Pauschalurlaub

Hilfe, die Urlaubstester kommen!

Der Sommer naht, die Reisetester des Fernsehens schwärmen aus. War Aida nur der Auftakt – und sind wir Fachleute voreingenommen?

von Klaus Hildebrandt, 21.05.2014, 13:45 Uhr

Vor zwei Jahren verglich das ZDF Robinson und Aida, vor einem Jahr sorgte der TUI-Markencheck in der ARD für Aufsehen, nun nahm sich der NDR eine Aida-Kreuzfahrt vor – und der RTL-Urlaubsretter ist sowieso bei Pleiten, Pech und Pannen allgegenwärtig mit seinem Kamerateam. Nein, so richtig gut ist bislang kein Urlaubsanbieter in einer der Reportagen weggekommen. Das wäre ja auch langweilig wie sechs Wochen All-inclusive-Urlaub nur im Hotel, wenn sich nicht irgendwo ein Haar in der Suppe fände.

Die Reaktionen sind immer gleich. Die Unternehmen kritisieren eine tendenziöse Berichterstattung, und auch viele Experten von Reisebüros und Veranstalter sagen, da würden Äpfel mit Birnen verglichen. Wenn zum Beispiel im jüngsten Aida-Beitrag ein Hotelexperte die Kabine, die auf Kreuzfahrten eigentlich nur zum Schlafen dient, mit dem Zimmer eines Ferienhotels vergleicht. Oder wenn sich das Testpärchen wundert, dass eine (günstige) 13-Quadratmeter-Innenkabine doch nicht allzu groß ist und kein Fenster hat.

Sind die Touristiker zu wehleidig? Auf fvw.de wird das Aida-Beispiel von Reisebüro-Experten lebhaft diskutiert. Natürlich werden mit Wonne die Mängel gefilmt – statt wie im wirklichen Leben an der Rezeption um eine Behebung zu bitten. Sicher geht im Dienstleistungsbereich mal etwas schief. Fast noch wichtiger als die Panne auf einer Reise oder im Hotel finde ich dann, wie professionell der Anbieter damit umgeht. So ähnlich funktioniert übrigens auch unser Mystery Shopper in der fvw, wo wir Reisebüros oder Websites und Services aus Kundensicht testen. Keiner kann alles wissen oder überall perfekt sein, aber man sollte den Kunden dann transparent und freundlich weiterbegleiten.

Einen Trost gibt es: Gemessen an dem, was gerade Burger King mit dem "Team Wallfraff" von RTL passierte, ist die Touristik bislang sonnig davongekommen. Der Deutschland-Chef des Burger-Braters entschuldigt sich in einer TV-Kampagne persönlich. Das habe ich bislang in der Reisebranche noch nicht gesehen. Aber der Urlaubssommer fängt ja auch gerade erst an.

Kommentare

von Jens Fischer, 21.05.14, 21:58
Hallo Klaus, die Medien bauschen doch in jeglicher Form die „wichtigen“ Themen auf. Effekthascherei logisch, nur wer laut trommelt erfährt Gehör. Wer Gehör erfährt hat z.B. in Bezug auf das Fernsehen Einschaltquoten, die bringen das doch so nötige „Kleingeld“! Was klappt gut bei den Menschen? Mach es reißerisch, stell es für den Einzelnen gefährlich dar. Und schon funktioniert es. Nicht nur bei Reisen! Aber sind wir doch mal ehrlich, in der Reisebranche wie auch in fast allen anderen Branchen. Der Konsument will nur noch billig! Das wiederum bedingt einfach dass die Qualität leidet, und zwar zwangsweise ganz automatisch. Innerhalb der Reisebrache kann ich schlecht an den Zimmern sparen, was die Größe betrifft. Man kann schlecht aus einem Zimmer 2 machen. Also was bleibt um Geld zu sparen damit die Reiseveranstalter billiger einkaufen können um billiger anzubieten? Der Service! Der muss darunter leiden. Hier kann ich Kosten drücken. Mein Fazit: Eine Spirale wie auch bei Lebensmitteln. Es wird weiter reißerisch berichtet um Einschaltquoten zu bekommen. Die Grundlage hierfür, also der Stoff aus dem die Alpträume werden, kommt aber hausgemacht vom Kaufverhalten der einzelnen Bürger. Was nicht heißen soll, dass ich die Art und Weise dieser Berichterstattung gut heiße! Im Gegenteil. Und die am wenigsten betrachtete Seite ist wie von Dir schon angeschnitten: Wie reagiert man, wenn man auf einen Mangel angesprochen wird? Hier trennt sich dann tatsächlich die Spreu vom Weizen. Aber wenn Mängel schnell und gut beseitigt werden interessiert das ja keinen, aus der Medienwelt! Das geht dann zu glatt, ohne Stolpersteine ohne ausschlachtbare, reißerisch darstellbare negative Situation. Nur negativ Dargestelltes erhält Aufmerksamkeit.

von HansJürgen Klesse, 22.05.14, 07:58
Als Mensch, der selbst "was mit Medien" macht und der gleichzeitig bekennender Aida-Fan ist, schlagen grundsätzlich zwei Herzen in meiner Brust. In diesem Fall fand ich die Sendung aber vor allem für den NDR oberpeinlich. Wie das der Mimik nach vermutlich latent depressive Pärchen treuherzig beklagte, es habe den Überblick über die Bordausgaben verloren (obwohl man die jederzeit im TV aktuell prüfen kann), angeblich zum essen keinen freien Tisch mehr finden konnte (wo haben die gesucht), es seien so viele Menschen an Bord (können die lesen, zum Beispiel die Infos über das Schiff) oder wegen des zu teuren Kaffees während des Landgangs herum nölte, das hatte schon was von Satire. Und die Hard-Facts: Keime an der Türklinke zum Klo oder am Fahrstuhlknopf - ist in dem Kaufhaus leider so. Aber dafür gibts überall Desinfektionsmittel. Und dazu aus dem Off die besorgte Stimme des Kommentators - wie gesagt, eher zum Lachen das ganze. Was mich gewundert hat: das professionelle Medienmacher sich trauen, sowas Dünnes ins Programm zu nehmen.

von Skeptiker, 28.05.14, 19:44
Besonders ärgerlich ist, dass sich ARD, RTL & Co. (wo war da gerade nochmal der Unterschied?) ein einzelnes Unternehmen rauspicken und unvermeidliche Petitessen als deren Alleinstellungsmerkmal darstellen: Nur auf der Aida kleben Bazillen am Liftknopf, nur auf der Aida gibt es kleine Innenkabinen, nur bei TUI gibt es Irrtümer in der Zielgebietsabwicklung, nur TUI-Hotels bieten Anlass zu Beschwerden, usw. a.n. Und fast nichts, was deren Anwälte und PR'ler dagegen unternehmen können, ohne in der öffentlichen Wahrnehmung alles noch viel schlimmer zu machen. Wem Beschwerden vor Ort und Kommentare auf Holidaycheck zu wenig sind, um dem Ärger über einen nicht erwartungsgemäßen Urlaub Ausdruck zu verleihen, kann sich ja womöglich mal bein Fernsehen bewerben.

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