Pauschalreisen

So bleibt Deutschland Reiseweltmeister

Aus. Das Spiel ist aus. Oder eben doch nicht. Deutschland ist Weltmeister, in vielen Disziplinen. Den Titel des Reiseweltmeisters gilt es jetzt zu verteidigen. Es wird ein Kraftakt. Ausgerechnet Booking.com zeigt, wie es funktionieren kann.

von Dirk Rogl, 14.07.2014, 15:34 Uhr

Das Touristik-Jahr 2014/15 geht ab heute in die entscheidende Schlussphase. Lange Zeit sah es nach einem souveränen Sieg für die Pauschalreise aus. Satte Zuwächse im Winter sorgten schon zur Halbzeit, auf der ITB im März, für kollektiven Freudentaumel. Inzwischen wissen wir, Touristik-Deutschland hat sich zu früh gefreut.

Um satte 18 Prozent lagen die Veranstalter-Umsätze laut GfK im Juni 2014 unter Vorjahr. Die Fußball-WM hemmt das Fernweh. Und wie die aktuelle Branchenanalyse in fvw 14/14 belegt, sind die Prognosen für die kommenden Wochen nicht nur rosig, insbesondere weil üppig vorhandene Kapazitäten mit voller Wucht auf das Preisbild drücken.

Dennoch: Das glorreiche Ende der Fußball-WM ist heute auch ein Wendepunkt in der Pauschaltouristik. Veranstalter und Reisebüros sind sich einig, dass es beim Buchungseingang nun nur noch aufwärts gehen kann. Gastronomen und Brauer werden es nicht gern hören, aber nur so kann es sein. Nach fast fünf Wochen Fußball-Rausch dürstet es dem gemeinen Deutschen nicht mehr nach Public Viewing und Gerstensaft sondern nach Tapetenwechsel, Entspannung und neuen Eindrücken.

Die spannende Frage ist nun, wer von dem zu erwartenden Lastminute-Boom profitieren kann. Mehrere Veranstalter reagieren heute mit zusätzlichen Preisanreißen und Kinder-Ermäßigungen. Aber ist das wirklich der richtige Weg, um in einem ohnehin unter Preisdruck stehenden Markt zu den Gewinnern zu gehören?

Wie es gehen kann, zeigt ab heute abend ausgerechnet Booking.com. Das Hotel-Portal startet am heutigen Montag zur Primetime eine umfassende Markenkampagne und empfiehlt sich als „die beste Unterkunfs-Website auf Erden“. Wir wissen nicht, ob die Aussage gekonnte Selbst-Ironie oder purer Ernst ist. Vermutlich eine Mischung aus beidem. Klar ist aber, den Preis erwähnt der Internet-Gigant nicht mit einer Silbe.

Klar ist auch dass das Timing und die Aussagen der TV-Spots gut gewählt sind. Gewiss, die Bilder der jenseits des Atlantiks schon im Vorjahr gestarteten Booking-Yeak-Kampagne sind für den US-Markt gemacht. Doch die Kernaussagen passen auch in Deutschland: Wer perfekte Urlaubsmomente genießen will, sollte dieses Portal besuchen. Genau das werden Millionen Deutsche so wahrnehmen.

Es gibt eine Flut von Argumenten, weshalb ein Besuch im Reisebüro die bessere Alternative und die organisierte Pauschalreise die bessere Urlaubsform im Vergleich zu einer Hotelbuchung auf Booking.com sind. Ob Kompetenz, Sicherheit, Service oder Individualität, sehr vieles spricht in diesem Sommer für eine Veranstalter-Reise.

Es liegt nun an den Veranstaltern und Reisebüros, ihe Vorzüge glaubhaft zu vermitteln. Denn der potenzielle Kunde, der heute Abend noch einmal die Jubel-Bilder aus Rio de Janeiro sehen will, wird intensiv an das Gegenteil erinnert. Deutschland ist Weltmeister im Fußball. Und es wird, trotz neuer Ströme aus und innerhalb Chinas, vermutlich auch Reiseweltmeister bleiben. Wer in der Touristik in diesem Jahr wirklich gewinnt, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Das touristische Finale ist noch längst nicht vorbei. Und die Erfahrungen des gestrigen Fußball-Krimis zeigen: Es kann sich lohnen, an die Schmerzgrenze zu gehen.

Kommentare

von Robert, 18.07.14, 09:02
Meldung: "TUI steigt nach nur zwei Jahren bei 'Michael Poliza Experiences' aus: In Hannover will man sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. Spätestens von Januar an wird der Fotograf Michael Poliza seine Luxusreisemarke allein führen." Genau vor 2 Jahren konnte man dies hier in den Kommentaren schon lesen ! Das ist ja hier wie in der Glaskugel !

von Robert, 23.07.14, 11:22
Meldung: Hotel -Rekord bei Thomas Cook, 20000 Häuser stehen zur Auswahl, davon Drei Viertel nur in den Reservierungssystemen. Dazu muß man wissen, das in den Systemen dazu überwiegend steht "leider liegt uns keine Hotelbeschreibung des Veranstalters zu diesem Hotel vor" und der Hinweis "es gilt nur die Beschreibung des jeweiligen Veranstalters!". Wie kann man denn diesen unhaltbaren Zustand als Erfolg feiern ?

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