Olympia

Leidenschaft steckt an

In Hamburg machen sich drei Touristiker für Olympia stark. Heute wollen sie Massen an die Alster bewegen, um ein Zeichen zu setzen.

von Sabine Pracht, 20.02.2015, 09:23 Uhr

„Wir sind Feuer und Flamme, weil Hamburg nur gewinnen kann“– zugegeben: der Werbespruch für die Austragung der Olympischen Spiele in Hamburg ist nicht schlecht. Angesichts der mangelnden Olympia-Euphorie der Hamburger Bürger kommt der Spruch allerdings sehr gequält daher.
Als mir Anfang der Woche bei meinem Bäcker der Werbe-Aufkleber in die Hände fiel, schaute ich ihn mir genau an und während ich noch überlegte, wo ich den hinkleben sollte, legte ich ihn auch schon wieder zurück auf den Stapel. Meine bestellten Franzbrötchen waren fertig eingepackt.
So wie mir geht es offenbar vielen Hamburgern. Im Alltag ist ein Ereignis, das 2024 stattfinden könnte und der Stadt sicher viel Gutes Bescheren würde, eben doch ziemlich weit weg. Schade eigentlich, dass man nicht so schnell Feuer und Flamme ist.
Nach der letzten Forsa-Umfrage, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im September vergangenen Jahres durchführen ließ, sind nur 53 Prozent der Hamburger für die Spiele im Norden. In Berlin ist die Zustimmung mit nur 48 Prozent noch geringer.

Vor ein paar Tagen hat die zweite Befragung begonnen. Und es gibt drei Männer in Hamburg, die die Umfragewerte positiv beeinflussen wollen: Die Zwillingsbrüder Gerrit und Frederik Braun und Stephan Hertz. Die Gründer des Miniaturwunderlands in Hamburg sind offenbar Feuer und Flamme und sie wollen, dass auch möglichst viele Hamburger für die olympische Idee in der Hansestadt brennen.

Mittels Facebook, in Kettenmails an Sportvereine, Hamburger Unternehmen und Institutionen werben Sie seit einer Woche für das „Olympische Alsterfeuer“.
Ihr Traum: 5000 Menschen stehen heute Abend ab 18 Uhr mit brennenden Fackeln an der Binnenalster und setzen ein Zeichen. Es wird ein Feuerwerk geben. Medien berichten, sogar die Tagesschau zeigt das Spektakel. Heute wird sich zeigen, wie viel Macht die sozialen Netzwerke entfalten, um Massen positiv zu bewegen. Die Medien jedenfalls haben schon ordentlich berichtet.

Der Himmel ist grau. Es wird kaum richtig hell heute in Hamburg. 25.000 Fackeln liegen wohl bereit. Mehr als 6000 Zusagen haben die Macher wohl über Facebook erhalten. Einen Sponsor für ein 15-minütiges Feuerwerk haben sie auch gefunden.

„Auf geht´s, unsere Jahrhundertchance!“schreiben die Initiatoren am Ende ihres Aufrufs. Dass sie mit viel Leidenschaft und Liebe zum Detail Massen begeistern können, haben sie schon bewiesen. Mit dem Miniaturwunderland haben sie in Hamburg einen echten Tourismusmagneten geschaffen: Mehr als zehn Millionen Kinder und Erwachsene haben sie schon in ihr Modelleisenbahnmuseum gelockt.

Als mich am Wochenende die Sammelmail meines Betriebssportvereins mit dem Aufruf ereilte, war ich skeptisch. Jetzt bin ich von dem Tatendrang der Gebrüder Braun und Stephan Herz Feuer und Flamme. Ich werde hingehen – und versprochen: Bilder mitbringen.

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19:40 Uhr

Hier ist mein Lieblingsbild:

Wahnsinn! Laut Polizei sind 20.000 Menschen gekommen, die mit ihren Fackeln rund um die Binnenalster Hamburg zum Leuchten gebracht haben - trotz Schietwetter. Und Lotto King singt "Hamburg meine Perle" - allerdings vom Band. Das Feuerwerk war trotz einiger Startschwierigkeiten der krönende Abschluss.

Mehr Eindrücke dazu gibt es auf fvw.de!

Kommentare

von Carsten Wolf, 20.02.15, 15:56
Ich wünsche Hamburg viel Erfolg - denn die Millarden Euro für Olympia müssen ja erst mal aufgebracht werden. Hier in Berlin gibt es keine Euphorie, außer eine von Senat und Wirtschaftsverbänden verordnete. Angesichts der Unfähigkeit, einen funktionierenden Flughafen zu bauen und der maroden Infrastruktur (Straßen, Schulen, Sportanlagen und so weiter), sowie leeren öffentlichen Kassen und einem Durchschnittseinkommen, das nicht halb so hoch wie in Hamburg ist, hoffe ich inständig, dass dieses potentielle Millardengrab an uns in Berlin vorüber zieht.

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