden online erwarten, hat Herr Würst (TOC) - von der FVW auf die 25,- EUR Rabattaktion angesprochen - doch schon geliefert: - - - Zitat FVW.de: "Solche (Rabatt) Aktionen müssen leider sein, um wettbewerbsfähig zu sein", sagt Vertriebsdirektor Christian Würst auf Anfrage. In diesem Segment (Online-Reisebüro) sei ein Nachlass von 25 Euro absolut branchenüblich. - - - Also sparen wir uns die Suche nach Inspirationen und das Gefasel von Qualität und Verlässlichkeit: "Billig will ich" so denken die Kunden. Davon scheint man zumindest im Hause TOC auszugehen. Oder fehlt es hier einfach nur an Innovationen, an Qualitätsmerkmale, an einem Mehrwert, für den der Kunde bereit wäre - ja noch nicht einmal einen überdurchschnittlichen, nein - den ganz normalen, durchschnittlichen von TOC als realen Gegenwert für ihre Reiseleistungen ermittelten, Reisepreis zu zahlen? Sei es drum: Wird halt über den Preis verkauft. Aber dann muss TOC hier auch nochmal nachlegen, denn "branchenüblich" sind bei den grossen Online Portalen schon längst 50,- EUR.

von Arndt Aschenbeck, 02.07.10, 09:22
Da war ich mit meinem Blog gestern wohl etwas zu voreilig. Denn heute flattert eine neue Durchsage eines Reiseorakels auf meinen Schreibtisch. Sie stammt aus dem Hause Unister. Man höre und staune: tnsemnid hat im Auftrag der Leipziger herausgefunden, dass über die Hälfte der Frauen unter 40 Jahren einen Bikini (51 Prozent) und nur 12 Prozent einen Badeanzug tragen. Bei den Männern in der gleichen Altersgruppe trägt dagegen mehr als die Hälfte (51 Prozent) knielange Badeshorts. Wer hätte das gedacht? Und es wird noch besser. Sage und schreibe 9 Prozent der Damen trägt einen Tankini, also ein Hemdchen mit Badehose. Und warum? Auch das wissen die Studienverfasser. "Frauen mögen diese Modeerscheinung besonders deshalb, weil der Pareo sowohl zum Bikini als auch zum Badeanzug passt, ein paar Pfunde kaschiert." Aha. Vom Bikini über den Tankini gehts dann zum Burkini, den immer noch ein Prozent der Frauen tragen. Ich habe zwar nicht ganz verstanden, was das ist, aber immerhin weiß ich jetzt, dass der am meisten in Nordrhein Westfalen getragen wird. Das echte Highlight kommt zum Schluss dieser modisch höchst interessanten Untersuchung aus dem Hause Unister. Je älter die Männer, desto enger die Badehose. Jeder zweite Mann in Deutschland über 50 bevorzugt eine enge Slip-Badehose, enge Boxer-Badehose oder einen Jammer (Radlerhose, kannte ich vorher auch noch nicht). Auf so ein Fashion-Orakel muss man erst mal kommen. Mein spontaner Gedanke: Da hat wohl in Leipzig die Klimaanlage versagt. Nur mit Hitzewallungen kann ich mir diese bemerkenswerte Analyse über Bademoden erklären.

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