Öger, Russland

Öger und "The Deal"

Steigt Lebedew ein oder nicht? Nina Öger trat gestern in Hamburg auf – und hielt eine bemerkenswerte Rede.

von Klaus Hildebrandt, 20.11.2008, 08:48 Uhr

Mit einem wütenden Alexander Lebedew am Handy begann ihr Tag, Gespräche mit dem Betriebsrat und dem Management von Öger Tours folgten, am Abend trat Nina Öger vor der Hamburger Touristik-Lounge auf, einem von Uwe Bahn (NDR) und mir organisiertem Journalisten- und Touristikertreff. Der Termin war langfristig festgelegt, aber nach einem Tag voller Spekulationen über die Zukunft des Hamburger Veranstalters nutzte Nina Öger den Auftritt souverän, um in Anspielung auf die Locacation, das Design-Hotel "The George", über "The Deal" zu informieren. Ihre Aussagen dazu lesen Sie auf fvw.de. Bemerkenswert fanden die Zuhörer aber nicht nur die Lockerheit und Offenheit, mit der die Tochter von Vural Öger über die Chancen eines Lebedew-Einstiegs und ihren eigenen Werdegang im elterlichen Unternehmen berichtete. Haften blieb vor allem ein Wort: "Besinnung". Die aktuelle Finanzkrise hat nach Meinung von Nina Öger für den Tourismus zumindest die positive Auswirkung, dass die Branche sich wieder auf das wirklich wichtige besinnt. Gerade in Ögers Hauptdestination Türkei steigerten sich einige Baulöwen und Hoteliers in den vergangenen Jahren geradezu in einen Rausch. Aus dem verschlafenen Städtchen Antalya wurde in wenigen Jahren eine Metropole mit großer Immobilienspekulation, eine fünf-Sterne-AI-Anlage nach der nächsten wurde an der Küste aus dem Boden gestampft. Doch nun bricht vor allem der russische Markt ein, erzählte Nina Öger. Denn dort wütetet die Finanzkrise noch viel ärger, russische Familien können sich die höheren Reisepreise samt hoher Treibstoffzuschläge für die veralteten russischen Ferienflieger nicht mehr leisten. Jetzt kommt es zur "Besinnung" auf die treuen deutschen Gäste. Und einige Hoteliers, erzählte Nina Öger, sind stolz auf ein innovatives Verpflegungskonzept: Es gibt wieder mehr Halbpensionsangebote, die Kunden buchen mehr hochwertige Hotels, die Ägäis mit ihrem vielfältigen Tourismusangebot ist wieder gefragt. Das Wort "Besinnung" passt gut zur Weihnachtszeit. Aber wenn künftig so altmodische Werte wie Gastfreundschaft, Qualität und langfristige Partnerschaft wieder hoch im Kurs stehen, wäre die Phrase von der "Krise als Chance" wirklich wahr.

Kommentare

von barthel.eu, 20.11.08, 16:43
Interessant, da ich in den letzten Wochen verstärkt Fragen zu eigentlich philosophischen Themen gestellt bekomme. Es gibt eine Besinnung auf die "alte Schule": Vertrauen, langfristig angelegte Zusammenarbeit, Fairness, gemeinsam statt einsam... Meiner schon lang geäußerten Meinung nach ist der Fokus auf den schnellen Gewinn, koste er was es wolle ein Zeichen überzogenen Einflusses gieriger Finanzjongleure. Für mich aus diesem Grund seit Jahren das "Unwort": Shareholder Value. Ist denn der "Shareholder" wirklich nur am schnellen Gewinn interessiert? Oder wird da nicht was unterstellt? Ist dem Shareholder die Umwelt oder langfristige Unternehmensperspektive egal? Banken und Spekulanten, die Unternehmen kaputt machen um sich daran zu bereichern? Die Berichte kennen wir alle aus den Medien! Ich finde es jedenfalls beeindruckend und es stärkt meinen Eindruck der Ögers, die hier seit Jahren in einer Branche Herzblut zeigen, wo ich persönlich den "Gründen" der Verlegung der beiden Marktführer nach England bis heute mit Unverständnis gegenüber stehe...

von Stefan Werner, 20.11.08, 19:09
Falls der Öger-Verkauf über die Bühne geht, kann man nur hoffen, dass der Veranstalter seinen Charakter behält. Ich kenne Nina Öger nicht, habe nur mal Vural Öger auf einer Veranstaltung als Redner erlebt. Es wäre schade, wenn künftig nur noch Konzern-Apparatschicks Touristik machen. Unsere Branche lebt auch von den verschiedenen Kulturen und so interessanten Menschen wie den Ögers.

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