Pauschalreisen

Déjá vu der EU-Richtlinie

Die Pauschalreise ist wieder gesellschaftsfähig, die Richtline längst. Aber nun könnte die EU wieder ein Thema bei der DRV-Tagung werden.

von Klaus Hildebrandt, 30.11.2009, 18:25 Uhr

Anfang und Mitte der 90-er Jahre war die Pauschalreise-Richtlinie der EU ein großes Thema auf DRV-Tagungen. Heftig wurde über Sinn und Unsinn der Kundengeldabsicherung gestritten. Ende 1994 wurde die EU-Vorgabe dann in deutsches Recht umgesetzt – wir waren natürlich wieder mal Vorreiter und machten das ganz korrekt, andere EU-Länder handhabten die Umsetzung weitaus laxer. Nun hat die für Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissarin das Thema wieder auf die Tagesordnung gesetzt, sie will die Richtlinie überprüfen. Vergangenen Donnerstag informierte sie in Brüssel darüber

. Und heute setzte sich als erster Verband die Portal-Lobby vom VIR darauf. Die Onliner befürchten, dass das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird und selbst Bausteine künftig unter die Pauschalreise-Richtlinie fallen. Zumal die EU-Kommissarin Meglena Kuneva sogar Expedia und Opodo in ihrer Ansprache nannte, TUI und Thomas Cook erwähnte sie mit keinem Wort. Diese Woche beim DRV dürfte das Thema auch last Minute auf die Agenda kommen. Zumal TUI schon vorgeprescht ist: TUI-Travel-Boss Peter Long begrüßte die EU-Überprüfung. Nicht nur die Internet-Portale, auch einige andere Veranstalter sollen das anders sehen. Long freut sich, dass auch Nurflug-Gäste künftig mit erfasst werden – die blieben vor einem Jahr bei der Pleite der britischen XL-Leisure-Group außen vor. Vielleicht aber verbinden Long mit der Pauschalreise-Richtlinie genau wie mich, der ich vor über zehn Jahren ungezählte Zeilen zu dem Thema verfasste, eigene Erinnerungen: Er war Anfang der 90-Jahre Top-Manager der International Leisure Group (ILG) und deren Veranstalter Sunworld. Als die ILG spektakulär Pleite ging, brachte dies britische EU-Parlamentarier erst auf die Idee, Pauschalreisende besser zu schützen. Warten wir nun mal ab, was der DRV in den kommenden Tagen zu dem Thema zu sagen hat.

Kommentare

von Michael Buller, 02.12.09, 12:43
Mit verwunderung habe ich das Inteview mit Herrn Long gelesen. Herr Long sagt "Es sei verständlich, dass Unternehmen, die sich bislang nicht von der Richtlinie erfasst würden, dagegen sperrten. "Aber der Kunde erwartet mittlerweile einen Schutz durch das Recht." Die Aussage ist ein 2 Punkten nicht richtig! Die Eigenveranstaltung stellt sehr wohl Sicherungsscheine aus und auch bei Produkten wie DP wird entsprechend den Gesetzen auch ein Sicherungsschein ausgestellt. Darüber hinaus sperrt sich keiner....es muss nur richtig gestellt werden das der Absatzkanal keine Rolle spielt (so sind zumind. deutsche Gesetze). Immerhin gibt auch ein Veranstalter ja bei Hotel only Buchungen meines wissen ja auch keinen Sicherungsschein oder? Die Diskussion darüber was in Zukunft zu machen ist muss geführt werden (Auch wenn wir überhaupt nicht die Ursache des Problems sind) aber bitte bleiben wir bei den Tatsachen und hören auf damit Politik oder sogar den Kunden fehl zu informieren. Um mehr gehts hier garnicht! Mfg Buller

von Klaus, 03.12.09, 15:21
Lieber Herr Buller, ich glaube Peter Long hat stark den britischen Markt vor Augen, der mit dem ATOL-Bonding-System anders funktioniert und wo, anders als in Deutschland, Online-Portale wie Travel Republic, ihre selbst veranstalteten Pauschalreisen nicht immer absichern, weil sie behaupten, das seien ja nur aus Datenbanken zusammengefügte Einzelleistungen. Das Verfahren startet ja gerade und da ist es sicher richtig, dass auch der VIR seine Sichtweise einbringt.

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